Der Redakteur | 08.06.2021 Klingelt die Post in Zukunft nicht mehr, wenn sie ein Paket liefert?

Petra Neumann aus Erfurt stellt sich folgende Frage: Ich habe gehört, dass die Post künftig nicht mehr klingelt, wenn sie ein Paket liefert - was ist da dran? Stellen die das dann einfach für die Tür? Dazu klären wir auch, wie es zu eigenartigen Statusmeldungen kommt. Bildlich festgehalten haben wir einen ganz besonderen Status. Statt "die Sendung wurde bearbeitet" oder "zugestellt" gibt es offenbar auch den Status "beleidigend".

DHL Paketbote
Ein DHL Paketbote stellt Sendungen zu. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Winfried Rothermel

In unserem digitalen Zeitalter hat selbst die analoge Zustellung zahlreiche digitale Komponenten. Die Sendungsverfolgung ist zu einem spannenden Zeitvertreib geworden, man kann beim Live-Tracking sogar fast minutengenau der Zustellzeit entgegenfiebern. Das ist bei DHL für registrierte Kunden seit Kurzem möglich, teilweise muss man aber gar nicht registriert sein, weil es durch den Versender ermöglicht wird.

Circa 15 Minuten vor der Zustellung gibt's dann noch einmal eine zusätzliche Information per E-Mail oder als Push-Nachricht aufs Handy. Und wenn der Paketinhalt dann doch nicht gefällt, bieten viele Paketdienstleister an, Retourpaketen oder auch normale frankierte Pakete gleich wieder mitzunehmen. In den USA ist so etwas übrigens bei Briefen schon seit Jahren analoger Standard, man stellt an seinem Briefkasten zu Hause einfach das kleine Fähnchen senkrecht, als Zeichen, dass darin etwas zum Mitnehmen liegt.

Klingelt der Postbote oder nicht?

Was das Klingeln bei DHL betrifft, können wir Entwarnung geben. "Einfach so" passiert da nichts - zumindest, wenn der Zusteller korrekt nach Dienstvorschrift zustellt. Vielmehr ist es so, dass registrierte Kunden im Portal ein Häkchen setzen können, ob sie - wenn sie einen Ablageort vereinbart haben - zusätzlich "angeklingelt" werden wollen oder nicht.

Wir wollen im Grunde genommen nichts anderes, dass dann der Weg des Zustellens nicht noch durch ein zusätzliches Klingeln gestört wird, wenn Sie es sowieso nicht wollen. Wenn Sie es aber möchten, sieht das der Zusteller auf seinem Display und tut es auch.

Thomas Kutsch Sprecher DHL

Das gilt auch für andere Anbieter, aber allesamt haben immer wieder Angestellte, die sehr kreative Abläufe wählen. Andreas Wiener zum Beispiel hat von Amazon die Mitteilung bekommen, dass ein Hausbewohner das Päckchen in Empfang genommen hat.

Da er mit seiner Katze alleine wohnt, war er schon erstaunt, über welche Fähigkeiten das Tier verfügt. Doch dann war es doch ein weiterer Bewohner, den er nicht auf dem Schirm hatte aber an der Hauswand - sein Briefkasten. Andreas Wiener hat ein Foto seines Briefkastens gepostet, das zeigt letzteren mit weit aufgerissener Klappe.

Pakete dürfen nicht ohne Zustimmung abgelegt werden

Jenny aus Erfurt, die dort in der Riethstraße wohnt, berichtete von einem Hermes-Boten, der offenbar ohne zu klingeln die Pakete vor der Tür ablegt, auch wenn die Nachbarn zu Hause sind. Das ist nicht im Sinne des Erfinders und auch nicht im Sinne der Unternehmensregeln hat uns Hermes mitgeteilt.

Sendungen dürfen nur bei einer erteilten Abstellgenehmigung an einem von unseren Kunden bestimmten sicheren Ort abgelegt werden. Andernfalls handeln Zusteller klar gegen unsere Arbeitsanweisungen.

Schriftliche Antwort von Hermes per E-Mail

Genauso ist es zum Beispiel auch bei DHL und anderen Anbietern. Ohne Vereinbarung über den Ablageort läuft nichts - das ist die Vorschrift. Darüber hinaus kann man ein Paket oft bis kurz vor der Zustellung noch umleiten oder beim Nachbarn hinterlegen lassen. Paketstationen sind weitere Möglichkeiten, es gibt spezielle Zustellkästen, die man sich in den Vorgarten stellen kann, selbst die Kofferraumzustellung wurde schon gemeinsam mit Autoherstellern getestet. Wenn der Paketbote weiß, wo dein Auto steht.

Paketbotin am neuartigen Kombi-Briefkasten 5 min
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Einfach genial Di 01.09.2020 19:50Uhr 05:03 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Pilotprojekt: Pakete im Kofferraum zustellen

Für ein Pilotprojekt in München zum Beispiel hat Audi die Möglichkeit einer temporären schlüssellosen Zugangsberechtigung für den Kofferraum geschaffen. Auch die Lieferung per Drohne wird bereits getestet, nur das Beamen fehlt noch. Doch bis das alles für alle Beteiligten zufrieden(zu)stellend ist, wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Schneller im Griff hat DHL ganz sicher die kleinen sprachlichen Probleme in der Sendungsbenachrichtigung.

Was bedeutet der Status "beleidigend?"

Wenn es normal läuft, dann heißt es, "die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen" oder "die Sendung wurde erfolgreich zugestellt". So weit, so gut. Doch in den vergangenen Monaten hatten DHL- Kunden recht eigenwillige Formulierungen in den Statusmeldungen entdeckt. Der bisherige Höhepunkt war der Status "beleidigend".

Ein Bildschirmfoto einer Sendungsverfolgung "Status beleidigend".
Bildrechte: MDR/Thomas Becker

Wahrscheinlich war da irgendetwas im DHL-IT-System durcheinandergeraten. Vielleicht hatten die Programmierer bei ihren Tests vor dem Live-Gang Spaß bei der Arbeit und bei der finalen Zuordnung der Textbausteine waren dann noch Fragmente dieses Treibens verblieben.

Das ist tatsächlich ein IT-Fehler, der selten, aber doch bei einigen Leuten aufgetreten ist. Die Kollegen in der entsprechenden Abteilung sind dran, sodass der Fehler künftig nicht mehr auftreten sollte.

Thomas Kutsch Sprecher DHL

Apropos Fehler - wir haben heute sehr viel über den Sendungsstatus gesprochen, so viel, dass man durchaus schon die Mehrzahl bilden kann. Doch was ist eigentlich die Mehrzahl von Status? Stati? Statusse? Oje! Es ist viel einfacher. Laut Duden sind Singular und Plural nämlich identisch. Der Status, die Status. Wobei wir beim Sprechen der Mehrzahl das U etwas länger ziehen sollen. Der Status, die "Statuuus".

2 Transporter mit der Aufschrift GLS.. 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Do 27.05.2021 19:00Uhr 02:17 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 08. Juni 2021 | 16:40 Uhr

3 Kommentare

Saxe vor 19 Wochen

Sehe ich genauso. Spritpreise steigen, Paketanzahl steigt und die Grosskunden wollen Dumpigpreise. Wer muss es ausbaden? Die, die jeden Tag bei Wind und Wetter Pakete schleppen und die es meistens auch noch abbekommen, wenn etwas schief geht.

alter Ossi vor 19 Wochen

Apropos Packstation. Nehme ich gerne, wenn ich weiß, dass ich arbeitsbedingt vermutlich nicht zu Hause bin. Dafür gibt man bei Amazon die konkrete Packstation an. Die, die einem an nächsten liegt.

Die DHL handelt es etwas sehr anders. Ist die Packstation voll, wird an einer völlig anderen, zum Teil sehr weiten Packstation abgeladen. Das ist für mich als Kunden natürlich sehr ärgerlich. Der Bote hat die Adresse, und ist diese zeitlich nicht verfügbar, muss er es eben mehrfach versuchen. Das ist meine Meinung. Und nicht irgendwo abladen.

Seitdem nehme ich keine Packstation mehr.

DanielSBK vor 19 Wochen

Ein Wahnsinn was diese Mitmenschen täglich leisten ... man müßte den Lohn auf 20€ / Stunde und "1 Paket" 10€ im Versand teuer machen.