Der Redakteur | 09.06.2020 Reisebusse in Thüringen dürfen wieder rollen

Am 13. Juni tritt eine neue Thüringer Verordnung zum Schutz vor Corona in Kraft. Dann sind auch Reisebusveranstaltungen in Thüringen wieder gestattet. Was das für die Branche bedeutet, hat Redakteur Thomas Becker mit Mario König vom Mitteldeutschen Omnibusverband besprochen.

Ein Reisebus auf der Straße.
Ab 13. Juni sind in Thüringen wieder Busreisen erlaubt. Bildrechte: imago images / Arnulf Hettrich

Es war eine unbefriedigende Situation. Mit jeder neuen Verordnung hofften die Branchen im Land, endlich wieder starten zu können, die Reisebusunternehmen hofften lange vergeblich. Mit der neuen Verordnung kann es nun ab Samstag in Thüringen wieder losgehen.

Mario König ist selbst krisengeplagter Busunternehmer und als Vorsitzender des Mitteldeutschen Omnibusverbandes auch noch erster Ansprechpartner für die Sorgen der Kollegen. Stückweise wurden die Verbote gelockert, auch immer mehr Busse rollten wieder, im Schülerverkehr, im Linienverkehr, in anderen Bundesländern, aber die Thüringer Reisebusse blieben in der Garage. Sie lieferten die dunkle Farbe für den Flickenteppich im Land.

Es gibt zum Beispiel unser Nachbarland Hessen, wo es seit 9. Mai 2020 erlaubt ist, Busreisen durchzuführen. Das ist für uns natürlich ein ganz klarer Wettbewerbsnachteil.

Mario König, Vorsitzender Mitteldeutscher Omnibusverband

Die Gründe dafür waren vielschichtig. Dass ein Bus nun mal ein geschlossener Raum ist und die Platzverhältnisse speziell sind, das hat mit Sicherheit eine Rolle gespielt. Und er hat auch ein gewisses Verständnis für die Nöte der Thüringer Politik, wenn aus allen Branchen gerufen wird und man gar nicht weiß, was man zuerst machen soll. Trotzdem weist er darauf hin, dass sein Branchenverband seit Wochen gegen das faktische Berufsverbot angekämpft hat und auch schon vor Wochen ein Infektionsschutzkonzept vorgelegt hat. Mit den Maßnahmen, die die Branche zum Schutz der Gesundheit von Fahrgästen und Fahrern vorschlägt. Das das alles so lange gedauert hat mit einer Entscheidung, das könnte seiner Auffassung nach auch ein wenig daran liegen, dass die Reisebusse gleich drei Ministerien berühren. Das heißt: Neben dem Gesundheitsministerium (Hygiene und Gesundheit) wollten auch das Infrastrukturministerium (Verkehr) und das Wirtschaftsministerium (Touristik) mitreden, was die Angelegenheit nicht unbedingt beschleunigt haben dürfte.

Reisebusse und Mitarbeiter aus der Reisebranche stehen auf dem Domplatz in Erfurt. Mit der Aktion demonstrieren die Angestellten gegen die Corona-Beschränkungen. 12 min
Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Das Konzept hat verschiedene Punkte, vor der Reise, während der Reise, nach der Reise und ist vergleichbar mit den Konzepten in der Gastronomie.

Mario König, Vorsitzender Mitteldeutscher Omnibusverband

Das bedeutet, es muss beispielsweise notiert werden, wer mitgefahren ist, damit die Fahrgäste im Falle eines Falles schnell gefunden werden können. Hinzu kommen Details wie fest zugewiesene Sitzplätze, verkürzte Reinigungszyklen, die Maskenpflicht, die ausschließliche Abgabe von verpackten Speisen, die Zufuhr von Frischluft und so weiter. Da aber einiges davon auch schon im laufenden Linienverkehr gilt, musste man hier das Rad nicht neu erfinden.

Unsere Klimaanlagen sind automatisiert so eingestellt, dass immer Frischluftzufuhr ist. Wir haben also immer einen gewissen Prozentsatz von über 30 Prozent, wo Frischluft in den Bus mit hineinkommt. Viele Unternehmen haben auch in neue Filter investiert.

Mario König, Vorsitzender Mitteldeutscher Omnibusverband

Es bleibt aber das Problem, dass der Durchschnittsbusreisende um die 60 Jahre alt ist, also durchaus im Bereich der Risikogruppe, das jedenfalls hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) 2019 ermittelt. Mario König will das aber so nicht stehen lassen, es gibt schließlich auch genügend Situationen, wo die Fahrgäste wesentlich jünger sind, sei es bei Klassenfahrten oder bei Ausflügen von Firmen. Ihm ist es wichtig, dass in den Medien und der Öffentlichkeit der Bus als das sichere Verkehrsmittel wahrgenommen wird, das es auch in Corona-Zeiten bleiben soll - mit den vorbereiteten Hygienemaßnahmen. Erste Signale der Kunden gibt es schon, wieder zu buchen. Doch eines ist auch klar: Bis wieder der Vorkrisenstand erreicht wird, was das Reisevolumen angeht, wird es noch eine ganze Weile dauern. Ob die angekündigten Hilfsmaßnahmen bis dahin ausreichen, alle Thüringer Busunternehmen durch die Krise zu bringen, das hofft Mario König, sicher ist er sich aber nicht. Und trotzdem: Dass viele Deutsche in diesem Jahr Urlaub im eigenen Land planen, das ist ein Grund, optimistisch zu bleiben.

Wir sind natürlich alle Unternehmer, die Ideen stricken, um unser Geschäft wieder voranzubringen und die Leute wieder in die Busse zu bekommen. Thüringen ist ein schönes Land und Deutschland auch. Das motiviert uns, unsere Reisegäste vielleicht mehr zu Reisezielen in Deutschland zu fahren.

Mario König, Vorsitzender Mitteldeutscher Omnibusverband

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 09. Juni 2020 | 16:40 Uhr

1 Kommentar

lobo56 vor 8 Wochen

Omnibusverband,,,
Geschäfte voranbringen ist gut, wer aber jetzt keine Geduld aufbringt und möglichst alle Einschränkungen aufhebt, denkt zu kurzfristig.
Ein Rückfall durch diese übereilten Entscheidungen wird noch erheblich mehr und tiefere Einschnitte mit sich bringen, vom persönlichen Leid der dann Betroffenen
ganz abgesehen.....
Wir werden sicher vorerst keine unnötigen Reisen machen.
Faktisch wird es außer Maskenpflicht keine Einschränkungen mehr geben, wer will das auch kontrollieren, ob 3 Leute zuviel auf einer Feier sind und ob sie angemeldet ist ??