Eine Karte zeigt Unwetterwarnungen
Der Deutsche Wetterdienst ist unsere Quelle für Unwetterwarnungen Bildrechte: Deutscher Wetterdienst

Der Redakteur | 14.09.2018 Wie geht der MDR mit Unwettervorhersagen um?

MDR THÜRINGEN-Hörer Stefan Fiedler aus Gera hat gesehen, dass im HR-Fernsehen in der laufenden Sendung bei Unwetterwarnungen in der oberen rechten Ecke ein "Achtung" eingeblendet wird - mit Hinweis auf die Teletextseite zu den Unwettervorhersagen. Er möchte wissen: Warum geht das im MDR nicht oder wie wird das dort gehandhabt?

von Thomas Becker

Eine Karte zeigt Unwetterwarnungen
Der Deutsche Wetterdienst ist unsere Quelle für Unwetterwarnungen Bildrechte: Deutscher Wetterdienst

Die Frage ist immer, wann ist es sinnvoll, den Fernsehzuschauer oder den Radiohörer zu "stören". Das heißt: Wann sollte ein Laufband eingeblendet werden und auf ein besonderes Ereignis hinweisen, wann ist die Wetterlage so extrem, dass zum Beispiel auch der Hinweis auf die Teletext-Seite sinnvoll ist, um weitere Informationen zu erhalten. Beim MDR FERNSEHEN ist das übrigens die Seite 543. Dort steht an diesem Nebeltag: "Derzeit liegen keine Unwetterwarnungen vor."

Warnmeldungen aller Art vom kleinen lokalen Unwetter bis zur größeren Katastrophe sind immer Meldungen von amtlichen Stellen. Das heißt: Weder beim Fernsehen, noch in der Teletext-Redaktion, noch beim Radio denkt sich da irgendwer etwas aus oder sendet Warnmeldungen, weil gerade Platz im Programm ist. Zudem gibt es Abstufungen in der Dringlichkeit und ab einem gewissen Punkt ist es auch nicht mehr unsere redaktionelle Entscheidung, ob wir eine Warnmeldung weiterverbreiten oder nicht.

Sämtliche Medien und noch eine ganze Reihe anderer Institutionen, Internetbetreiber, Lagezentren, bis zur Deutschen Bahn, sind an das bundesweite Warnnetz angeschlossen, das auch in regelmäßigen Abständen mit Test-Meldungen überprüft wird. Diese erscheinen zum Beispiel bei jedem Kollegen von MDR THÜRINGEN auf dem Bildschirm, wenn er ins Redaktionssystem eingeloggt ist und werden durch "Ok" bestätigt.

Warnmeldungen vom Großbrand mit Rauchentwicklung aufwärts kommen dann je nach Zuständigkeit oder Quelle von Ämtern wie dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe oder der Landeeinsatzzentrale. Auch hier gibt es Prioritäten, die von den Behörden eingeschätzt werden. Die unterste Stufe ist die "Gefahreninformation". Die letzte dieser Art in Thüringen war die über einen Großbrand in Töppeln am 1. September mit starker Rauchentwicklung. Der Rauch zog in Richtung Gera und die Anwohner dort sollten Fenster und Türen geschlossen halten. Theoretisch wären wir nicht verpflichtet gewesen, diese "Gefahreninformation" zu senden, haben es aber trotzdem getan, weil wir ein regionales Programm sind. Beim ZDF war das an diesem Tag kein Thema. Anders sieht es aus, wenn uns eine "Gefahrenmitteilung" erreicht. Diese mittlere Stufe der Warnmeldungen müssen wir innerhalb von zehn Minuten senden, können den Wortlaut aber leicht redaktionell bearbeiten. Das heißt: Es ist erlaubt, einen Satz umzustellen, damit er sich besser sprechen lässt. Anders sieht es bei der "Gefahrendurchsage" aus. Das ist die höchste Stufe der Warnungen. Diese Warnungen müssen sofort und mit genauem Wortlaut übermittelt werden. Das gilt dann auch für Kollegen aller Medien, also Radio, Online, Fernsehen oder Videotext.

auf rotem Grund steht mit weißer Schrift das Wort Unwetterwarnung, daneben ein Achtundsschild.
Hier, bei MDR.DE, werden Unwetterwarnungen des DWD mit diesem Bild versehen. Warnungen werden erst ab Stufe 3 von 4 veröffentlicht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aus diesen Abläufen kann man sehr gut ablesen, dass es schon ein Extremereignis sein muss, das direkte Eingriffe ins laufende Programm erforderlich macht. Die meisten Unwetterwarnungen gehören da eben nicht dazu, weshalb Einblendungen und Verweise auch nur recht sparsam vorgenommen werden. Für amtliche Unwetterwarnungen ist übrigens der Deutsche Wetterdienst (DWD) die einzige zugelassene Quelle und wenn im Sommer mehrere Gewitterzellen unterwegs sind, dann laufen diese Unwetterwarnungen zu Dutzenden bei uns ein. Hier gilt es dann, genau abzuwägen, welcher Weg zum interessierten Hörer, Zuschauer oder Leser der richtige ist. Schließlich tritt bei einer zu häufigen Warnung ein Gewohnheitseffekt ein, sodass bei wirklich wichtigen Ereignissen keiner mehr angemessen reagiert.

Die modernste Form der Information im Ernstfall ist wahrscheinlich zum Beispiel die App "NINA" vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Hier lassen sich ganz einfach die gewünschten Orte einstellen, aus denen man Warnhinweise erhalten möchte und für den aktuellen eigenen Standort kann man sich die Warnhinweise ebenso anzeigen lassen. Mit dieser App werden Sie dann zeitgleich mit den Medien informiert und haben dann sogar einen kleinen Vorsprung vor den Nutzern von Radio, Fernsehen und Teletext.

P.S.: Sollten Sie diesen Text noch einmal auf Ihrem Fernseher nachlesen wollen, dann wählen Sie bitte die Redakteursseite im Teletext auf Tafel 629.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 14. September 2018 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2018, 15:27 Uhr

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