Arbeitskräftemangel Wird der Spargel zum Corona-Opfer?

In spätestens 14 Tagen beginnt die Spargelernte, doch wegen der Grenzschließungen durch das Coronavirus, fehlen den meisten Landwirten die Erntehelfer. Derzeit ist noch völlig unklar, ob wir auch dieses Jahr tatkräftige Unterstützung aus Osteuropa bekommen. In Herbsleben und anderen Thüringer Spargelregionen wird die Zeit knapp.

Der Spargel ist das erste frische Gemüse, das wir in Größenordnungen ernten, bzw. ernten lassen, um genau zu sein. Saisonarbeiter aus Rumänien und Polen erledigen das gewöhnlich für uns. Aktuell aber ist noch völlig unklar, ob das auch in diesem Jahr so sein wird. In 14 Tagen spätestens geht es los, die Sonne hat vorgearbeitet, doch die Grenzen sind dicht. Und für die rumänischen Kollegen sind es gleich mehrere Grenzen.

Es scheitert im Moment an der Durchreisegenehmigung durch Ungarn und Tschechien. Da gib es keine Transitfreiheit. Die Regierung ist dran, das für die deutschen Gartenbaubetriebe zu lösen. Die polnischen Mitarbeiter haben größtenteils signalisiert, dass sie kommen wollen. Da ist aber auch noch nicht geklärt, wie sie an der Grenze reingelassen werden.

Karl-Walter Hecht, Vorstand Agrargenossenschaft Herbsleben

Fällt die Spargelernte aus?

Man arbeitet an Bescheinigungen, diese könnten vielleicht helfen. Aber die Zeit ist knapp, sie Unsicherheit groß und der Spargel wächst und wächst. Dabei haben wir noch Glück und quasi zwei Wochen Puffer, in Süddeutschland kann es eigentlich sofort losgehen. Aber ohne Arbeitskräfte wird das nichts werden, da sind mitunter schmerzhafte Entscheidungen nötig.

Wenn sie keine Arbeitskräfte finden, dann können sie die Ernte vielleicht etwas verschieben oder müssen sie ausfallen lassen.

Jan-Niclas Imholze, Geschäftsführer Spargelhof Kutzleben

Mit den Gaststätten fehlen auch die Hauptabnehmer

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Wegen des Coronavirus sind die Grenzen geschlossen und vielerorts gilt eine Ausgangssperre. Trotzdem ist der Spargel reif und muss bald geerntet werden. Karl-Walter Hecht, Vorstand der AG Herbsleben, im Interview.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 18.03.2020 16:40Uhr 06:27 min

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Das Ernten ist aber nur ein Teil der aktuellen Sorgen. Denn selbst wenn das Ernten reibungslos verläuft, ist der Spargel noch lange nicht verkauft. Gaststätten sind gewöhnlich Abnehmer in Größenordnungen, aber es sieht aktuell nicht so aus, dass diese in gewohnter Menge Spargel ordern. Derzeit kommen die Herbslebener nicht hinterher, die Kartoffelbestellungen auszuliefern, weil hier auch gehamstert wird als wäre es Klopapier. Ob die Leute für ihre im Keller nun fröhlich keimenden Kartoffeln auch Spargel brauchen, das können die Spargelbauern nur hoffen.

Spargel ist eben kein Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln oder Reis.

Karl-Walter Hecht, Vorstand Agrargenossenschaft Herbsleben

Auch Deutsche können deutschen Spargel ernten!

Und er wird vor allen Dingen frisch geliebt, das wird sich hoffentlich auch in Cornona-Zeiten nicht ändern. Das gleiche gilt auch für die Erdbeeren. Wer nun plötzlich Zeit hat, weil die Firma oder die Uni geschlossen hat: nur Mut. Es soll Studentengenerationen gegeben haben, für die waren Ernteeinsätze so regelmäßig wiederkehrend wie Weihnachten oder Ostern. Aber man sollte auch etwas Kraft und Durchhaltevermögen mitbringen. Rücken sollte man nicht haben und wissen, dass die Felder kein Dach besitzen. Es kann nämlich durchaus noch Frost geben oder knalligen Sonnenschein von einem wolkenlosen Himmel. Aber die Virologen empfehlen ja ohnehin Bewegung an der frischen Luft, und mit ein paar Spargellängen Abstand ist auf dem Feld auch die Coronaprävention kein wirkliches Problem.   

Wir freuen uns über jeden, der helfen will. Wer Lust hat, soll kommen.

Jan-Niclas Imholze, Geschäftsführer Spargelhof Kutzleben

Mehr Infos zum Thema Spargel

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 18. März 2020 | 16:40 Uhr

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