Der Redakteur | 07.07.2022 Warum bricht der Handyempfang im Jagdbergtunnel ab?

Dennis Abel aus Weimar fragt, woran es liegt, dass seit einigen Tagen der Handyempfang im Jagdbergtunnel immer mal wegbricht und wie man das Problem lösen kann. Unser Redakteur Thomas Becker hat dazu recherchiert.

Pkws fahren durch den Jagdbergtunnel
Der Jagdbergtunnel bei Jena ist rund 3 Kilometer lang. Bildrechte: dpa

Es ist schon etwas verwunderlich: In vielen Kellern Thüringens ist kein Empfang, aber unsere Tunnel sind wahre Entertainmenttempel. Das ist gewollt und auch eine Frage der Sicherheit. Wer im Tunnel liegenbleibt, ist froh über jede Kontaktmöglichkeit zur Außenwelt. Aber das ist noch nicht alles.

Signal-Repeater im Tunnel

Zunächst ist für die Mobilfunktechnik die Telekom zuständig. Sie speist für die drei Mobilfunkbetreiber T-Mobil, Vodafon und O2 die Signale ein, das kann man sich vorstellen wie in einem W-LAN-Netz im Hotel, wo Repeater dafür sorgen, dass überall Empfang ist. Die Repeater befinden sich in den Überfahren und Querschlägen und spezielle Antennen sorgen dafür, dass die Signale auch in den Tunnel gelangen. Wenn es eine Störung gibt, ist es in der Regel nicht nur ein Autofahrer, der sich bei der Tunnelzentrale meldet und die Kollegen sind dann auch an Details interessiert, die sie an die Telekom weiterleiten.

Junge Frau nutzt ihr Handy am Steuer.
Meistens ist das Handysignal in Thüringen im Tunnel besser als außerhalb. Bildrechte: imago images/Westend61

Welcher Tunnel und welche Fahrtrichtung ist betroffen? Ist gar kein Empfang oder gibt es immer wieder Verbindungsabbrüche? Und: Welcher Mobilfunkanbieter ist betroffen?

Matthias Posern, Tunnelmanager, Zentrale Betriebsleitstelle Zella-Mehlis

Mit diesen Informationen kann es dann an die Fehlersuche gehen, für die die Telekom zuständig ist. Aktuell sind allerdings keine größeren Störungen bekannt, die übrigens auch sofort auffallen würden, weil sich dann in der Tunnelzentrale die Anrufe häufen würden. Vielleicht ist das auch ein individuelles Problem, ein schwächelndes Handy zum Beispiel, immerhin haben wir alle kaum noch Außenantennen und der faradaysche Käfig Auto verstärkt nun nicht gerade die Funkverbindung.

5G kommt bald für Thüringer Tunnel

Der Jagdbergtunnel hat übrigens bereits 4G, 5G kommt demnächst, wie in allen anderen Thüringer Tunneln auch. Ausnahme: Der Tunnel Behringen und die Einhausung bei Jena, die sind nur kurz, hier gibt es deshalb gar keine Mobilfunktechnik. Im Laufe des heutigen Tages wurden uns auch ein paar Radio-Empfangsprobleme im Tunnel gemeldet, auch diese haben wir weitergereicht.

Das neue Xiaomi Mi Mix3 mit 5G, bei der Vorstellung von Xiaomi während des Mobile World Congress am 24. Februar 2019 in Barcelona, Spanien.
In Thüringer Tunneln liegt schon jetzt ein flächendeckendes 4G Signal an. Demnächst soll auf 5G aufgerüstet werden. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Wie kommt das Radio in den Tunnel?

Das Radiosignal wird durch ein sogenanntes Schlitzkabel in den Tunnel gebracht. Das sind jeweils zwei Kabel an den Tunnelwänden jeder Röhre, etwa so dick wie ein Wasserrohr zu Hause und die haben tatsächlich kleine Schlitze als "Austrittsöffnungen" für die Funkwellen. Neben dem UKW-Radio betrifft das auch den Betriebsfunk der Tunnelzentrale und der behördliche Funk, also Rettungskräfte, Katastrophenschutz usw. Außerdem sind an den Pannenbuchten im Rennsteigtunnel und im Jagdbergtunnel Lautsprecheranlagen installiert, wenn dort jemand anhält, kann er direkt angesprochen werden.

Das ist das Prinzip des Grenzflächenhorns, sodass man da eine ganz saubere Ansprache hat. Auch in verschiedenen Lautstärken, je nachdem, ob der Verkehr rollt oder steht.

Matthias Posern, Tunnelmanager, Zentrale Betriebsleitstelle Zella-Mehlis

Bei einer Gefahrensituation - beispielsweise einem Geisterfahrer oder einem liegengebliebenen Fahrzeug - kann es passieren, dass sich die Autoradios im Tunnel verselbstständigen. "Achtung, Achtung, hier spricht die Tunnelzentrale…" - so beginnt eine Durchsage, die sich in ihrer Schärfe schon deutlich hörbar unterscheidet von einem freundlichen Radiomoderator.

Autoradio
Im Notfall kann die Tunnelzentrale das Autoradio für Durchsagen "kapern". Bildrechte: Colourbox.de

Was gibt es noch für Technik?

Die Thüringer Autobahntunnel sind technisch auf einem sehr hohen Niveau. Wir haben in Deutschland zusammengenommen die längsten Autobahnabschnitte, die durch Tunnel führen, und die Mitarbeiter sind sehr stolz darauf, die fachlichen Nachfragen aus anderen Bundesländern beantworten zu können.

Mit dem Jagdbergtunnel haben wir auch den ersten Autobahntunnel Deutschlands, der neben einer Brandmeldeanlage auch eine automatische Brandbekämpfungsanlage bekommen hat. Wie auch im Pörzbergtunnel der B 90 im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt gibt es eine Druckluftschaum-Löschanlage, die in Abschnitten von 75 Metern Brände gezielt bekämpfen kann. Der erste Einsatz der Anlage im Jagdbergtunnel war am 27. Juli 2016, als nach einem Unfall ein LKW in Brand geraten war. Die Überwachungskameras zeigten damals: Als die Feuerwehren eintrafen, war der Brand schon gelöscht.

 Eine solche Anlage erhöht übrigens nicht nur die Sicherheit für die Autofahrer, auch der Tunnel wird im Falle eines Falles weniger in Mitleidenschaft gezogen und kann schneller wieder freigegeben werden. 

MDR (ask)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 06. Juli 2022 | 15:50 Uhr