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Alle Infos aus dem Impfbuch können in einer App hinterlegt werden. Bildrechte: dpa

Der Redakteur | 17.06.2021

Was Sie jetzt über den digitalen Impfpass wissen sollten

von Thomas Becker, MDR THÜRINGEN

Stand: 17. Juni 2021, 11:48 Uhr

Gibt es einen Unterschied zwischen digitalem Impfpass und der Impfbescheinigung? Welche Daten sind in den Apps hinterlegt? Und was, wenn man nach einer Covid-Erkrankung nur eine Impfung bekommen hat?

CovPass-App, QR-Code, Impfbescheinigung, digitaler Impfnachweis, EU-Impfzertifikat – man hat in den vergangenen Wochen tatsächlich alles getan, um uns zu verwirren. Deshalb der Reihe nach: Wer im Impfzentrum geimpft wurde konnte sich bisher seine Impfbescheinigung herunterladen.

Mit dieser war auch schon ein problemloser Eintritt ins Baumarktparadies oder die Gaststätte möglich. Diese Impfbescheinigung hat aber nichts mit dem zu tun, was uns den Eintritt in die große weite Urlaubswelt ermöglichen soll. Es ist sozusagen nur ein erster Schritt dahin und enthält alle Daten, die am Ende auch das europäische Impfzertifikat hat.

Wer also versucht hat, den kleinen QR-Code oben rechts auf der Impfbescheinigung in der App seiner Wahl einzulesen, der bekam eine Fehlermeldung und bestenfalls folgenden Hinweis: "Der QR-Code gehört nicht zu einem Digitalen Covid-Zertifikat der EU. … QR-Codes von Impfbescheinigungen oder Chargen-Aufklebern … können nicht hinzugefügt werden."

Fehlermeldung beim Einlesen. Bildrechte: MDR/Thomas Becker

Erster Lösungsvorschlag: Versuchen Sie erneut, Ihre Impfbescheinigung herunterzuladen. Seit einigen Tagen erhalten Sie nämlich in den meisten Fällen bereits das, was für die EU tatsächlich ein größeres Wunder ist: Ihr EU Covid-19 Impfzertifikat, welches Sie nun endlich für das Einlesen in den Apps benutzen können.

So sieht das Impfzertifikat in Papierform aus Bildrechte: MDR/Thomas Becker

Dieses Zertifikat ist auch das, was nun stückweise Apotheken, Ärzte, Impfzentren usw. ausstellen können oder Ihnen ggf. auch per Post zugeschickt wird. Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Sollten Sie in einem Thüringer Impfzentrum zweimal geimpft sein, ist das beschriebene Herunterladen die einfachste Möglichkeit, Sie können aber eben auch mit ihrer Impfbescheinigung und Ihrem Impfausweis in die Apotheke gehen, dort wird dieses EU-Zertifikat ebenfalls ausgestellt.

Die App ermittelt den Impfstatus

Hier nähern wir uns auch so langsam der Frage, was mit Menschen ist, die nach einer Erkrankung nur eine Impfung erhalten haben. Wenn Sie sich Ihr EU-Zertifikat genauer anschauen, werden Sie feststellen, dass es für jede Impfung einen eigenen QR-Code gibt. Dass das logisch ist, werden wir gleich merken. Die Apps brauchen wir nämlich deswegen, weil diese quasi aus den beiden Impfungen den Impfstatus ermitteln und das Ergebnis hinschreiben – im besten Falle "Vollständiger Impfschutz".

Diese Information wird dann wieder als QR-Code verpackt und kann von Institutionen wie Airlines gelesen werden. Um also im Alltag ihren aktuellen Impfstatus vorzeigen zu können, wurde für Deutschland u.a. die CovPass-App entwickelt, aber auch die Corona-Warnapp kann das bereits.

Zertifikat in der CovPass-App Bildrechte: MDR/Thomas Becker

Allerdings nützt es nicht, wenn ich meinen Impfstatus vorzeigen kann, die Gegenseite (Airline) den aber nicht lesen kann. Dafür gibt es ein "Lesegerät", eine App die "CovePassCheck" heißt und uns als Bürger nicht weiter interessiert. Wir merken uns nur: Wir zeigen in unserer App unseren Impfstatus-Code und zumindest alle EU-Staaten haben mit ihren Systemen (unseres ist vom RKI) die Möglichkeit, den Impfstatus zu checken.

Das System wurde innerhalb von Wochen europaweit ausgerollt, ein Vorgang, der selbst bei den Amerikanern mit Respekt zur Kenntnis genommen wurde. Das wird umso erstaunlicher, dass solche Dinge im EU-Normalbetrieb 18 Monate dauern.

Impfschutz nur begrenzt gültig

Nun ist ja mittlerweile relativ sicher, dass wir Auffrischungsimpfungen brauchen werden. Das heißt, um den vollständigen Impfschutz auch weiterhin von der App angezeigt zu bekommen, wird es irgendwann den Zeitpunkt geben, an dem wir die dritte Impfung benötigen.

Das heißt: Die EU-Zertifikate der ersten beiden Impfungen, aus denen die App den Impfstatus "Vollständiger Impfschutz" ermittelt hat, werden irgendwann nur noch zu der Erkenntnis "eingeschränkter Impfschutz" reichen. Das ist wie ein abgelaufener Reisepass, es muss ein neuer her. In diesem Fall ein neuer Pieks. Für diesen gibt's dann auch wieder ein EU-Impfzertifikat. In der App einfach auf "Zertifikat" hinzufügen klicken, einscannen, fertig. Jetzt ist der Impfschutz wieder vollständig.

Wenn man nur eine Impfung bekommen hat?

Hier ist einfach nur etwas Geduld gefragt. Wir haben ja gerade gelernt, dass jede Impfung ein eigenes EU-Zertifikat besitzt, aus diesen Informationen wird dann der Impfstatus ermittelt und in der App angezeigt. Das ist der Standardfall. Es gibt aber auch Sonderfälle, eben Menschen, die erkrankt waren und deshalb nur eine Impfung erhalten haben oder die aus unterschiedlichen Gründen Impfstoffe verschiedener Hersteller verabreicht bekommen haben. Wie diese Fälle bewertet werden, darüber ist man auf EU-Ebene aktuell noch in Abstimmungen, hieß es dazu aus dem Bundesgesundheitsministerium.

Das bedeutet: Es wird noch ein paar Tage (!) dauern und dann wird es z.B. auch für eine Genesenenbescheinigung die technische Möglichkeit geben, ein EU-Impfzertifikat auszustellen. Das geschieht dann genauso in der Apotheke. Die technischen Vorbereitungen laufen bereits. Wer dann dieses Zertifikat und dazu das über seine erhaltene Impfung hochgeladen hat, der wird dann von der CovPass-App oder der Corona-Warnapp auch seinen "Vollständigen Impfschutz" bescheinigt bekommen – wenn alles klappt.

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Video: Digitaler Impfausweis aus der Apotheke

Die Tücken der Technik

Da sind wir bei den Tücken der Technik. Im Appstore oder Playstore, wo Sie u.a. die CovePass-App herunterladen können, finden Sie ja auch die Nutzer-Bewertungen. Dort werden Sie u.U. feststellen, dass Sie mit ihrem Problem nicht alleine sind. Einige Android-Varianten verweigern z.B. die Mitarbeit, auch etwas exotischere Handys. Es ist (leider) normal, dass solche Dinge in unserer digitalen Welt vorkommen.

An verschiedenen Problemen wird auch schon gearbeitet, die Apps sind alle mit heißer Nadel gestrickt und funktionieren immerhin für die meisten Konstellationen. Auch der Anschluss der Ärzte-Software, der Apotheken und der Impfzentren der verschiedenen Bundesländer ist noch nicht vollständig abgeschlossen, das wird in den nächsten Tagen schrittweise geschehen.

Kleines Lexikon der digitalen Impfwelt

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 17. Juni 2021 | 16:40 Uhr

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