Der Redakteur | 15.12.2020 Wie sicher schützen FFP2-Masken

Eigentlich ist es doch "nur" eine Maske. Wir haben gelernt, dass FFP2-Masken auch den Träger schützen, das erklärt den Hype aktuell. Doch so einfach ist das leider nicht. Im Moment weiß nämlich niemand genau, ob die derzeit überall verkauften Masken wirklich alle das halten, was sie versprechen. Und wenn, dann machen wir als Maskenträger noch zusätzlich verhängnisvolle Fehler. Das geht fängt mit dem Rasieren an und hört mit dem Waschen (der Masken) noch nicht auf. Aber der Reihe nach.

Eine Apothekerin zeigt eine FFP2 Maske
Ein kleines Stück Stoff, ganz speziell verarbeiteter Stoff - und doch ein gewaltiges Thema. Thomas Becker hat zu Qualitätsstandards der FFP2-Masken recherchiert. Bildrechte: imago images / Markus van Offern

Zunächst haben sich die Apotheken bevorratet und es muss sich auch niemand beeilen, die drei kostenlosen Masken gibt es bis zum 6. Januar. Anschließend gibt es über Bedarfsscheine der Krankenkassen weitere Masken gegen eine Eigenbeteiligung von 2 Euro für je 6 Masken. Die Erfahrung des ersten Ausgabe-Tages: Es gab noch nicht überall Masken in den Apotheken und teilweise wurden auch nur Stammkunden bedient. In jedem Fall muss als Altersnachweis (Gruppe 60+) der Ausweis vorgelegt werden bzw. ein Nachweis, dass man zur Risikogruppe gehört. Man setzt dabei auf Ehrlichkeit.

Man muss sich hier nicht unsolidarisch zweimal anstellen. Es ist auch so, dass wir unsere Patienten auch kennen in den Apotheken. Meine Erfahrung ist: Die Leute sind viel anständiger, als oft gedacht wird.

Stefan Fink, Vorsitzender Thüringer Apothekerverband
Vor einer offenen Tür steht ein Schild, auf dem steht: "Achtung FFP2-Masken, Ausgabe auch über Innenhof am Fenster" 11 min
Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Christoph Dziedo

Um was für Masken geht es eigentlich?

Betrachten wir die Masken einmal etwas genauer. Eine FFP2 Maske hat spezielle Filterschichten, die eigentlich Unmögliches sicherstellen sollen. Einerseits sollen Schadstoffe – in diesem Falle Viren – fast vollständig (zu 95%) herausgefiltert werden, andererseits müssen wir irgendwie noch Luft bekommen. Während es bei den OP-Masken und der Mund-Nase-Bedeckung in erster Linie darauf ankommt, den "Wirkungskreis" unserer ausgeatmeten Luft zu bremsen und vielleicht die eine oder andere Befeuchtung durch Fremdeinwirkung zu reduzieren, geht es ab FFP2 um richtigen Schutz. Deswegen haben wir diese Masken auch bisher schon getragen, wenn wir die Flex angeworfen haben oder die Sprühpistole.

Für diese seltenen Fälle gab es auch genügend Masken - bis Corona kam. Der Weltmarkt war augenblicklich leergefegt, Schutzausrüstungen mussten schnellstens her – nicht nur Masken! Besonders im medizinischen Sektor stand man vor der Frage, gar kein Schutz oder wenigstens etwas. Für solche Ausnahmesituationen sind Ausnahmeregelungen da, diese trat am 25.Mai 2020 in Kraft – die "Medizinischer Bedarf Versorgungssicherstellungsverordnung – MedBVSV". Dadurch wurde es möglich, Schutzausrüstungen einzuführen und zu vertreiben, die zwar bei uns keine Prüfverfahren durchlaufen hatten, dies aber in bestimmten anderen Ländern taten. So konnte der dringendste Bedarf gedeckt werden.

In Deutschland dürfen pauschal auch solche Schutzausrüstungsgegenstände angeboten werden, die US-amerikanische, kanadische, japanische oder australische Standards erfüllen. Das ist möglich, weil diese Sicherheits- und Qualitätsanforderungen mit denen der EU vergleichbar sind.

Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums

Bis Herbst ging für Corona-Schutz außer CE auch CPA

Das ist der Grund, warum es bei uns derzeit Masken gibt, die zum Beispiel amerikanische, japanische oder australische Prüfzeichen haben. Für Masken war bis Ende September ein beschleunigtes Testverfahren erlaubt, das auch sogenannte CPA-Masken hervorbrachte. (Corona-Pandemie-Atemschutzmasken). Wenn diese bis 30.9. auf den Markt kamen, dürfen sie weiterhin vertrieben und eingesetzt werden, bis das Ablaufdatum erreicht ist. Also auch jetzt noch. Darauf weist die DEKRA hin, die als eine von zwei Zertifizierungsstellen in Deutschland die Schutzmasken testet und zertifiziert. Weil diese Masken aber eben nur ein verkürztes Testverfahren durchlaufen haben, dürfen sie logischerweise auch nicht das CE-Zeichen tragen, das das normale EU-Konformitätsbewertungsverfahren gemäß PSA-VO (EU 22016/425) voraussetzt.

Das ist ein relativ aufwändiger Prüfprozess, der auch eine ganze Weile dauert, der verschiedene Prüfungen umfasst und der aufgrund der Versorgungslage im Frühjahr vereinfacht wurde, sodass es nicht nur die CE-gekennzeichneten Masken auf dem Markt gibt, sondern eben auch die sogenannten CPA-Masken.

Dr. Tobias Bleyer Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Für uns Verbraucher beginnt die Geschichte spätestens an dieser Stelle unübersichtlich zu werden und – mit Verlaub – auch für die Händler, Zwischenhändler und Importeure. Denn wie soll da noch jemand – auch beim besten Willen – sicher erkennen, ob eine Maske nun tatsächlich schützt oder nur so tut? Zumal sich das von Charge zu Charge ändern kann, wie von Experten bestätigt wurde. Rein praktisch kann man es nur testen lassen. Das kann sich kein Händler leisten, er muss sich darauf verlassen, dass alle mitgelieferten Papiere in Ordnung sind. Erschwerend kommt für alle hinzu, dass in den Zertifizierungsverfahren auch die Überwachung von Produktionsprozessen vorgeschrieben ist, das wird nachträglich ohnehin richtig schwierig.

Was bietet nun das CE-Zeichen?

Ein erster Schritt in Richtung "Funktionssicherheit" ist in normalen Zeiten grundsätzlich das CE-Zeichen. Damit signalisiert der Hersteller (oder derjenige, der in der EU etwas in den Verkehr bringt), dass er alle EU-Normen für dieses Produkt einhält.

Das heißt, der Hersteller haftet für das Produkt, dass er in Verkehr bringt. Bei persönlicher Schutzausrüstung muss immer ein sogenannter neutraler Dritter die Sicherheit bescheinigen.

Jörg-Timm Kilisch, DEKRA Testing and Certification GmbH

So ist es also auch bei unseren Masken, das "meine Hand für mein Produkt" reicht also hier nicht aus. Deshalb tragen Masken auch nicht nur das CE-Zeichen wie viel andere Artikel, sondern dahinter auch die vierstellige Nummer des Prüfinstituts und die eingehaltene EU-Norm EN 149. In Deutschland sind es zwei Institute, die Masken in die Mangel nehmen und ihren „Segen“ erteilen. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) – Prüfnummer CE 0121 und die DEKRA Testing and Certification GmbH – Prüfnummer CE 0158. Wenn Sie also diese beiden Kennzeichnungen sehen, sind Sie auf der sicheren Seite.

FFP2-Maske
CE-Zeichen - Garantieversprechen des Herstellers Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Dass diese plump gefälscht worden wären, das ist der DEKRA nicht bekannt. Aber europaweit zertifizieren natürlich auch andere Institute, ob die aber nun ausgewiesene Masken-Experten sind und genauso sorgfältig testen wie die beiden deutschen Institute, das ist an der vierstelligen Nummer nicht sofort zu erkennen. Und das ist das Problem, dem man sich auch nur sehr mühevoll annähern kann.

Es gibt eine Datenbank, die die europäische Kommission pflegt, die sogenannte NANDO-Datenbank, die die Prüfstellen verzeichnet und dort ist auch hinterlegt, welche Prüfstelle, welche Prüfungen überhaupt durchführen kann. (…) Wir kennen Fälle, in denen Prüfstellennummern auf die Maske gedruckt wurden, die eigentlich nur Bauprodukte überprüft haben und das ist natürlich etwas anderes als eine persönliche Schutzausrüstung.

Dr. Tobias Bleyer Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

(Link zur NANDO-Datenbank)

Wenn solche Ungereimtheiten auffliegen, dann ist es oft schon zu spät, sprich die Produkte sind verkauft und in Benutzung.

Trotzdem gibt es auch für uns Maskenträger erkennbare Auffälligkeiten, die sehr schnell entlarvend sind. Das "Nachdrucken" zum Beispiel von Kennzeichen auf die Masken ist bei einem Massenartikel schwer möglich. Wenn die Maske beispielsweise von Hause aus selbst den Aufdruck "KN 95" hat und dann Umverpackungen oder gar die Kartons mit neuen Etiketten versehen werden und somit der Inhalt zur CE-Norm mutiert, ist größte Vorsicht geboten.

Vor allen Dingen beim Händler sollten alle Alarmglocken schrillen, der die großen Kartons oder Container geliefert bekommt. Die Schutzstufe "KN 95" – ist chinesischen Ursprungs und Sie hätten theoretisch auch dort die Möglichkeit zu schauen, ob die Zertifizierungen ordnungsgemäß verlaufen sind, aber irgendwann hört der Spaß auch mal auf. Wir sind immer noch bei Masken.

Und sollten Sie auf einer Maske zu viele draufgedruckte Zertifikate entdecken, ist das auch kein Vertrauensbeweis, im Gegenteil.

Zum Beispiel, wenn Sie auf der Maske (oder der Tüte) stehen haben "FFP2" und "KN 95", dann sind zwei Standards genannt, die aus Zulassungssicht nicht zusammengehören.

Dr. Tobias Bleyer Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Nun ist es natürlich in einer globalen Welt nicht unüblich, dass Produkte in sich die halbe Welt vereinen. Aber wenn eine Maske in China produziert wird und in der Türkei zertifiziert und dann von einer niederländischen Firma verkauft wird, dann sind die Fragezeichen genauso groß wie bei einer deutschen Firma, die "Made in Germany" auf die Masken druckt, zur CE-Zertifizierung aber trotzdem türkische Unterstützung in Anspruch nimmt.

Ich kann sagen, dass die beiden deutschen Prüfhäuser exakt das gleiche Prüfverfahren haben und sich eventuell von anderen Prüfverfahren in Europa distanzieren.

Jörg-Timm Kilisch, DEKRA Testing and Certification GmbH

Das ist eine deutliche Aussage. Es muss nun jeder für sich entscheiden, wie weit sein Gottvertrauen reicht und wieviel Aufwand er betreiben möchte, um am Ende festzustellen: Diese Maske kann Oma aufsetzen und ist tatsächlich geschützt.

Wie wird getestet?

Ein Weihnachtsmann mit einer Gesichtsmaske
Bart und Maske - schwierig, ganz schwierig Bildrechte: imago images/Sven Simon

Um von den beiden deutschen Testinstituten den Aufdruck CE 0121 bzw. CE 0158 zu bekommen, werden die Masken unter anderem auf Durchlass geprüft, indem eine Maskenseite mit Flüssigkeit und Schmutzpartikeln versehen wird, es wird der Atemwiderstand getestet und der Leckage-Test überprüft die Dichtheit der Maske rundherum an den Außenkanten. Auch Tests an Menschen mit ganz unterschiedlichen Gesichtsformen bis zur Ohrengröße werden durchgeführt.

Und spätestens an dieser Stelle sind wir fast schon beim Maskenträger. Dicht ist nämlich die Maske nur, wenn sie eng auf der Haut aufliegt, auch seitlich. Andernfalls zieht man "Nebenluft" und der 95-Prozent-Schutz ist dahin. Bartstoppeln und FFP2-Maske vertragen sich zum Beispiel gar nicht. Außerdem sind die meisten Masken nicht wiederverwendbar. Erkennbar an der Bezeichnung "NR" = not reusable. Waschwasser, Desinfektionsmittel, Herd und Mikrowelle sorgen allesamt dafür, dass die Masken zwar klinisch rein sind, aber eben keine Schutzwirkung mehr haben, weil die empfindlichen Materialien beschädigt worden sind. Das Allheilmittel für den sicheren Weihnachtsabend ist die Maske also eher nicht, zumal auch ernsthaft die Frage erlaubt ist, wie lange es ein möglicherweise ohnehin geschwächter Mensch mit dieser Atembremse aushält.

Zusammenfassung - Woran erkenne ich eine sichere Maske?

CE-Kennzeichnung auf Verpackung und Maske "CE" + vierstellige Kennziffer des Prüflabors. Die beiden deutschen Labore haben die Nummer CE 0121 bzw. CE 0158.

Hier können Sie auch überprüfen, ob das Prüflabor überhaupt berechtigt ist, Prüfungen nach EN 149 durchzuführen. Die entsprechende Zulassung lautet: 2016/425 Personal protective equipment.

Aufgedruckt ist die Norm EN 149:2001, A1:2009 und der entsprechenden Schutzstufe auf Maske und Verkaufsverpackung z.B. FFP2 NR (not reusable, also nicht wiederverwendbar) oder R (reusable, also wiederverwendbar) und bestenfalls auch der Hersteller.

Bei Umetikettierungen oder Abweichungen zwischen Aufdruck, Folientüte und Karton – größte Vorsicht bis "Finger weg"! 

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 15. Dezember 2020 | 16:50 Uhr

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