Der Redakteur | 11.11.2019 Grundrente auch in Teilzeit?

Wie funktioniert die Grundrente? Und haben auch Teilzeitbeschäftigte Anspruch? Das wollte Liane Heinz aus Bad Salzungen wissen.

von Thomas Becker

Fünf ältere Frauen auf einer Parkbank.
Die Grundrente kommt. Bildrechte: dpa

Wer bekommt die Grundrente?

Es ist ein Bürokratiemonster, zu kompliziert, nicht gerecht genug und ohnehin nur der kleinste gemeinsame Nenner. Kritik gab es von allen Seiten - ohne schon die genauen Details zu kennen, einschließlich der Kosten für Steuer- und Beitragszahler. So lässt sich gleich zum Einstieg abgewandelt Norbert Blüm zitieren: "Die Grundrente ist sicher", und ergänzen: Sie ist es auch ohne Antrag.

Das bedeutet, unabhängig davon, ob man mit dem Berechnungsmodus, dem Kreis der Berechtigten, der Bedürftigkeitsprüfung oder der Höhe der Grundrente einverstanden ist: Es muss dafür vom Rentner kein Formular ausgefüllt werden.

Es wird der Anspruch automatisch mit einer Software geprüft, indem die Daten vom Finanzamt der Rentenversicherung überspielt werden. Wenn das Einkommen aus der Einkommensteuererklärung bestimmte Grenzen nicht überschreitet, bekomme ich den Betrag automatisch ausgezahlt mit der Rente.

Samuel Beuttler-Bohn, Rentenexperte Sozialverband VdK Deutschland

Damit wird vielen Rentnern, die bisher aus Scham oder Unwissenheit nicht zum Amt gegangen sind, um Grundsicherung zu beantragen, eine große Last genommen. Allerdings ist die Deutsche Rentenversicherung nicht sicher, dass sie das bis zum Start 2021 auch alles organisiert bekommt. 5.000 neue Stellen sind für die Berechnung notwendig, so eine erste Schätzung von Experten, woraus man schließen kann, dass "die Software" wohl dann doch nicht so alleine arbeitet, wie es sich anhört.

Wichtig ist: Die Rentenversicherung macht keinen Unterschied zwischen Teilzeit und Vollzeit, es geht - in diesem Falle ist das durchaus positiv gemeint - nur ums Geld. Also: Wie viel habe ich eingezahlt? Wie viel ist das im Verhältnis zum Durchschnittseinzahler? Wie viele Jahre habe ich eingezahlt? Dementsprechend bekomme ich meine Rentenpunkte gutgeschrieben, die dann letztlich in den Auszahlungsbetrag umgerechnet werden.

Was aber muss da alles gerechnet werden und warum so kompliziert?

Annegret Kramp-Karrenbauer, Malu Dreyer und Markus Söder
Lange gab es in der großen Koalition Zoff um die Grundrente. Im Bild: Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU, Bildmitte), Malu Dreyer (SPD, rechts) und Markus Söder (CSU, links). Bildrechte: dpa

Das Ganze ist der Versuch, mit Hilfe von Prozentrechnung & Co. Gerechtigkeit zu schaffen. Es sollen Menschen, die ein Leben lang - in diesem Falle sind es eben diese 35 Jahre - gearbeitet und eingezahlt haben, mehr Rente bekommen als diejenigen, die keine eigenen Ansprüche erworben haben und auf die Grundsicherung setzen. Und wie gesagt, letztere müssen dafür weiterhin Formulare ausfüllen. Wer Grundrente bekommt, muss das nicht.

Allerdings gibt es auch Menschen, die haben zwar wenig Rentenansprüche erworben, aber trotzdem ein relevantes Einkommen im Alter. Sei es aus Witwenrenten, Vermietungen oder Aktiendepots. Diese haben eben nicht die soziale Bedürftigkeit, um vom Staat - also von uns allen - nun auch noch ein kleines Sahnehäubchen in Form der Grundrente oben drauf zu bekommen.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Ein Rentner bekommt aktuell nur 530 Euro Rente, erfüllt aber die Voraussetzung der 35 Beitragsjahre. Dann wird seine Rente aufgewertet auf rund 930 Euro. Jetzt kommen aber laut Steuererklärung 400 Euro andere Einkommensquellen hinzu - Miete, Pacht oder sonst etwas - und der Rentner käme in der Summe auf 1.330 Euro Einkommen im Monat.

Alles, was sie in der Steuererklärung als Einkommen angeben, gehört dazu.

Samuel Beuttler-Bohn, Rentenexperte Sozialverband VdK Deutschland

Hier würde jetzt die Einkommensgrenze greifen, die für Alleinstende bei 1.250 Euro und bei Paaren bei 1.950 Euro liegen soll. Der alleinstehende Rentner würde also nur noch anteilig von der Aufstockung der Rente profitieren. Hier sind die genauen Zahlen noch nicht ausgehandelt, es soll nämlich auch eine Gleitzone geben, innerhalb der dann der Aufstockungsbetrag langsam abgeschmolzen wird, damit es nicht zu harten Schnitten kommt. Denn letztlich geht es darum, die wirklich Bedürftigen zu erreichen, die die "Anerkennung" ihrer Lebensleistung bisher beim Sozialamt abholen mussten.

Wie viel bekomme ich denn nun und wann?

Um ungefähr ein Gefühl zu bekommen, ob man einmal von der Grundrente profitieren würde, gelten folgende Faustregeln: Arbeitnehmer merken sich, wer aktuell zwischen 946 und 2.524 Euro brutto verdient - so haben wir mit Hilfe des VdK berechnet - und eben diese 35 Beitragsjahre voll hat, der wird im Bedarfsfall von der Grundrente profitieren. Wer unter den 946 Euro liegt, weil er zum Beispiel nur Teilzeit im Mindestlohnsektor gearbeitet hat und/oder auch die 35 Beitragsjahre nicht erreicht, dem wird jetzt zumindest die - weiterhin zu beantragende - Grundsicherung aufgestockt. Das ist von den erworbenen Ansprüchen abhängig und es sind maximal 212 Euro über der Grundsicherung. Ende der Mathematikstunde.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 11. November 2019 | 16:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2019, 16:50 Uhr

3 Kommentare

kennemich vor 10 Wochen

Zitat: Grundrente auch in Teilzeit?

Hat man nicht gesagt, wer von den in diesem Jahr 38.000,- € verdient und davon zwischen 30% bis 80% verdient der kann diese Grundrente bekommen?

Also, wer das erreicht müßte meiner Meinung auch einen Anspruch darauf haben.

Mark Alt vor 11 Wochen

Ich habe mich heute bei meinen 18- und 22-jährigen Söhnen bedankt, dass ich die sehr positive Idee der Grundrente nicht mit Einschnitten bei meiner Rente bezahle. Sondern sie bzw. die junge Generation aus dem Steuertopf finanziert. Und ich hatte schon Angst, dass jemand auf die Idee kommt, dass irgendwann der Generationenvertrag und die Solidarität zwischen den Generationen überstrapaziert werden könnte. Befürchtet hatte ich, dass man die Heilige Kuh Äquivalenzprinzip in der Gesetzlichen Rente schlachten würde. Womöglich Solidarität innerhalb der Generation der jungen Alten (Babyboomer) einfordert? Zum Beispiel durch einen überdurchschnittlichen Anstieg des Rentenpunktwertes der ersten 45 Rentenpunkte. Zu Lasten eines Stagnieren oder geringen Anstiegs ab dem 46 Rentenpunkt. Ich habe mit Anfang 50 bereits 52 Rentenpunkte und wäre dann betroffener...

Hans Frieder leistner vor 10 Wochen

Wie will bzw. soll das Finanzamt über Einkommensverhältnisse von Rentnern informiert sein, die keine Einkommenssteuererklärung abgeben?