Der Redakteur | 01.09.2020 Warum sind schwarze Kunststoff-Verpackungen ein Problem fürs Recycling?

Duschgels, Kosmetika, aber auch Schalen für Fleisch oder Gemüse sind zunehmend aus schwarzen Kunststoffen. Doch diese werden von den Sensoren in den Sortieranlagen beim Recycling nicht erkannt. Warum werden sie benutzt?

Verpackung
Schwarze Plasikverpackungen sind nicht gut für das Recyclingsystem. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit unseren schwarzen Kunststoffen erreichen wir in den Recycling-Anlagen derzeit die Grenzen der Physik. Die verwendete Nahfeld-Infrarot-Technologie ist einfach nicht in der Lage, die oft mit Rußpartikeln gefärbten schwarzen Kunststoffe zuverlässig zu erkennen. Im Ergebnis landet tatsächlich vieles, das schwarz ist, im Verbrennungsofen. Statt der Rußpartikel hochwertigere Färbemittel zu nehmen, könnte helfen, aber eben auch nur für zukünftig zu produzierende Kunststoffe.

Viele Hersteller sind an diesem Thema auch schon dran, sind da sensibler geworden. Sie wissen, dass die Verbraucher ein Recycling ihrer Verpackung erwarten und stellen deshalb vereinzelt auch schon um.

Norbert Völl Grüner Punkt Deutschland
Gelber Sack
Richtig trennen ist wichtig. Bildrechte: IMAGO

Trotzdem bleibt Schwarz ein "dunkles Kapitel" in der Recyclinggeschichte, so lange dort mit der Nahfeld-Infrarot-Technologie gearbeitet wird. Dazu muss man wissen, dass es da in erster Linie um die Erkennung des Materials geht. Und zwar bezogen auf die Art des Kunststoffes - wie PVC, PET und so weiter.

Ziel: sortenreines Granulat

Am Ende müssen nämlich möglichst sortenreine Granulate entstehen, die sich wieder zu neuen Kunststoffteilen formen lassen. Und auch aus dem Automobil-Entsorgungsbereich kommt ständig schwarzer Nachschub. Nun werden aber in der Regel eher alte Autos entsorgt und die haben - das ist nicht so überraschend - viele schwarze rußhaltige Kunststoffe in sich, die man sogar prima recyceln könnte, wenn sie denn nur erkennbar wären. Deshalb arbeiten Firmen wie die LLA Instruments GmbH in Berlin an Sensoren, die genau das können sollen.

Wir machen das zusammen mit einer ansässigen Hochschule. Solche Projekte können manchmal bis zu vier Jahre dauern. Ich gehe mal davon aus, dass es in diesem Fall schneller geht. Da hier schon erste Versuche gemacht wurden, werden wir wohl in maximal zwei Jahren fertig sein.

Lysann Simon, LLA Instruments GmbH & Co. KG
Schalter für Standlicht, Abblendlicht, Nebelscheinwerfer, Nebelschlussleuchte und Lichtautomatik im Audi A3, 2013
Könnte später mal ein neues Cockpit werden! Bildrechte: IMAGO

Und zwar serienreif. Dann müssen die alternativen Sensoren - auch andere Hersteller sind hier aktiv - "nur" noch in die Sortieranlagen eingebaut werden. Aber auch hier kann man davon ausgehen, dass das nicht auf die lange Bank geschoben wird. Denn - um bei der Automobilindustrie zu bleiben - die Recycling-Quoten werden weiter stetig nach oben gehen, das heißt: Die Anforderungen gehen immer mehr gegen 100 Prozent, was die Wiederverwertung betrifft, auch wenn diese natürlich nicht ganz erreicht werden können.

Kluge Technik - dummer Verbraucher

Deshalb ist es sogar die Industrie selbst, die solche Sensoren intensiv nachfragt. Doch leider kann die Technik noch so intelligent sein, wenn wir uns als Verbraucher zu dumm anstellen, endet der Joghurtbecher trotzdem noch im Ofen. Und das ausgerechnet dann, wenn wir uns besonders umweltfreundlich benehmen wollen. Ein Problem sind die extradünnen Kunststoffbecher, die eine stabilisierende Hülle aus Pappe haben.

Diese Kombinationsbecher werden meistens nicht auseinandergenommen vom Verbraucher, sondern komplett in den Gelben Sack gesteckt. Die Maschine denkt dann, das ist eine Pappverpackung und schiebt sie ins Papier.

Norbert Völl Grüner Punkt Deutschland

Joghurt Regal im Supermarkt
Manche Joghurt-Becher schummeln... Bildrechte: IMAGO

Am Ende "freuen" sich dann die Papierfabriken über den gelieferten Mix. Zwar können die Systeme unsere Gelben Säcke und Tonnen wunderbar in ihre Einzelteile zerlegen, aber sie sind eben noch nicht in der Lage, die Becher auseinanderzubauen. Sie nutzen für ihre Entscheidung "Köpfchen oder Kröpfchen" die Oberfläche eines Gegenstandes. Und wenn der Aludeckel noch dran ist am Becher, wird der halt per Luftstoß samt Becher zum Kunststoff befördert.

Das bedeutet für uns: Den Aludeckel abreißen und getrennt vom Becher in den Gelben Sack werfen, die Papierumhüllung entfernen und zum Altpapier packen und schon haben wir die Welt wieder ein klein wenig besser gemacht.

Plastemüll auf einem Fließband 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Umschau Di 18.08.2020 20:15Uhr 05:40 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 01. September 2020 | 16:00 Uhr

3 Kommentare

Lyn vor 42 Wochen

Interessanter Artikel.

Der Hinweis auf das Plastik im Auto...
Das hat man ja auch bei einer Menge Desktop PCs.

Mit dem Auseinandernehmen ist es nicht immer so einfach wie beim Joghurt Becher.
Oft sind am Papier Metall oder Plastikteile dran, die sich nur mühselig entfernen lassen, man nehme ein Versandpaket, da geht das schon los.

Dann müsste, wenn ich richtig interpretiert habe, z.B. die schwarze Hülle meines defekten Desktops in das zu recycelnde Verpackungsmarerial gehen.
Mein alter Desktop ist aber hier Sperrmüll.
Der wird dann wohl ganz separat auseinander genommen.

Lyn vor 42 Wochen

Ihre Milch war auch nicht verpackt?
Wie haben Sie die transportiert, in der hohlen Hand?

Atheist vor 42 Wochen

Mir sowas von egal die Hälfte meines Lebens musste ich ganz ohne Verpackungen auskommen.