Der Redakteur | 18.06.2021 Hitzetemperaturen: So wird der eigene Rasen nicht zur Steppe

Erika Kremer sorgt sich um ihren Rasen - alle Jahre wieder, wenn es heiß wird, bildet sich da trotz guter Pflege eine Steppe. Was hilft dagegen? Unser Redakteur für Hörerfragen ist dem Nachgegangen.

Die Füße einer barfuß über einen Rasen laufenden Frau.
Schön grün soll der Rasen sein, damit er sich auch an den Füßen gut anfühlt. (Symbolfoto) Bildrechte: Colourbox.de

Der Rasen-Dreikampf um das schönste Grün

Wer den Rasen-Dreikampf beherrscht, der ist schon mal sehr gut dabei im Kampf um den schönsten Rasen der Gartenkolonie. Wässern, Düngen, Mähen. Allerdings fängt es schon etwas früher an, nämlich mit der Entscheidung, welche Sorten man eigentlich aussäht.

Die sind vom Standort, Sonne, Schatten, Halbschatten, aber auch von der Art des Bodens abhängig. Die Pflanzen müssen halt aus dem Boden Wasser aufnehmen können und zwar ganz unten an den Wurzelspitzen. Das sollte man grundsätzlich wissen. Dort muss das Wasser hin. Da es in einigen Zentimetern Tiefe gewöhnlich feuchter ist als an der Oberfläche, sind tiefwurzelnde Sorten kein schlechter Ansatz, wenn man mit einer Steppenlandschaft zu kämpfen hat

Es gibt Tiefwurzler wie den Rohrschwingel und es gibt Pflanzen, die Ausläufer haben wie die Wiesenrispe, die kann auch besser mit Trockenheit umgehen.

Dr. agr. Harald Nonn Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft

Erste Disziplin: Wässern

Es gilt die Grundregel: Je tiefer am Ende die Gräser wurzeln, umso seltener muss auch bewässert werden. Bei flachen Wurzeln, die nur in dem Bereich unterwegs sind, der durch Sonne und Wind schnell austrocknet, müssen Sie jeden Tag bewässern. Ansonsten reicht es, alle fünf Tage richtig zu beregnen und richtig heißt: 15 bis 20 Liter pro Quadratmeter. Denn das muss eben runterkommen bis zu den Wurzelspitzen.

Bei hochsommerlichen Temperaturen kann man davon ausgehen, dass bei Verdunstungsraten von fünf Litern pro Quadratmeter und Tag auch diese Menge nicht ausreicht. Das klingt nach sehr viel, hilft aber, sagt Harald Noll, während das Benetzen der Oberfläche von ein paar Minuten jeden Tag nur die Wasseruhr bewegt. Beste Tageszeit für die Bewässerung ist der frühe Morgen, zwischen 4.00 Uhr oder 5.00 Uhr, abends ist es suboptimal, weil der Rasen dann anfälliger für Pilzbefall wird.

Blüten von Gänseblümchen im Gras 34 min
Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 18.06.2021 16:40Uhr 34:24 min

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Wichtig ist: Falsches Bewässern, also eben zu wenig, führt dazu, dass sich die Pflanzen anpassen und eben dort wurzeln, wo noch Wasser ist, das wäre also oben. Die unteren Wurzeln sterben dann ab, aber das sind ja die, die eigentlich länger die Chancen haben, auf Wasser zu stoßen, ein Teufelskreis.

Zweite Disziplin: Düngen

Den ersten Termin des Jahres gibt die Forsythie vor, wenn die blüht, ist es Zeit. Man nehme Stickstoff-Langzeit-Dünger und das alle zwei bis drei Monate während der Wachstumsperiode und dann hat der Rasen auch genügend Nährstoffe.

Es gibt mittlerweile auch natürliche Stickstoffdünger, auf Basis von Lupinen zum Beispiel. Landzeitdünger lassen den Rasen übrigens auch nicht so verbrennen, wenn sie auf den Halmen landen, weil sie nur sehr gemächlich freigegeben werden.

zum Durchblättern: Rund um den Rasen

Auf einer Wiese liegen verschiedene, ausgestochene Rasenstücke. Ein Spaten und ein Messer stecken in der Wiese.
Rasen ist nicht gleich Rasen - auch, wenn man das denken könnte. Bei Gras gibt es so einiges zu beachten. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Auf einer Wiese liegen verschiedene, ausgestochene Rasenstücke. Ein Spaten und ein Messer stecken in der Wiese.
Rasen ist nicht gleich Rasen - auch, wenn man das denken könnte. Bei Gras gibt es so einiges zu beachten. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Ein Erdballen mit Rasen und Wildwuchs liegt auf einer Wiese.
Vor allem nach dem Winter breitet sich gern Moos auf Rasenflächen aus. Dagegen hilft eigentlich nur vertikutieren. Eisendünger kann auch gegen Moos eingesetzt werden. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Eine Hand hält einen Erdballen mit grünen Grashalmen hoch. Die zweite Hand streift über das Rasenstück.
Dieser Rasen ist in einem deutlich besseren Zustand, keinerlei Unkraut ist zu erkennen. Gras muss nicht zwingend bewässert werden. Nur in Trockenperioden empfiehlt es sich. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Eine Hand hält ein viereckiges Glasstück, in dem ein kleines Stück Rasen mit Erde konserviert wurde.
Rasen ist mehr als "nur" grünes Gras: Auf diesem Profirasen holte sich die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft 2014 in Argentinien den WM-Titel. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Zwei Hände halten eine eine durchsichtige Plastikschale mit beigem Samen.
Im heimischen Garten wird zwar kein WM-Titel vergeben, aber auch ganz ohne Fußballduell darf das Gras professionell grün aussehen. Wer selber säen mag, kann auf Samen zurückgreifen. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Zwei Hände halten ein viereckiges Stück Rasen in der Hand.
Alternativ gibt es für das Anlegen einer grünen Fläche im Garten auch Rollrasen. Er ist schneller strapazierfähig als frisch ausgesätes Gras. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Zwei Männer halten viereckige, durchsichtige Schalen mit bunten Düngerkugeln in der Hand und betrachten diese. Eine Kamera nimmt die beiden Männer auf.
Ob gesät oder ausgerollt: Rasen erfreut sich an Nährstoffen. Zweimal im Jahr sollte gedüngt werden. Im hellen Frühling wird der in helleren Farben gehaltene stickstoffhaltige Dünger verwendet. Im Spätsommer, wenn es langsam wieder dunkler wird, kommt der dunklere, kalihaltige Dünger zum Einsatz. Die Färbung ist Absicht und soll als Eselsbrücke dienen. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Zwei rote Rasenmäher stehen auf einer Wiese.
Beim Schnitt hat der Gärtner die Wahl zwischen einem herkömmlichen Rasen- und einem Mulchmäher. Beim Mulchmäher ohne Fangkorb wird das Schnittgut fein gehäckselt und direkt wieder auf die Wiese gegeben. Beim Rasenmäher kann der Mulch auch für andere Bereiche im Garten eingesetzt werden. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Nahaufnahme eines Rechens. Die Zinken fahren durch eine Wiese.
Mindestens einmal pro Jahr sollte der Rasen vertikutiert werden. Hierfür kann auch ein ganz normaler Rechen verwendet werden. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
Ein Aufsatz für eine Stiel, der wie ein Rechen aussieht. Zusätzlich trägt er zwischen den Zinken eine bewegliche Schiene.
Der Rasen kann aber auch mit einem speziellen Vertikutierer bearbeitet werden. Bei diesem Modell drückt eine Metallschiene zusätzlich auf die Grasnarbe. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius
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Dritte Disziplin: Mähen

Das war mal der Deutschen liebste Samstagsbeschäftigung, gleich nach dem Autowaschen. Für beides gibt es heute maschinelle Unterstützung. Der Rasenroboter tut dem Rasen gut. Wenn man Glück hat mit der Gesamtkonstellation im Garten und die Schnittreste vergehen im Boden, werden quasi zu Dünger, fällt ein weiterer Arbeitsschritt weg.

Wer selbst Hand anlegen will, sollte die Drittel-Regel kennen. Maximal ein Drittel des Grüns abschneiden. Das Grüne ist die Lebensgrundlage der Pflanze, hier findet die Photosynthese statt. Wer regelmäßig schneidet – einmal die Woche – der hat das Problem gar nicht.

Die Zusatzdisziplinen

Man kann es natürlich auch übertreiben. Das geht mit unterirdischen Bewässerungssystemen oder Kies aus Vulkangestein, das speichert das Wasser schön. Auch das Belüften des Rasens ist mitunter sinnvoll. Damit ist aber nicht das Vertikutieren gemeint, also das Kratzen an der Oberfläche, sondern das Aerifizieren.

Ratgeber

Eine Frau betrachtet mit einer Lupe ihren Rasen Lupe vergrößert ein Gänseblümchen 16 min
Bildrechte: MDR/ Nadine Witt

15:42 min

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Sie merken schon, da ist etwas Luft dabei und die muss runter zu den Wurzelspitzen. Mit Stachelwalze oder ähnlichen Hilfsmitteln kann man so das Wurzelwachstum im Kellergeschoss fördern.

Wenn die sich nach einiger Zeit so ein Aerifizierloch anschauen, werden Sie erstaunt sein, wie viele Wurzeln sich dort finden.

Dr. agr. Harald Nonn Vorsitzender Deutsche Rasengesellschaft

Aber ist der grüne Teppich noch Natur?

Zwar gibt es die landläufige Meinung, dass unsere Rasenflächen quasi tot sind, aber da widerspricht Harald Nonn, dort unten ist sehr wohl einiges unterwegs. Trotzdem ist es ratsam, ein ausgewogenes Verhältnis zu schaffen. Flächen, die bespielt oder anderweitig genutzt werden, die können wir ohne schlechtes Gewissen kurz halten, wenn wir der Natur auf anderen Flächen eben Ihre Lauf lassen. Es ist die gesunde Mischung, wie so oft.

Zwar könnte man vermuten, dass es in manchen Wohngegenden einen Wettbewerb um den schönsten Rasen gibt, aber das ist natürlich Quatsch. Sowas gibt es nur beim Fußball. Den schönsten Rasen in der abgelaufenen Saison hatte Wolfsburg – die Wolfsburger wurden also deutscher Rasenmeister.

Die Bayern landeten nur auf Rang drei beim "Pitch of the year-Award". Und wenn es bei der EM weiterhin nicht so besonders läuft, dann machen wir es halt wie Harald Nonn: Wir erfreuen wir uns einfach an dem schönen Rasen in der Allianz-Arena.

Sagen wir mal so: Mein erster Blick geht eher auf den Rasen als auf die Spieler.

Dr. agr. Harald Nonn Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Sportplatzbau

Mehr Videos

Eine Rasenkante wird geschnitten 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit einer schönen Rasenkante sieht der Garten gleich richtig aufgeräumt aus. Aber immer diese Buckelei mit dem Spaten. Gartenbloggerin Katrin Iskam setzt die Rasenkante auf ihre Art.

MDR FERNSEHEN So 01.09.2019 08:30Uhr 00:32 min

https://www.mdr.de/mdr-garten/pflegen/rasenkante-setzen-tipp-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 18. Juni 2021 | 16:40 Uhr

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