Der Redakteur | 24.06.2021 Kleinflugzeuge im Nebel: Welche Sicherheitssysteme können Unfallrisiko senken?

Nach dem tragischen Absturz eines Kleinflugzeugs bei Gefell im Saale-Orla-Kreis, fragen sich manche: Wie orientieren sich Piloten solcher Flugzeuge? Gibt es keine Sicherheitssysteme, die vor Hindernissen warnen? Unser Redakteur für Hörerfragen, Thomas Becker, hat nach Antworten gesucht.

Auf einer Startbahn hebt ein Kleinflugzeug ab.
Kleinflugzeuge, auch Leichtflugzeuge genannt, sind oft mit ein oder zwei Motoren ausgestattet. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Robert Riedel

Anders als die großen Flugzeuge fliegen Kleinflugzeuge auf Sicht. Das bedeutet: Wenn nichts zu sehen ist, haben sie am Himmel auch nichts mehr verloren. Kritisch wird es, wenn sich die Wetterlage schnell ändert, wenn plötzlich Wolken auftauchen oder Nebel - was ja auch nur tief hängende Wolken sind.

Innerhalb von Sekunden ist dann die komplette Orientierung weg, erzählte ein Sportflieger. Dass das hochgradig lebensgefährlich ist, liegt auf der Hand. Kritisch sind dann Hindernisse aller Art, von Bäumen über Bauwerke bis hin zu Bergkuppen. Eine Kollisionsgefahr geht auch immer von anderen Kleinflugzeugen aus, denn in deren Flughöhe gibt es keinen Tower und keine Flugsicherung, die unterstützend oder korrigierend eingreifen.

Firma entwickelt Kollisionswarngeräte

Dieser Zustand war für drei Schweizer Segelflieger unerträglich. Urs Rothacher, Andrea Schlapbach und Urban Mäder haben 2003 innerhalb von Monaten eine Lösung zur Marktreife gebracht und mit FLARM eine Firma gegründet, die bis heute Kollisionswarngeräte für Leichtflugzeuge herstellt. Die gesammelte Flieger-Gemeinschaft hatte damals fleißig Geld in den gegründeten Verein eingezahlt - Crowdfunding würde man heute sagen. Quasi als Dankeschön gibt's selbst für die Geräte der ersten Generation nach wie vor Software-Updates.

Es gab damals jährlich Zusammenstöße in der Luft. Und wenn man seine Freunde sterben sieht, macht man sich schon Gedanken.

Urban Mäder, Mitgründer FLARM aus der Schweiz

Schon nach wenigen Monaten Entwicklungszeit war das Gerät marktreif, kein großes Ding für Elektroingenieure, sagt Urban Mäder bescheiden, etwas Software und Hardware und Funktechnik - er vergleicht es mit einem Garagentüröffner, nur etwas intelligenter sei das Kollisionswarngerät.

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Redakteur Thomas Becker spricht mit Marc Förderer von air-avionics aus Walldorf über Sicherheitssysteme für Kleinflugzeuge.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 24.06.2021 13:19Uhr 09:37 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-redakteur-interview-marc-foerderer-100.html

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Das ist auch wichtig, denn das Gerät sollte möglichst dezent arbeiten und nicht permanent Alarm schlagen. Neben der Möglichkeit, mit Hilfe von Funksignalen anderer Flugzeuge diese zu lokalisieren, verfügt das System auch über eine große Datenbank mit allen denkbaren bekannten Hindernissen, von Stromleitungen über Seilbahnen bis eben hin zu Windrädern.

Neben den Schweizern gibt es mittlerweile auch andere Anbieter, die Firma air-avionics aus Walldorf sieht sich sogar als Weltmarktführer, was vielleicht auch ein wenig daran liegt, dass die Amerikaner die Problematik offenbar als nicht so dringend ansehen. Auch die Systeme aus Walldorf "zeigen" den Piloten von Kleinflugzeugen nur die Gefahr an, anders als bei den Großen gibt es keine Ausweichempfehlung oder gar ein automatisches Eingreifen der Technik.

Sie Systeme helfen sozusagen den Piloten kleiner Flugzeuge, die nach Sicht fliegen, beim Hinausschauen (…) und zeigen ihnen, in welche Richtung sie schauen müssen; und dann können die selbst entscheiden, wie sie dem Verkehr ausweichen.

Marc Förderer, air-avionics aus Walldorf
Ein Kleinflugzeug steht auf einem Acker. 9 min
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Redakteur Thomas Becker spricht mit Urban Mäder von der Firma "Flarm" über Sicherheitssysteme für Kleinflugzeuge.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 24.06.2021 13:19Uhr 09:20 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-redakteur-urban-maeder-flarm-100.html

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Digitale Karte kennt Hindernisse

Leider gibt es nur sehr wenige Hindernisse, die selbst "funken", also die ähnlich den Flugzeugen Transponder haben und ihre Position mitteilen. Das erledigen - wie bereits erwähnt - Datenbanken. Diese werden zwar permanent aktuell gehalten, doch das passiert natürlich nicht in Echtzeit.

Somit fliegt auch mit den Geräten ein Restrisiko mit, dass aber mit vergleichsweise wenig Geld sehr deutlich reduziert werden kann. Eine digitale Karte für Deutschland beispielsweise, die die Hindernisse enthält, kostet 35 Euro, die Geräte selbst liegen zwischen 1.000 und 5.000 Euro. Ziemlich wenig Geld eigentlich, um Menschenleben zu retten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 24. Juni 2021 | 16:40 Uhr

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