Detailaufnahme von Staumauer und Stausee der Talsperre Eichicht. An einem der Betonpfeiler ragt ein gelb-schwarzer Pegel-Messtab aus dem Wasser.
Der lange trockene Sommer hat das Wasser in den Thüringer Talsperren weniger werden lassen. Bildrechte: MDR/Franziska Trogisch

Der Redakteur | 14.03.2019 Haben Regen und Schnee gereicht, um den Grundwasserstand zu erhöhen?

Rüdiger Zorr aus Erfurt fragt, ob die Niederschläge der vergangenen Wochen und der gefallene Schnee ausgereicht haben, um die Grundwasserspeicher im Land wieder aufzufüllen. Thomas Becker geht dem Wasser auf den Grund.

Detailaufnahme von Staumauer und Stausee der Talsperre Eichicht. An einem der Betonpfeiler ragt ein gelb-schwarzer Pegel-Messtab aus dem Wasser.
Der lange trockene Sommer hat das Wasser in den Thüringer Talsperren weniger werden lassen. Bildrechte: MDR/Franziska Trogisch

Grundwasser – das ist ein Begriff der uns so leicht über die Lippen fließt, aber was genau ist das eigentlich? Mal abgesehen von der Tatsache, dass es nass ist und irgendwo unten. Nun leben wir in Deutschland und auch wenn das Grundwasser schon ein bisschen älter ist, haben wir es in eine Norm gepackt. Seit dem muss es sich an die DIN 4049 halten, die es als unterirdisches Wasser definiert, "das die Hohlräume der Erdrinde zusammenhängend ausfüllt und dessen Bewegung ausschließlich oder nahezu ausschließlich von der Schwerkraft und den durch die Bewegung selbst ausgelösten Reibungskräften bestimmt wird."

Auch das Wasserhaushaltsgesetz – ein Bundesgesetz – hat eine Meinung zum Grundwasser und bezeichnet es als unterirdisches Wasser "in der Sättigungszone, das in unmittelbarer Berührung mit dem Boden oder dem Untergrund steht". Entsprechend der griechisch-heraklitischen Lehre "panta rhei" fließt es aber gern, bzw. es strömt. Verantwortlich dafür ist die Gewichtskraft. So weit, so physikalisch.

Letztlich ist unser Grundwasser Teil des weltweiten Wasserkreislaufes und so kann es sein, dass "ein Stück" Wasser nur ein paar Monate bei uns bleibt oder mehrere Millionen Jahre. Vieles von dem, was herunterregnet oder schneit, schafft es aber gar nicht erst, zum Grundwasser zu werden. Weil es verdunstet oder als Oberflächenwasser über Bäche und Flüsse direkt im Meer versenkt wird. Das wäre auch das Problem des Wassers bei Platzregen bzw. Starkregen. Da wird zwar alles kurzzeitig unter Wasser gesetzt, aber unten kommt trotzdem nicht viel an. Wir brauchen es aber dort:

Trinkwasser wird auch aus Grundwasserspeichern gewonnen

Unser Trinkwasser in Thüringen ist etwa zur Hälfte Grundwasser, auch wenn im Talsperrenland Thüringen - verglichen mit Gesamtdeutschland – noch vergleichsweise wenig Grundwasser aus den Einhebelmischern fließt. An 700 Messstellen werden in Thüringen die Grundwasserstände gemessen und das schon seit Jahrzehnten.

Leitungswasser fließt aus einem Hahn ins Glas
Das Thüringer Trinkwasser stammt etwa zur Hälfte aus Grundwasserspeichern. Bildrechte: IMAGO

Allerdings ist das Messen das eine. Um aus den Messwerten auch etwas herauszulesen, braucht es Vergleichswerte. Denn woher soll man sonst wissen, ob da unten nun gerade viel oder wenig Wasser ist. Um sinnvolle Erkenntnisse zu gewinnen, müssen die Messwerte der Stationen mindestens seit 1981 vorliegen. Aus diesen Daten kann nun etwas definiert werden, was man als "normal" bezeichnen kann - mit der Folge, dass Extremwerte nach oben oder unten richtig auffallen.

Extremwerte und Hitzewellen

Und 2018 war in der Tat ein Jahr, das nie gesehene Extremwerte geliefert hat. Im Januar 2018 war noch alles im grünen Bereich. Wir hatten in Thüringen von der Menge her die Hälfte mehr Regen als üblich. Nur ganz wenige Messstellen lagen am Ende des Monats unter ihren "Normalwerten", der größere Teil lag sogar deutlich darüber. Doch dann ging es kontinuierlich bergab.

Der Februar schon schlug das erste große Loch ins Fass. Der Juni schlug dem Fass dann sozusagen den Boden aus. Neun Prozent der normalen Niederschlagsmenge im Durchschnitt, das war so gut wie nichts. Viele Regionen bekamen gar nichts ab, und auch die Folgemonate waren unterirdisch, weshalb eben genau dort kaum noch etwas ankam. Dazu muss man wissen, dass ohnehin nur 20 bis 30 Prozent der Niederschlagsmenge im Grundwasserleiter ankommt, der Rest fließt direkt Richtung Meer, wird von den Pflanzen 'abgezweigt' oder verdunstet.

Nun ist bei uns der Sommer nicht gerade eine Regenzeit im sprichwörtlichen Sinne, auch wenn da im Monatsschnitt der meiste Niederschlag fällt. Das Grund(wasser)problem 2018 ist deshalb eine Mischung.

Ab Oktober findet normalerweise die Grundwasserneubildung statt. Das ist diesmal ausgeblieben.

Annett Peters Referentin beim Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz

Denn auch den Rest des Jahres hat es – abgesehen vom September – weniger geregnet als sonst. Deshalb haben wir das Problem quasi mit ins neue Jahr genommen. Und auch hier "leiden" unsere Grundwasserstände weiter. Stand Ende Februar/Anfang März haben sich aber immerhin die Stände im Bereich der Mittelgebirge etwas erholt. Allerdings nur dort, wo es auch relevante Niederschläge gegeben hat.

Im Thüringer Becken zum Beispiel war das nicht der Fall. Immerhin bekommt die Gegend auch etwas Grundwasser aus den Bergen, panta rhei sei Dank. Grund zur Panik besteht trotzdem nicht. Nur wäre es schon hilfreich, wenn es mal wieder nennenswert regnen würde und auf das Extremjahr 2018 nicht auch noch ein Extremjahr 2019 folgt. Dann würden wir zwar nicht gerade verdursten, der Rasensprenger im Sommer aber wäre wohl tabu.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 14. März 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 16:40 Uhr

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4 Kommentare

15.03.2019 10:59 W. Merseburger 4

Endlich einmal ein sachlicher, informativer und ausgewogener Artikel zum Thema Wasserhaushalt der Natur und Trockenheit des letzten Jahres. Ich glaube, dass jetzt im März doch ausreichend Niederschlag gefallen ist, um zunächst einen "guten" Start für die Landwirtschaft zu garantieren. Beim täglichen Verfolgen des "Regenradars" bei ARD Nachrichten.de sieht man, dass es bisher deutschlandweit viel Niederschlag im März gegeben hat, allerdings mit unterschiedlicher Verteilung. Im Bereich des Regenschattens durch den Harz fehlt allerdings noch eine ganze Menge auch für März. Deshalb "muss" ein sogenanntes "Adriatief" her, weil dabei der Regen von Süden bzw. Südosten kommt und dem "Regenschattengebiet" oft ausreichend bis sehr viel Niederschlag beschert.

15.03.2019 06:26 Horst Schlemmer 3

Ein Hinweis der völlig am Thema vorbei geht:
Es ist mir ein inneres Bedürfnis die Artikel des Redakteurs zu den diversen Anfragen mal zu loben. Eine gute Recherche mit dezent verpacktem Bildungshintergrund zu abwechslungsreichen Themen. Erfrischend. Weiter so.

MDR THÜRINGEN: Danke sehr für das Lob!