Der Redakteur | 07.05.2021 Der Muttertag: Wie ist er historisch einzuordnen?

Vor der Wende hat der Muttertag in der DDR keine Rolle gespielt, von den Nationalsozialisten hingegen wurde er instrumentalisiert. Wie ordnen Historiker den Muttertag ein?

Pfefferkuchenherz mit dem Text Mami ich hab dich lieb
Die Geschichte des Muttertags hat auch ihre dunklen Seiten. Bildrechte: Colourbox.de

Der moderne Muttertag kommt aus Amerika. Erfunden von einer Frau. Anna Jarvis aus Philadelphia hatte 1907 die Idee dazu. Schon ein Jahr später wurde er offiziell in Philadelphia gefeiert und dass man dort bis heute sehr stolz ist, das versteht sich von selbst. Zumal am 9. Mai 1914 der amerikanische Präsident Wilson verkündete, den zweiten Sonntag im Mai künftig überall in den USA zu feiern "als öffentlicher Ausdruck für die Liebe und die Dankbarkeit, die wir den Müttern unseres Landes entgegenbringen."

Unterschiedliche Traditionen

Auch wenn der Muttertag sich schnell verbreitete, so wird er durchaus unterschiedlich begangen. Während wir die Blumenläden plündern, wird in Amerika eingeladen.

Strauß Trockenblumen
Über Blumen freuen sich Frauen nicht nur am Muttertag. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss

In Amerika laden nur die Töchter ihre Mütter in irgendwelche kirchliche Einrichtungen ein und dort finden dann Bankette statt für die Mütter und sie stehen an diesem Tag im Mittelpunkt, meistens auch nur an diesem einen Tag im Jahr.

Prof. Manfred Becker-Huberti, Brauchtumsforscher

Vereinnahmung durch Nationalsozialisten

An dieser punktuellen Würdigung störten sich auch viele MDR THÜRINGEN-Hörer, die uns Ihre ganz persönlichen Empfindungen zum Muttertag mitteilten. Und da ist bei der Generation, die im Krieg aufgewachsen ist, durchaus ein ungutes Gefühl geblieben. Denn der Muttertag war Teil der Vereinnahmung der Mutter durch die Nationalsozialisten als Soldaten-Gebärmaschine.

An diesem Tag wurde auch das "Ehrenkreuz der Deutschen Mutter", kurz Mutterkreuz verliehen, das direkt auf eine Verordnung von Adolf Hitler zurückging. Mal abgesehen davon, dass Mütter je nach Anzahl ihrer Kinder das Kreuz in Bronze (4/5), Silber (6/7) und Gold (ab 8 Kinder) erhielten, gab es noch weitere Kriterien, die zum Teil direkt rassistisch waren.

Strauß Trockenblumen 5 min
Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss

Der Muttertag: Woher kommt er? Welche Bedeutung hat er? Wie wird er gefeiert und welche Rolle spielte er in der Geschichte?

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 07.05.2021 15:20Uhr 05:06 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-redakteur-manfred-becker-huber-muttertag-bedeutung-herkunft-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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So mussten die Eltern "deutschblütig" und "erbtüchtig" sein, die Mütter der Auszeichnung "würdig", das hieß  "erbgesund", "anständig" und "sittlich einwandfrei". Kein Wunder, dass das Mutterkreuz heute zu den verfassungsfeindlichen Propagandamitteln gehört und verboten ist, verrufen war es schon, als Frau es noch trug.

Das Mutterkreuz hieß bei den Leuten Karnickel-Orden.

Prof. Manfred Becker-Huberti, Brauchtumsforscher

Vorläufer im England des 13. Jahrhunderts

Natürlich ist es trotz dieser historischen Auswüchse weiterhin erlaubt, diesen Tag zu einem besonderen zu machen, gern kann man sich dann auf den kirchlichen Vorläufer berufen, der im 13. Jahrhundert in England gefeiert wurde. Dieser Muttertag wurde zu Zeiten von Heinrich III. (1216 - 1239) als "Mothering Sunday" begangen, an dem der "Mutter Kirche" für ihre Mutterschaft gedankt wurde. Doch dabei blieb es nicht. Es gehörte schon damals dazu, die leibliche Mutter einzubeziehen, und ihr zu danken, so Prof. Becker-Huberti. Zu diesem Anlass kam die Familie im Elternhaus zusammen, auch diejenigen Kinder, die das Elternhaus bereits verlassen hatten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 07. Mai 2021 | 15:20 Uhr

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