Der Redakteur | 06.12.2021 Wie wichtig ist das Masketragen beim Infektionsschutz?

Ralf Buggle aus Erfurt, Frau Braß aus Stotternheim oder Frau Marschand aus Jena ist aufgefallen, dass unter anderem in den Supermärkten viele Menschen die Masken sehr nachlässig tragen. Sie sind der Meinung, wir sollten die Menschen aufklären, wie wichtig Masken sind. Aber wie wichtig sind sie denn eigentlich? Redakteur Thomas Becker wertet eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts aus.

Ein Mann mit Mund-Nasen-Bedeckung welche nicht bis über die Nase gezogen wurde.
Mal aus Trotz, mal aus Bequemlichkeit: Viele Menschen tragen ihre Maske eher nachlässig. Bildrechte: imago images/MedienServiceMüller

Neue Studie: Masken schützen besser vor Corona als gedacht

Die Maskenpflicht gehört nun nicht gerade zu den freudvollen Handlungen dieser Tage, aber die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaftler zeigen: Wir sollten uns wieder etwas mehr Mühe geben dabei.

Die Forscher des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) in Göttingen haben in aufwändigen Berechnungen und mit Hilfe von reichlich Daten bis hin zu Partikelgrößen, Ausatmungsströmungen, Maskentypen und Passformen untersucht, welchen Schutz FFP2-Masken und OP-Masken vor einer Corona-Infektion bieten.

Erschreckend zunächst: In Innenräumen sind unsere viel gepriesenen 1,50 Meter ohne Masken keine wirklich signifikante Schutzbarriere. Selbst drei Meter Abstand schützen nicht vor einer Ansteckung, wenn man sich mit einem Infizierten unterhält. Hier landen wir schnell bei einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent und das schon nach wenigen Minuten des Gesprächs.

Wir hätten nicht gedacht, dass es bei mehreren Metern Distanz so schnell geht, bis man aus der Atemluft eines Virusträgers die infektiöse Dosis aufnimmt.

Eberhard Bodenschatz, Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Das erklärt auch, warum in Zeiten der ansteckenderen Delta-Variante die Zahlen im Moment so sind, wie sie sind. Denn solche Begegnungen sind Alltag, etwa in Schulen, Gaststätten, Clubs oder auch zu Hause beim Treffen mit Freunden. Letztlich passen die von den Wissenschaftlern berechneten "wenigen Minuten", die ausreichen, sich im Gespräch zu infizieren, zu früheren Daten, als noch von 15 Minuten die Rede war und unser 1,50 Meter-Abstand als ausreichend definiert wurde. Denn damals grassierte noch die Ursprungsvariante und eben nicht Delta.

Auf das "W" kommt es an

Wenn beide Gesprächspartner Masken tragen, dann geht das Infektionsrisiko in den Keller. Am besten ist es, wenn die Maske richtig sitzt. Da geht es um die seitliche Dichtigkeit, aber eben auch um den kleinen biegsamen Metallstreifen auf dem Nasenrücken. Diese sollten zu einem "W" gedrückt werden.

Wenn sowohl die infizierte als auch die nichtinfizierte Person gut sitzende FFP2-Masken tragen, erreicht das maximale Ansteckungsrisiko nach 20 Minuten selbst auf kürzeste Distanz kaum mehr als ein Promille.

FFP2 Maske
Selbst schlecht sitzende FFP2-Masken schützen noch. Ausnahme: Die Maske unterm Kinn oder in der Hosentasche. Bildrechte: Colourbox.de

Die Wissenschaftler ermittelten für schlecht sitzende FFP2-Masken ein Infektionsrisiko von vier Prozent. Dabei betonen sie, stets sehr konservativ gerechnet zu haben, bedeutet: Sie haben für die ungünstigeren Fälle gerechnet, im Alltag sollte das tatsächliche Risiko noch geringer sein, weil zum Beispiel immer mal ein leichter Luftzug unterwegs ist und die Virusansammlungen auseinandertreibt.

Auch wenn die FFP2-Masken das Risiko also fast auf null absenken, diese Masken sind eigentlich nicht für den Dauereinsatz gedacht. Als Arbeitsschutzausrüstung gehören sie normalerweise nicht in Laienhände und dürften eigentlich nur unter Einhaltung bestimmter Erholungspausen getragen werden. Diese sind unter anderem abhängig von der Schwere der Tätigkeit, aber die Pandemie ist eben eine außergewöhnliche Situation.

Beim Friseur oder anderen Gelegenheiten, bei denen man sich näher kommt, filtern sie aber die Aerosole sehr gut aus der Luft und damit die Virenversammlungen auch. Aber selbst OP-Masken, ebenso von beiden getragen, senken das Infektionsrisiko erheblich.

Es liegt bei einem einstündigen Gespräch mit einer infizierten Person bei unter 30 Prozent. Verglichen mit den 90 Prozent für wenige Minuten Smalltalk, ist das durchaus ein Statement für die OP-Maske. Zumal noch etwas hinzukommt: Sollte der Infizierte vollständig geimpft sein, verringern sich sämtliche Prozentzahlen das Infektionsrisiko betreffend noch einmal erheblich.

Das liegt daran, dass ein Geimpfter weniger Viruslast hat, aber natürlich keinen Virenschutzraum um sich trägt. Das wird immer gern ausgeblendet. Natürlich finden trotzdem Viren den Weg auf seine Schleimhäute, die sich auch durchaus kurzfristig vermehren können, bis die Immunpolizei dem Treiben ein Ende macht. Im besten Falle völlig symptomlos.

Weitere Informationen zum Schutz der Maske sowie die komplette Studie (in Englisch) finden Sie hier.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 06. Dezember 2021 | 15:10 Uhr