Der Redakteur | 06.05.2021 Bezahlen: Bar oder mit Karte oder ganz anders?

Wohin geht der Trend? Womit zahlen Sie am liebsten? Bargeld, Karte, Handy oder werden wir uns auf noch ganz andere Verfahren einstellen müssen - etwa per Gesichtserkennung?

EC-Terminal
Psychologisch schon mal die schmerzfreiere Zahlvariante als Bargeld. Es geht aber - rein technisch - noch transaktionsloser. Bildrechte: imago images/Shotshop

Zunächst zahlen wir am liebsten gar nicht. Und es gibt durchaus den Trend, uns zumindest dieses Gefühl zu geben, dass wir nicht zahlen. Das geschieht natürlich nicht aus Zuneigung oder um unsere Herzen zu gewinnen, sondern man will subtiler an unseren Geldbeutel.

Es soll dem Kunden möglichst einfach gemacht werden. Und hier sehen wir einen grundsätzlichen Trend im Zahlungsverkehr. Man möchte die Zahlung weitgehend unsichtbar machen.

Prof. Stefan Wilhelm, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Das heißt: In den Supermarkt der Zukunft geht man als Kunde durch die Tür, packt sich die Taschen voll und verlässt das Geschäft. Gezahlt wird nicht einmal mehr mit dem guten Namen, sondern nur noch mit einem freundlichen Lächeln. Das heißt: Wer registrierter Kunde ist, seine Bankdaten hinterlegt hat und per Gesichtserkennung identifiziert wurde, für denjenigen ist die Schlange am Kassenband Geschichte. Es gibt bereits versuchsweise Supermärkte in den USA, die funktionieren genau so.

Scanner erkennen bereits viel

Dass Scanner und Detektoren erkennen, was der Wagen geladen hat, das ist ohnehin kein technisches Wunderwerk mehr, auch die Obst- und Gemüsewagen können heute schon ganz gut gucken und Bananen von Gurken unterscheiden. Ob diese neue Welt auch eine schöne neue Welt ist, da scheiden sich die Geister. Denn alleine schon die Gesichtserkennung hinterlässt ein gruseliges Gefühl, von einer damit technisch möglichen Totalüberwachung hat noch nicht einmal die Stasi zu träumen gewagt. Den Datenschützern verursacht das Szenario ohnehin Albträume.

Wird das Bargeld abgeschafft?

Geld zählen 14 min
Bildrechte: IMAGO

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 06.05.2021 15:45Uhr 14:21 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-1732154.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Unter den MDR THÜRINGEN – Hörern, die sich an unserer Umfrage beteiligt haben, möchte die überwiegende Mehrheit mit Bargeld zahlen. Und das wird auch weiter möglich sein, auch wenn die Bargeldnutzung weiter zurückgehen wird, wie Prof. Wilhelm prognostiziert. Hier sind die skandinavischen Länder durchaus Vorreiter in Europa. Ob sie zu weit geritten sind, darüber streiten die Gelehrten gerade.

Bargeld wird nicht verschwinden, wir beobachten in den skandinavischen Ländern einen Trend zur Umkehr und Wiedereinführung des Bargeldes.

Prof. Stefan Wilhelm, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Unterm Strich muss man bei der Diskussion aber immer bedenken, egal welches Bezahlsystem wir nutzen, es kostet alles Geld.

Bargeld
Vom Druck bis zum Transport: Auch Geld kostet Geld. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch die Aufrechterhaltung des Bargeldkreislaufs verursacht Kosten. Geld muss nicht nur gedruckt werden, es muss ständig hin- und her transportiert werden, gezählt, verpackt (gerollt), die Geldautomaten müssen betrieben und auch bestückt werden. Diese Kosten verteilen sich natürlich auf eine immer kleiner werdende Geldmenge. Dass das zu steigenden Kontogebühren führen kann, das liegt auf der Hand.

Ein Kontoauszug zeigt ein rot eingekreistes Minus von 448,34 Euro. 7 min
Bildrechte: IMAGO

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 06.05.2021 18:45Uhr 06:46 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-1732156.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Die Stiftung Warentest, die für ihre Zeitschrift Finanztest jährlich die Girokonten vergleicht, stellt schon seit einigen Jahren fest, dass das Null-Gebühren-Konto zur aussterbenden Art gehört. 60 Euro jährlich sehen die Finanzexperten als angemessen an, wobei die Null-Zins-Phase den Banken Möglichkeiten nimmt, ihr Geld auf anderen Wegen zu verdienen. Deshalb rücken eben die Gebühren immer mehr in den Blick. Und da schlummern für "Kartenumsteiger" auch Gefahren, in Abhängigkeit vom Kontotyp. Stichwort Einzelpreiskonto bzw. ein Konto, das nur eine begrenzte Anzahl von Buchungen inklusive hat.

Wenn man vorher gar nicht mit Karte gezahlt hat beim Einkaufen und jetzt plötzlich zehnmal im Monat, dann fällt plötzlich eine Gebühr an, mit der man eigentlich gar nicht gerechnet hat, obwohl die schon jahrelang im Preisverzeichnis stand.

Kerstin Backofen, Redakteurin "Finanztest"

Hier raten die Verbraucherschützer, ggf. auf einen Kontotyp umzusteigen, der alle Buchungen inklusive hat. Dann ist auch ausreichend Reserve für die Girokarte. Diese ist zwar sehr dünn, trägt aber gewisse Suchtgefahren in sich.

Prof. Stefan Wilhelm von der Hochschule für Wirtschaft und Recht verweist auf eine Untersuchung, bei der man zwei Vergleichsgruppen zum Einkaufen losgeschickt hat, eine Gruppe mit Bargeld, eine Gruppe mit Karte. Der Kartenfraktion fiel das Geldausgeben deutlich leichter.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 06. Mai 2021 | 16:42 Uhr

4 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 6 Wochen

Bezahlen ? Mit Geld ? 🤔 Es soll einige „Gläubige“ geben, die meinen, sie müßten gar nichts bezahlen und alle Waren dieser Welt würden ihnen ganz allein gehören, diese bezahlen dann wohl mit ihrem Leben …?! 😎 Nein, Volkseigentum gibt es nicht mehr ! Nun ja, vielleicht sollten wir uns darauf verständigen, dass für Sonne, Regen, Luft, Steine und Leben niemand mehr irgendetwas bezahlen sollte. Doch das sind philosophische Betrachtungs-
weisen, die wir nicht mit unseren althergebrachten Wertevorstellungen beantworten können.

Finanz-Angelegenheiten und ob und wie wir mit Geld oder ohne dieses umgehen, regelt „der Bund“ und seine Bundesbank, ggf. noch die Europäische Zentralbank oder die Welthandelsbank oder….

Ich jedenfalls möchte nicht zur Tauschbeziehung zurück — wie einige Genoss:innen das bereits vorleben. Auch eine „nicht greifbare“
elektronische „Währung“ ist für mich nicht zukunftsfähig.

Über Geld spricht man nicht !
Man hat es — oder eben nicht ! 🤑

winfried vor 6 Wochen

Digitales Bezahlen als ergänzende Option ? ... JA !!!
Digitales Bezahlen bringt Abhängigkeit von Anderen.

Nie wieder Sklaverei vor 6 Wochen

Nur in Bar, oder wollt ihr eine digitale Währung?