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Masken- und Testpflicht - viele Kinder haben sich das Schuljahr sicher anders vorgestellt. Bildrechte: imago images / MiS

Der Redakteur | 13.04.2021

Sind Masken für Kinder schädlich?

von Thomas Becker

Stand: 13. April 2021, 17:37 Uhr

Seit Montag müssen Schüler in Thüringen einen Mundschutz im Unterricht tragen. Außerdem testen sie sich auf Corona. Viele Eltern untersützen das - andere lehnen es komplett ab. Der Redakteur fragt deshalb: Was ist richtig?

Für gesunde Kinder sind Masken nicht schädlich. Das sagen Menschen, die sich schon vor Corona sehr verantwortungsvoll um die Gesundheit unserer Kinder gekümmert haben, nämlich die Kinder-und Jugendmediziner bzw. deren Verbände. Die stehen nun auch wahrlich nicht im Verdacht, "denen da oben" in Berlin oder anderswo nach dem Mund zu reden und dafür Gesundheitsschäden bei unseren Kindern billigend in Kauf zu nehmen.

Für gesunde Kinder sind Masken kein Problem. Bildrechte: dpa

Kinder- und Jugendmediziner halten Masken für ungefährlich

Auch ist die Auseinandersetzung mit der Kinder-Masken-Frage nicht neu. Bereits im November vergangenen Jahres sahen sich die Vertreter der Verbände der Kinder- und Jugendmediziner zu einer gemeinsamen Stellungnahme veranlasst. Konkret sind das die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ), die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die Gesellschaft für Pädiatrische Pulmologie (GPP) und die Süddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (SGKJ). Mitgearbeitet an dieser Stellungnahme hat auch Professor Hans-Iko Huppertz, der uns als Vertreter der Gruppe für ein Interview zur Verfügung stand.

Es gibt wissenschaftlich keinen einzigen Hinweis, der darauf hindeuten würde, dass die Masken, wenn sie ordnungsgemäß benutzt werden, für gesunde, wache Kinder gefährlich sind.

Professor Hans-Iko Huppertz Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie

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zum Anhören: Experteninterview Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie

Professor Hans-Iko Huppertz fasst die Meinung von Fachärzten zusammen und sagt: Einem gesunden Kind schadet eine OP-Maske gesundheitlich nicht.

Horrorgeschichten über Kinder mit Masken sind bloß Gerüchte

Die Betonung liegt auf "gesund". Wenn ein Kind die Maske nicht verträgt, dann könnte es also durchaus darauf hindeuten, dass etwas mit dem Kind nicht in Ordnung ist. Die Fachgesellschaften bemühen sich seit Monaten darum, mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Untersuchungsergebnissen, zu denen auch die Rückspiegelungen aus den Praxen gehören, den weit verbreiteten Horrorgeschichten etwas Fundiertes entgegenzusetzen. Von Pilzerkrankungen der Lunge, über eine Borkenflechte (Impetigo contagiosa) bis hin zum Tod durch die Maske ist bei den Horrorstories alles dabei.

Faktencheck Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)"Das sind unbegründete Gerüchte. Die MNS (OP-Masken) sind gasdurchlässig. Es gibt also keinen Sauerstoffmangel oder nennenswerte CO2-Retention bei gesunden Kindern und Jugendlichen - selbst beim längeren Tragen der Masken nicht. Der Atemwegswiderstand ist erhöht, je dichter die Maske ist, was gesunde Kinder und Jugendliche unter ruhender Tätigkeit problemlos kompensieren können. Maskentragen kann deshalb nicht den Tod verursachen."

Keine Masken-Empfehlung für Grundschulkinder

Das bedeutet aber nicht, dass damit nun eine Masken-Empfehlung für Kinder im Grundschulalter verbunden wäre. Im Gegenteil, Professor Huppertz hat sich sogar sehr deutlich gegen eine Maskenpflicht in der Grundschule ausgesprochen, allerdings aus anderen Gründen: Kinder seien mit sechs Jahren einfach noch nicht alle so weit, die Maske auch wirklich sinnvoll zu tragen. So entstünde oft eine Scheinsicherheit, die auch nicht zielführend sei.  

Ab in der weiterführenden Schule kann man das Tragen von Masken verpflichtend machen. Bei Grundschülern wäre ich da zurückhaltend, weil es relativ wenig wirkt. (…) Ich würde nie ein Kind im Grundschulalter dazu zwingen, eine Maske zu tragen. Das ist inadäquat. Das sind Kinder, sie soll man in Ruhe lassen.

Professor Hans-Iko Huppertz Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie

Bei Grundschülern sitzt die Maske unter Umständen nicht richtig. Bildrechte: dpa

Doch genau das geschieht derzeit nicht, weil die Entscheidungsträger in den bundesdeutschen Gesundheits- und Bildungsministerien die Maske als wichtiges Mittel sehen, das Infektionsgeschehen auf einem Niveau zu halten, das es ermöglicht, die Schulen zu öffnen. Dass diese Entscheidung zur Maskenpflicht in Thüringen in einer gewissen Dynamik getroffen wurde, das konnte man auf der Internetseite des Kultusministeriums beobachten.

Thüringer Bildungsminister korrigierte sich bei der Maskenpflicht

Vor Ostern hieß es von Bildungsminister Helmut Holter noch, dass Masken im Unterricht "nicht zwingend erforderlich" seien. Das hat natürlich für zusätzliche Verwirrung gesorgt und ist mittlerweile korrigiert. Fakt ist, dass - Stand 13. März 2021 - die Maskenpflicht auch an Thüringer Grundschulen gilt, wobei niemand verlangt, dass die Kinder FFP2-Masken tragen sollen.

Diese Masken sind - das dürfte mittlerweile auch Herr Söder eingesehen haben - etwas für durch Fachleute Geschulte und zu dieser Gruppe gehören Kinder im Grundschulalter definitiv nicht. Weil auch eine sogenannte OP-Maske, die für kleine Kinderköpfe oft viel zu groß ist, keinen Nutzen hat, dürfen die jüngeren Schulkinder die sogenannten Alltagsmasken tragen.

Für die Klassen eins bis sechs haben wir die Alltagsmaske, also die Stoffmaske, noch zugelassen. Anders als in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens, wo sie ja quasi abgeschafft worden ist.

Felix Knothe, Sprecher Thüringer Bildungsministerium

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zum Anhören: Experteninterview Bildungsministerium

Pressesprecher Felix Knothe sagt, dass die kleinen Kinder passende kindgerechte Masken tragen dürfen.

"CoKi Register" sammelt Bebobachtungen zu Kindern mit Masken

Wüssten wir mehr über die Wirkung von Masken konkret in Schulen und ganz besonders bei den Jüngsten, könnten wir die Regeln entsprechend anpassen. Solche Untersuchungen durchzuführen, ist eine Forderung von Professor David Martin von der Uni Witten-Herdecke. Gemeinsam mit seinen Kollegen ist er dabei, das sogenannte "CoKi Register" zur Mund-Nasen-Bedeckung bei Kindern aufzubauen.

Hier können Eltern, Pädagogen oder Mediziner ihre Beobachtungen eintragen, die sie mit dem Maskentragen in Verbindung bringen. Obwohl die Autoren der Studie deutlich darauf hinweisen, dass ein Register nicht die Bevölkerung abbildet, sondern Betroffene, und die genannten Symptome nicht durch die Masken verursacht sein müssen, werden die Studienergebnisse gern von unerschütterlichen Maskengegnern verkürzt wiedergegeben und damit missbraucht. Das ärgert Professor Martin, weil es den so wichtigen Austausch unterschiedlicher Sichtweisen behindert.

Ich bin auch Kinderonkologe und wir haben viele Kinder, die Masken tragen müssen, weil sie eine Chemotherapie bekommen oder eine Immunerkrankung haben. Die allermeisten Kinder vertragen die Masken gut. Das muss wirklich klar gesagt werden, die Masken sind keine Schädigung für die Kinder, auch wenn es einzelne Kinder gibt, die sie nicht gut vertragen.

Professor David Martin von der Uni Witten-Herdecke

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zum Anhören: Experteninterview zu Nebenwirkungen von Masken

Professor David Martin von der Universität Witten/Herdecke hat eine Studie gemacht, wie sehr kranke Kinder mit Corona-Masken umgehen sollten.

Emotionale Diskussion um Maske im Unterricht

Für diese Einzelfälle gibt es Lösungen, das fängt mit dem Gespräch in der Schule oder besser noch mit dem Kinderarzt an, was am Ende zu einem Attest führen kann. Ziel des Registers ist es auch, die Gründe für die Unverträglichkeiten zu erforschen. Das Problem ist derzeit, dass die Gesellschaft wegen der Masken zur kollektiven Schnappatmung übergeht.

Darauf verweist auch Ministeriumssprecher Felix Knothe. Die Forderungen an das Thüringer Bildungsministerium bilden alle Extreme ab: Da sind die Übervorsichtigen, die ihre Kinder am liebsten gar nicht oder nur mit FFP2-Masken in die Schule schicken wollen, bis hin zu jenen, die in den Masken eine grundsätzlich tödliche Gefahr sähen.

Maske auf, Maske ab - bei den Eltern gibt es zwei Extreme... Bildrechte: dpa

Es sei eine emotionale Zeit, sagt Professor Martin, in der die Menschen ihre unangenehmen persönlichen Erfahrungen verallgemeinern. Wer jemanden an Covid-19 verloren hat, der achtet eben streng auf die Maßnahmen und wenn jemand einen Menschen durch eine Impfung verloren hat, ist er eben in diesem Bereich sehr viel kritischer. Auch wenn beide Gruppen in absoluten Zahlen überhaupt nicht vergleichbar sind.

Nicht nur Medien konsumieren, sondern auch Quellen checken

Professor Martin empfiehlt für die eigene Meinungsbildung das wechselseitige Konsumieren von Medien - also einerseits die "neuen" Medien, andererseits die "alten", die heute gern als "Mainstream" bezeichnet werden. Und auf beiden Seiten lautet seine Empfehlung: Einfach Mal nach der Quelle gucken.

Und da muss man tatsächlich sagen, dass es gerade unter Verschwörungstheorien und Querdenkerkreisen sehr oft so ist, dass, wenn man versucht, die Quellen zu verfolgen, nicht wirklich in seriösen Quellen landet. Wir müssen aber auch sagen, dass wir auch eine Mainstreamnachrichtenlandschaft haben, die einiges versucht, unter den Tisch zu kehren. Wir bekommen viel Kritik nach dem Motto: 'Warum haben Sie diese Studie gemacht?' - das kann ich nicht nachvollziehen.

Professor David Martin von der Uni Witten-Herdecke

In einer lauten Zeit die leisen Töne zu hören und auch zu verstehen, das ist nicht immer einfach. Auch für Journalisten nicht. Und die Wissenschaftler sind meistens leise Menschen, die eigentlich ungestört und nicht in der Öffentlichkeit arbeiten. Jetzt werden sie mit Fragen gequält, mit der Bitte um eine kurze, schnelle und auch verbindliche Antwort.

Bitte um kurze, schnelle Antwort: Ist das alles richtig so? Bildrechte: dpa

Aber die gibt es in der Wissenschaft eher selten. So war es auch bei den Masken. Erst galten sie als ungeeignet, plötzlich retten sie unser Leben. Weil man eben zwischenzeitlich erkannt hat, dass die Corona-Viren keine "Einzelgänger" sind, sondern in Tröpfchen oder Wölkchen daherkommen, die sich in dem Maskengewebe verfangen. Und schon waren die Masken doch wieder im Spiel. Und dieser Erkenntnisgewinn war definitiv nicht der letzte in dieser Pandemie.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

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