Der Redakteur | 17.09.2021 2G oder 3G: Womit kommen wir besser durch die Corona-Pandemie?

In Thüringen gilt 3G, wenn die Indikatoren gewisse Werte übersteigen. Dann können Veranstaltungen, Dienstleistungen oder Angebote nur von Geimpften, Genesenen und Getesteten in Anspruch genommen werden. Doch wieviel "G" ist sinnvoll? Welche Auswirkungen haben 2G oder 3G für alle Beteiligten? Oder sollten wir gleich alles öffnen?

Vor einer Bar in Hamburg steht ein Hinweisschild, welches auf den Einlass nach der 2GRegel hinweist.
In einigen Bundesländern wie Hamburg gilt bereits die 2G-Regel (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Deutschland diskutiert. Wieviel Freiheit können wir uns leisten angesichts unseres Impffortschritts? Schließlich gilt nach wie vor das Versprechen - gestützt durch die Verfassung: Wenn alle ein Impfangebot erhalten haben, bekommen wir unser freies Leben zurück. Doch haben jetzt schon alle ein Impfangebot erhalten? Stichwort Schwangere und Kinder. Hier hat die Ständige Impfkommission (Stiko) mittlerweile Empfehlungen ausgesprochen und den Beschlussentwurf - so wie es vorgeschrieben ist - in das vorgeschriebene Stellungnahmeverfahren mit den Bundesländern und die beteiligten Fachkreisen gegeben. Das betrifft die Schwangeren und Stillenden.

Die Empfehlung basiert auf einer systematischen Aufarbeitung der in den letzten Wochen verfügbar gewordenen Daten zum Risiko von schweren Covid-19 Verläufen in der Schwangerschaft sowie zur Effektivität und Sicherheit einer Covid-19-Impfung bei Schwangeren und Stillenden.

Pressemitteilung der Stiko vom 10.09.21

Das permanente Scannen der weltweit durchgeführten wissenschaftlichen Erhebungen und deren Auswertung führen dazu, dass sich ein anfängliches Zögern der Stiko letztlich zu einem "Ja" verändern kann. So war es auch bei den Zwölf- bis 17-Jährigen. Den politischen Druck, doch bitte endlich mal zu einer positiven Entscheidung zu kommen, haben die Fachleute übrigens mindestens als nicht hilfreich empfunden. Bei ihrer Arbeit geht es um Gründlichkeit und nicht um Schnelligkeit und schon gar nicht um Gefälligkeit.

Wie hoch ist eigentlich die Akzeptanz der aktuellen Schutzmaßnahmen?

Bei den Corona-Regeln gehen die Meinungen bekanntlich auseinander. Das war schon immer so und wird wohl auch so bleiben. Dazu haben unsere beteiligten Entscheidungsträger einen großen Beitrag geleistet, indem sie sich im Kleinklein der Regelungen mit zum Teil praxisuntauglichen Details verheddert haben. Infratest dimap befragt uns Deutsche regelmäßig zu Regelakzeptanz. Nur 25 Prozent sagten im August, "das geht mir zu weit", 51 Prozent finden die Regeln okay, 21 Prozent wollen sie gar verschärfen.

Das alles sollten wir wissen, bevor wir in die Diskussion um 2G und 3G einsteigen.

Wie viele G hätten Sie gern?

Bisher gilt in Thüringen 3G. Was heißt, wenn zwei unserer drei aktuellen Stufenindikatoren überschritten werden, dann gilt in vielen Bereichen: Zutritt nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete. Und zwar in Restaurants, Hotels, Bars, bei körpernahen Dienstleistungen wie Friseur, Kosmetikstudio, Tattoostudio, in Fitnessstudios, Schwimmbädern und Sporthallen, Museen, Kinos, Theatern, Konzerten, Clubs, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Reha- und Behinderteneinrichtungen und bei Auslandsflügen. Das basiert auf einer Bundesregelung vom 23. August, die unsere Notbremse ersetzen soll.

Vorteil von 3G: Es sind alle dabei. Aber die Einrichtung kann meistens nur - wegen der Abstandsregeln - mit einer niedrigen Kapazität fahren. Auch ist natürlich die Sicherheit von Tests sehr davon abhängig, wer diesen gemacht hat und welcher Test überhaupt zur Anwendung kam. Ein schlampig durchgeführter Schnelltest bringt gar nichts.

Corona-Maßnahmen nach dem Thüringer Warnstufensystem
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Corona-Maßnahmen nach dem Thüringer Warnstufensystem

Corona-Maßnahmen nach dem Thüringer Warnstufensystem

Demnächst 2G in Thüringen

Nun will Thüringen demnächst seine 2G-Regel präsentieren, in anderen Ländern gibt's diese schon und wurde "begeistert" empfangen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg hält sie nicht für sinnvoll. "Wir wollen Gastgeber für alle sein", so Dehoga-Präsident Olaf Schöpe. Man könne nicht eine ganze Menschengruppe ausgrenzen. Die übergroße Mehrheit der Branche würde die brandenburgische 2G-Regel ablehnen und bleibe bei einem Einlass von Genesenen, Geimpften und Getesteten, also 3G.

Das Brandenburger Kabinett hatte zuvor beschlossen, dass Betreiber Nicht-Geimpfte oder Nicht-Genesene außen vor lassen zu dürfen, ausgenommen Kinder unter zwölf Jahren. Das führt direkt zu der Frage, was ist mit den Zwölf- bis 17-Jährigen, die ja noch gar nicht die Zeit hatten, sich komplett impfen zu lassen. Vorteil von 2G: Für die Gäste fallen dann Masken- und Abstandspflicht weg. Dieser 2G-Ansatz gilt in Brandenburg aber dort nicht in Kitas, Schulen, Bibliotheken, Museen, Schwimmbädern, im Einzelhandel und öffentlichen Nahverkehr. Wie das in Thüringen regelt werden soll, ist noch nicht bekannt.

Gaststättenverband will klare Ansagen

Dirk Ellinger vom Thüringer Hotel- und Gaststättenverband möchte endlich eine nachvollziehbare, einheitliche und verlässliche Regelung und kritisiert, dass in Thüringern bei Überschreitung der Warnwerte die Landkreise selbst Regelungen schaffen müssen, wie sie 3G (und demnächst 2G) dann umsetzen. Ein lokaler Flickenteppich in einer Pandemie - das passe nicht zusammen.

Dirk Ellinger
Dirk Ellinger vom Thüringer Hotel- und Gaststättenverband fordert Klarheit seitens der Politik. Bildrechte: dpa

Wenn dann noch die Thematik Angestellte hinzukommt, dass nämlich in den meisten Branchen die Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Angestellten nicht abfragen dürfen, dann kontrollieren also möglicherweise Nicht-Geimpfte die Impfnachweise und begleiten die Gäste durch die Einrichtung? Von dem bürokratischen Aufwand und dem Ärger mit den Gästen ganz zu schweigen, wenn Schnelltests positiv ausfallen oder Papiere eigentlich nicht ausreichen.

Warum lassen sich denn einfach alle impfen und alles ist gut?

Diese Frage müssen sich die Menschen stellen, die mit absurden und längst wiederholten Behauptungen eine Impfung ablehnen. Damit sind nicht die gemeint, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können oder nach Abwägung ihrer persönlichen Situation beispielweise auf weitere Impfstoffe wie Novavax warten, weil diese Ansätze überzeugender klingen. Auch wenn damit natürlich die Gefahr verbunden ist, sich das Virus in der Wartezeit doch noch einzufangen.

Eine dieser widerlegten Behauptungen der härteren Corona-Impfgegner bezieht sich auf die angeblich schnell zusammengeschusterten Impfstoffe, die gar nicht ausreichend erforscht seien. Dabei wurde die mRNA erstmals 1961 beschrieben und mRNA-Impfstoffforschung läuft seit Jahrzehnten und nicht erst seit Corona. 1993 schon gab es erste Versuche an Mäusen, 2002 erste Studien mit Menschen.

Gescheitert ist eine Anwendung bisher immer vor der letzten Zulassungsstufe, weil diese an Tausenden Probanden durchgeführt werden muss und mindestens dreistellige Millionensummen verschlingt. Dieses Geld stand leider erst unter dem Druck der Corona-Bedrohung bereit und kam oft aus öffentlichen Kassen. Während Antibiotika schon nach Studien mit mehreren hundert Probanden zugelassen werden und sich niemand darüber aufregt, müssen bei den Impfstoffen Zehntausende einbezogen werden.

Impfungen vor Zulassung streng kontrolliert

Hinzu kommt: Die derzeitige Impfkampagne mit ihren Melde- und Untersuchungsmechanismen (in Deutschland beim Paul-Ehrlich-Institut angesiedelt) ist beispiellos in der Geschichte der Menschheit. Gerade bei uns und in anderen hochentwickelten Staaten wird quasi jedes Zwicken gemeldet und so ergibt sich ein Gesamtbild, das vollständiger kaum sein kann. Mittlerweile finden wir sogar Nebenwirkungen, die vielleicht bei Millionen von Impfungen und ganz speziellen bestimmten körperlichen Dispositionen einmal auftreten.

Übrigens würde das auch bei anderen Impfungen der Fall sein. Der Schicksalsschlag mag für den Einzelnen dramatisch sein und landet dann ungefiltert in den Gruppen-Chats der Impfgegner, für die Wissenschaft sind die Erkenntnisse aber ein Geschenk. Und angesichts der Tatsache, dass wir alle schon aus statistischen Gründen irgendwann mit dem Virus in Berührung kommen, steht immer noch die sehr wahrscheinliche These im Raum, dass der durch den Impfstoff Geschädigte auch beim Kontakt mit dem Virus ähnliche oder sogar schlimmere Auswirkungen bekommen hätte.

Prof. Christian Bogdan ist einer unserer führenden Mikrobiologen und Mitglied der Stiko, also eines Gremiums aus aktuell 18 in- und ausländischen Experten. Er kann über die unwissenschaftlichen "Argumente" der Impfgegner nur den Kopf schütteln. Schon der Grundgedanke, mit dem begonnen wird, die mRNA-Impfstoffe in Zweifel zu ziehen, ist falsch.

Die mRNA ist die Matrize für die Proteinproduktion und kein Gen. Und es gibt bisher wirklich keine in irgendeiner Art und Weise überzeugenden Hinweise dafür, dass eine RNA eines Impfstoffes in unser Genom eingebaut werden könnte. Da gibt es viele zellbiologischen Gründe, warum das letztlich gar nicht möglich ist.

Prof. Christian Bogdan, Mikrobiologen und Mitglied der Stiko

Professor Christian Bogdan vom Universitätsklinikum Erlangen
Prof. Christian Bogdan ist einer der führenden Mikrobiologen und Mitglied der Stiko. Bildrechte: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen

Vielleicht ist für die Impfskeptiker die Nachricht interessant, dass Corona-Impfstoffe nach dem klassischen Prinzip vor der Zulassung stehen. Also Impfstofftechnologien, denen die meisten von uns bisher vertraut haben. Wobei wir uns da oft keine Gedanken gemacht haben, was wir da eigentlich bekommen haben. Tote oder abgeschwächte, aber lebende Viren - das klingt doch wunderbar!

Da muss das Vertrauen schon sehr groß gewesen sein in die Wissenschaft. Und jetzt? Jetzt wird - um unser Immunsystem in die Spur zu schicken - nicht mehr das tote oder abgeschwächte Virus gespritzt, sondern nur der Bauplan von dessen Hülle (Stichwort Spike-Protein), quasi ein Eiweiß in Fett verpackt. Und das soll nun schlimmer sein, als ein abgeschwächtes Virus? Oder gar schlimmer als eine Infektion, nach der im Körper viel schlimmere Prozesse drohen? Überzeugend logisch klingt das irgendwie nicht.

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 17. September 2021 | 15:40 Uhr

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