Der Redakteur | 31.01.2020 Wie laut dürfen Wärmepumpen sein?

Eva Limburg aus Mühlhausen fragt, wie laut eine Wärmepumpe sein darf - und zwar sowohl die eigene als auch die der Nachbarn. Und gibt es einen Ansprechpartner für solche Fälle?

Zum Thema "Lärm" wird gern Robert Koch bemüht. Bereits 1910 hatte er mehr als nur eine Ahnung davon, welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Lärm ausgehen.

Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen wie die Cholera und die Pest.

Robert Koch, 1910

Doch was bedeutet das nun für unsere Wärmepumpen, die oft nicht sehr formschön Außenfassaden zieren und das gern in Richtung des seitlichen Nachbarn? Unsere deutsche bauliche Enge mit Abständen von drei Metern bis zum Maschendrahtzaun führt dazu, dass es am Ende Krach gibt - im doppelten Sinne. Aber eigentlich kann das gar nicht passieren, wenn man eine für den Standort geeignete Anlage ausgewählt hat und diese auch noch fachgerecht installieren lässt. Nebenbei bemerkt, gibt es auch Schalldämmhauben für Wärmepumpen, die mögliche Probleme sozusagen im Keim ersticken.

Bauteile unterschiedlich laut

Frau hält Ohrstöpsel neben Ohr 7 min
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Alexander Sperr ist Referent für Normung und Technik vom Bundesverband für Wärmepumpen. Er erklärt, was eine Wärmepumpe ist und wie laut sie sein darf.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 31.01.2020 16:40Uhr 06:35 min

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Grundsätzlich kann eine Wärmepumpe drei Aufgaben übernehmen: Räume heizen oder kühlen und warmes Wasser bereiten. Das physikalische Prinzip zu verstehen, fällt schon beim Kühlschrank schwer. Wir belassen es deshalb bei dem Hinweis, dass die Kühlschrankrückwand warm ist, während es drinnen kalt bis frostig bleibt und je nach "Laufrichtung" der Wärmepumpe übertragen wir diese Effekte auf unsere Wohnung. So wie es laute und leise Kühlschränke gibt, sind auch bei den Wärmepumpen die Verdichter und Ventilatoren unterschiedlich laut. Deshalb die Empfehlung: Im Vorfeld einfach schon mal den Test machen, was die angedachte Anlage theoretisch so hergibt.

Der Rechner bildet die TA Lärm ab, damit sollten Sie auf der sicheren Seite sein. Es ist nicht auszuschließen, dass sich trotzdem jemand gestört fühlt. Es haben sich aber auch schon Leute von Wärmepumpen gestört gefühlt, die noch nicht einmal in Betrieb waren.

Alexander Sperr, Referent Normung und Technik Bundesverband Wärmepumpe

Es ist also auch viel Psychologie im Spiel, auch wenn zunächst die technischen Daten wichtig sind. Der angesprochene "TA Lärm" ist die "Technische Anleitung" zum Schutz gegen Lärm, die am Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) hängt und die u.a. unseren Wärmepumpen je nach Standort unterschiedliche Geräuschemissionen gestattet. In einem Industriegebiet ist zum Beispiel mehr Lärm erlaubt: bis zu 70 dB (A). Das "A" bedeutet, dass das Schalldruck-Messgerät quasi den Schall so filtert, dass es wie ein menschliches Ohr "hört". In reinen Wohngebieten dürfen tagsüber 50 dB (A) nicht dauerhaft überschritten werden, nachts 35. Außerdem ist bei allen technischen Anlagen immer auch die Reduzierung der tiefen Töne ein wichtiges Thema. Diese tiefen Frequenzen von weniger als 90 Hz werden von vielen Menschen als sehr störendes "Brummen" empfunden. Aber was ist, wenn ein Gerät doch irgendwie stört? Wo liegen die Grenzen des Zumutbaren?

"Unwesentliche Beeinträchtigungen" sind hinzunehmen

Paragraf 906 BGB regelt zum Beispiel, dass Geräusche usw., die von meinem Grundstück ausgehen, den Nachbarn nur unwesentlich beeinträchtigen dürfen und er diese "unwesentlichen Beeinträchtigungen" hinnehmen muss. Aber was bedeutet "unwesentlich"? Im Prinzip trifft das zu, wenn es sich eben um eine normale Hausanlage handelt (Wärmepumpe, Staubsauger usw.), die den erwähnten Normen entspricht, sagt Rechtsanwalt Johannes Hofele und verweist auf das BGB.

Eine unwesentliche Beeinträchtigung liegt in der Regel vor, wenn die in Gesetzen oder Rechtsverordnungen festgelegten Grenz- oder Richtwerte von den nach diesen Vorschriften ermittelten und bewerteten Einwirkungen nicht überschritten werden.

Paragraf 906 BGB "Zuführung unwägbarer Stoffe"
Skulptur einer Justizia mit Schwert und Waagschale 12 min
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Johannes Hofele vom Deutschen Anwaltverein erklärt, warum es wichtig ist, schon vorab auf die Nachbarn zuzugehen - anstatt sich vor Gericht zu treffen, wenn's Lärmärger gibt.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 31.01.2020 16:40Uhr 12:27 min

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Da sind wir also wieder bei der "TA Lärm". Nun kann es natürlich sein, dass ich alles eingehalten habe. Alleine schon deshalb, weil meine Anlage von einem Fachbetrieb fachgerecht installiert wurde, aber trotzdem fühlt sich der Nachbar gestört. Dann ist der direkte Weg zu ihm dem Rechtsweg zwar vorzuziehen, trotzdem ist es für beide Beteiligte gut zu wissen, wie komplex die Rechtslage ist. Wenn der Nachbar, der sich gestört fühlt, also kommt und ich anhand meiner Unterlagen entspannt nachweisen kann, dass alles in Ordnung ist, dann liegt der Ball wieder auf der anderen Seite des Zaunes.

Das ist ein Grundsatz im deutschen Recht, wenn jemand etwas vom anderen will, muss die Voraussetzungen hierfür darlegen und beweisen. Dann wäre er in der Pflicht, zu beweisen, dass meine Anlage dem eben doch nicht entspricht oder diese Einwirkung wesentlich ist.

Johannes Hofele, Rechtsanwalt Deutscher Anwaltverein

Und dann wird es richtig kompliziert. Wenn zum Beispiel durch einen Gerichtsgutachter festgestellt wird, dass es trotz Einhaltens aller Regeln zu laut brummt im Schlafzimmer, dann geht es auch um wirtschaftliche Zumutbarkeit. Also vom Hauseigentümer wird wohl nicht verlangt werden können, seine normgerechte Anlage oder gar das Haus wieder abzureißen. Trotzdem ist ein nicht ganz einfach zu bemessender Ausgleich in Geld möglich. Eine normales nachbarschaftliches Verhältnis gibt es dann aber sicherlich nicht mehr. Deshalb die Empfehlung:

  • Die Nachbarn schon in der Planungsphase ansprechen, auch wenn wie bei Wärmepumpen weder eine Zustimmung noch eine Baugenehmigung notwendig ist
  • Wenn es zu Unstimmigkeiten kommt, die sich bei einem Bier nicht bereinigen lassen: Der erste Weg sollte nicht zum Rechtsanwalt führen, sondern zu einem Schlichter
  • Falls gar nichts hilft: Rechtsanwalt, Klage, Gerichtsprozess, Gutachten, Urteil und dann sind ganz bestimmt alle zufrieden!

Was im Nachbarschaftsrecht ganz oft vorkommt, ist, dass die Leute denken: Das ist nicht so schlimm. Und dann trauen sie sich nicht, den Nachbarn anzusprechen und dann sind sie so aufgeladen, dass der erste Kontakt vollständig in die Hose geht. Und das gilt es zu vermeiden.

Johannes Hofele, Rechtsanwalt Deutscher Anwaltverein

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 31. Januar 2020 | 16:40 Uhr

2 Kommentare

MPKeks vor 38 Wochen

Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Die erwähnten 35 dB(A) als Richtwert nach TA Lärm beziehen sich auf den Außenpegel, also vor dem Fenster. Die Anforderung der DIN 4109 hingegen auf den Innenenpegel.

part vor 38 Wochen

Dann wünsche ich der Redaktion einen erholsamen Schlaf bei 35 db nachts, am Tag beim Büroschlaf dürfte diese Lärmhöhe mit dem Umgebungslärm verschmelzen, denn DIN-Norm 4109 regelt die Lärmgrenzen, die zu Mietminderungen berechtigen.
In einigen Urteilen wird auf die DIN-Norm 4109 (Ausgabe 1989) verwiesen. Danach dürfen haustechnische Anlagen (Heizungsanlage) in Wohn- und Schlafräumen keine höheren Schallpegel als 30 dB (A) verursachen. Wird diese Norm nicht eingehalten, ist von einer Gebrauchsbeeinträchtigung auszugehen, da die DIN-Norm insoweit einen Orientierungsmaßstab abgebe. Doch die Dezibelhöhe sagt noch nichts darüber aus ob nicht eventuell Infraschall vorhanden ist. Dazu gibt es die entsprechenden Umweltschutzbehörden in Kommunen und LK. Überdies verändert sich die Schallausbreitung oder Schallgeschwindigkeitabhängig vom jeweiligen Medium. Wasser, Dampfdruckleitung, Erdreich feucht oder trocken...