Der Redakteur | 17.11.2020 Die Regeln nach einer Corona-Infektion

Susann Bräuning aus Bettenhausen fragt: Meine Tochter hatte schon eine überstandene Corona-Infektion. Das Gesundheitsamt sagt: Sie müsse keine Maske mehr tragen und müsste auch nicht - zum Beispiel im Falle einer Infektion in der Schule - ein zweites Mal in Quarantäne. Nur einen Nachweis bekomme ich weder vom Amt, noch vom Hausarzt. Wie ist das geregelt?

GroÃßer Aufkleber mit Piktogramm und Aufschrift Bitte Mund und Nase bedecken klebt auf dem Boden im Hauptbahnhof München
Bildrechte: imago images/Ralph Peters

Im immer unübersichtlicher werdenden Corona-Regelwerk gibt es durchaus Dinge, die in sich schlüssig sind, auch wenn es nicht sofort danach aussieht. Zunächst gibt es immer wieder Berichte, dass sich Menschen ein zweites Mal infiziert haben oder gar schwerer erkrankt waren. Das ist in der Wissenschaft bekannt und wird auch beobachtet und erforscht. Gemessen an der Zahl der Infizierten sind es aber weltweit nur wenige Fälle. Doch wie geht man also nun mit solchen Fällen um, wenn ehemals Infizierte zu Kontaktpersonen der Kategorie 1 werden? Das sind die, die eigentlich grundsätzlich in Quarantäne müssten. Das ist eine dieser Abwägungen, die zuständige Entscheidungsträger treffen müssen. Das Robert-Koch-Institut gibt dafür diese Richtlinien vor, an die sich - das ist unsere Erfahrung aus den Gesprächen mit den Gesundheitsämtern - diese auch halten..

Falls die Kontaktperson früher bereits selbst ein laborbestätigter Fall war, ist keine Quarantäne erforderlich. Es soll ein Selbstmonitoring erfolgen und bei Auftreten von Symptomen eine sofortige Selbst-Isolation und Testung. Bei positivem Test wird die Kontaktperson wieder zu einem Fall. In dieser Situation sollten alle Maßnahmen ergriffen werden wie bei sonstigen Fällen auch (inkl. Isolation).

Richtlinie des RKI zur Kontaktverfolgung Stand: 17.11.20

Mit dieser Einschränkung "Selbstmonitoring" ist klar, dass man diese Sonderfälle sensibilisieren möchte, sich nicht zu sicher zu fühlen. Man darf auch nicht vergessen, dass wir immer noch im Anfangsstadium eines Erkenntnisprozesses leben, der noch nicht einmal ein Jahr alt ist. Je länger die erste Infektion zurückliegt, umso wahrscheinlicher ist es, dass der durch die Erkrankung ausgelöste Immunitätsschutz nachlässt. Der Fall unserer Hörerin stammt aus dem Juli, dass da heute noch eine Immunität vorliegt, ist also gar nicht sicher.

Noch ist Immunität nicht vollständig erforscht

Zumal auch für eine exakte Bewertung weitere Aspekte betrachtet werden müssen, zum Beispiel, ob Antikörper nachgewiesen werden können oder nicht. Im Sommer diskutierte die Wissenschaft noch intensiv erste Berichte und Studien, dass man sich entgegen erster Annahmen wohl doch erneut anstecken kann. Der Chefarzt und Infektiologe Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing berichtete beispielsweise Mitte Juli von Covid-19-Patienten, bei denen sich die Anzahl neutralisierender Antikörper im Blut deutlich verringert habe. Heute gibt daran keine Zweifel mehr, wenngleich man immer noch nicht genau weiß, welche Schutzmechanismen trotzdem aber noch wirken könnten, Stichwort T-Zellen. Also sind die Ämter gut beraten, sich den Einzelfall genauer anzuschauen, wenn es denn die Lage vor Ort überhaupt noch zulässt.

Ich gehe davon aus, dass wenn jemand die Erkrankung durchgemacht hat, eine Immunität für eine gewisse Zeit besteht. In dieser Zeit müsste er nicht in Quarantäne. Das entspricht auch den RKI-Vorstellungen. Aber wenn sich jemand in der ersten Welle infiziert hat und jetzt wieder Kontaktperson ist, würde ich eher dafür plädieren, ihn doch in Quarantäne zu setzen. Wenn die Infektion aber nur vier Wochen zurück liegt, dann kann man darauf verzichten.

Prof. Stefan Dhein, Amtsarzt Altenburger Land

Das für Bettenhausen zuständige Gesundheitsamt des Landkreises Schmalkalden-Meiningen hat auch noch einmal darauf hingewiesen, dass die Infektion, um die es geht, schon einige Monate zurückliegt. Angenommen, es würde solche Bestätigungen für "Alt-Infizierte" geben, wäre sie - heute ausgestellt - doch ziemlich fahrlässig und würde die Menschen in falscher Sicherheit wiegen. Nicht auszudenken, wenn eine solche Person Altenheime besucht oder gar dort arbeitet. Inwiefern eine Mitarbeiterin quasi mündlich fälschlicherweise eine Befreiung von der Maskenpflicht erteilt hat, oder ob diesbezüglich etwas falsch verstanden wurde, konnte das Amt nicht mehr nachvollziehen. Im Sommer war die Situation auch eine ganz andere als heute.

Ein Arzt hält eine OP-Maske in der Hand.
Eigentlich nötig: "Entlassungsspräch" mit Erinnerung an AHA-regeln Bildrechte: imago images/Westend61

Nach der Erkrankung gibt es in der Regel ein Entlassungsgespräch mit dem Arzt, da wird noch einmal auf die AHA-Formel verwiesen und dass die Hygieneregeln eingehalten werden müssen.

Stellungnahme des Gesundheitsamtes Schmalkalden-Meiningen

Im Klartext: Die Maske ist zwingend weiterhin zu tragen nach einer Genesung, darauf haben auch andere Gesundheitsämter hingewiesen. Und es gibt noch einen Aspekt: Angesicht der unsicheren Umstände bezüglich der Dauer einer Immunität, würde sich die Frage stellen: Wie lange soll diese Bescheinigung denn gelten? Hinzu kommt aber noch etwas anderes:

Eine Bescheinigung ist nicht erforderlich, da nur das Gesundheitsamt selbst die Quarantäne verhängen könnte und das Gesundheitsamt ja weiß, dass die betreffende Person bereits ein laborbestätigte Fall war.

Schriftliche Antwort des Thüringer Gesundheitsministeriums

Die Unsicherheit über die Frage, wie lange eine Immunität anhält, betrifft natürlich auch die Impfung, die gerade ziemlich gefeiert wird. Ob es nur ein Jahr ist wie bei der Grippe oder 10 Jahre sind wie bei Tetanus - wir werden es irgendwann wissen. Hoffnung besteht jedenfalls. Bei Tetanus zum Beispiel - auch wenn es eine bakterielle Infektion ist und damit nur bedingt vergleichbar mit Corona - ist man nach einer Infektion nicht immun, nach einer Impfung aber eben schon. Es wäre also nicht ungewöhnlich, wenn uns der Corona-Impfstoff doch etwas länger schützt.

Bei der Impfung gehen wir davon aus, dass dabei ein etwas anderer Weg der Immunantwort beschritten wird, der hoffentlich eine länger bleibende Immunität bewirkt. Das hängt damit zusammen, dass das Antigen bei der Infektion über die Lunge eindringt und bei der Impfung über die Haut.

Symbolbild: Impfung gegen Corona-Viren.
Zwischen Hoffen und Befürchtungen: Die geplanten Impfungen gegen das Corona-Virus Bildrechte: imago images/MiS

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 17. November 2020 | 15:20 Uhr

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