Der Redakteur | 17.05.2021 Warum sind Baumaterialien derzeit knapp und teuer?

Warum gibt es gefühlt überall Lieferschwierigkeiten bei Baumaterialien? Und warum wird vieles deutlich teurer? - Das möchte Harald Schneider aus Erfurt wissen.

Ein Mann verlädt 2012 vor einem Baumarkt seinen Einkauf.
Die Preise für Holz und andere Baumaterialien haben merklich angezogen. Bildrechte: dpa

Das Problem ist nicht neu. Seit Wochen schon stöhnt die Branche angesichts steigender Preise und leerer Lager. Und wie so oft gibt es auch nicht "die" Ursache. Es ist vielschichtig. Teilweise sind wir selbst schuld, weil wir Pools und Terrassen bauen, statt in den Urlaub zu fahren, die Zeit in Homeoffice und Kurzarbeit nutzen, zu renovieren oder neue Möbel zu ordern.

Da sind wir schnell auch bei Transportkapazitäten, einiges, was nicht da ist, das ist in Wahrheit nur nicht hier. Der blockierte Suez-Kanal hat die empfindlichen Lieferketten zusätzlich gestört, die wegen des Lockdowns rund um die Welt ohnehin schon nicht mehr funktionierten. Mitunter reicht es da aus, dass Container oder Schiffe plötzlich nicht dort waren, wo sie hätten sein müssen. Und wenn dann auch noch Grundstoffe wie Chemikalien oder Farben an Bord waren oder andere für die Baustoffproduktion notwendige Bauteile, dann ist es klar, dass wir irgendwann im Regal ins Leere greifen. Das geht den Handwerkern genauso.

Obwohl die Auftragsbücher voll sind, können Handwerksbetriebe ihren Berufsalltag nicht wie gewohnt gestalten und müssen Mitarbeiter teilweise sogar in Kurzarbeit schicken. Aktuell sind zwei Probleme drängend: die Materialknappheit und die deutlich gestiegenen Preise.

Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt

Erinnerungen an DDR-Zeiten werden wach

Dämmstoffe, Holz und Stahl werden meistens genannt, aber wenn die Spanplatte fehlt, wird heutzutage auch das Bad nicht fertig, weil die Badmöbelbauer darauf angewiesen sind. Deshalb gibt es Handwerker, die sich hinlegen, was sie noch kriegen können, was zu einer weiteren Verknappung bei einigen "Verbrauchsmaterialien" führt. Die Gipskartonplatte wird nicht schlecht und kann passend gemacht werden. Plötzlich werden Erinnerungen wach, die in der jüngeren Geschichte beim Klopapier enden, etwas weiter zurückgeblickt, fällt dann schon auch häufiger mal der Satz “Wie in der DDR!“

Es wiederholt sich Vieles. Und unter anderem auch sind wir dort, wo wir schon einmal waren, dass man warten muss. Dass man Material bestellen muss und man muss warten, bis das Material kommt und wir weiterbauen können.

Günther Kirchner, Thüringer Innungsobermeister Bau

Auswirkungen auf globale Lieferketten

Hier ist Verständnis gefragt, auch auf Kundenseite. Und die Handwerker müssen aufpassen, dass sie nicht plötzlich draufzahlen. Bei größeren Aufträgen kann das durchaus auch existenzgefährdend sein. Entsprechend fallen die Angebote aus, die jetzt erstellt werden für Bauprojekte im nächsten Jahr. "20 Prozent teurer" ist so eine Zahl, die immer wieder genannt wird und die auch Günther Kirchner bestätigt.

Aktuell bemühen sich die Großhändler sehr darum, für Nachschub zu sorgen, sagt der Innungsobermeister. Fünf Wochen Lieferzeit bei Dingen, die man bisher aus dem Regal nehmen konnte, sind zwar noch nicht die große Katastrophe, aber spürbar. Und das, was wir heute sehen, das überrascht Experten nicht wirklich.

Schon vor einem Jahr - im Mai 2020 - analysierten Wirtschaftsexperten im Auftrag des IFO-Instituts die Wertschöpfungsketten dieser Welt und machten unsere Abhängigkeiten deutlich. Demnach finden etwa zwölf Prozent der weltweiten und 17 Prozent der deutschen Wertschöpfung über globale Wertschöpfungsketten statt. Wir sind also deutlich mehr auf andere angewiesen als der Weltdurchschnitt. Das gilt eben auch für Vorprodukte, die jetzt mitunter fehlen.

Gibt es für diese Vorprodukte in einem Importland keinen Ersatz, drohen in den betroffenen Unternehmen Produktionseinbußen oder sogar der Stillstand der Produktion.

Quelle: Ifo Schnelldienst 13.Mai 2020

Die Welle namens "Fachkräftemangel" rollt bereits

Wenn Indien die Farbe Indigo nicht liefert, die für die Fliesenproduktion in ganz Europa gebraucht wird, dann laufen nicht nur bei den blauen Fliesen die Lager leer. Denn das Blau wird zum Mischen so ziemlich aller Farben benötigt. Wir Verbraucher merken die Auswirkungen größerer Entwicklungen immer erst relativ spät, also erst dann, wenn eben die Regale leer sind oder der Meter Holzlatte plötzlich das Dreifache kostet. Bis dahin sind wir relativ entspannt bis taub.

Dabei rollt die nächste Welle schon unaufhaltsam auf uns zu. Und die hat nichts mit Corona zu tun. Dabei haben wir den Begriff "Fachkräftemangel" alle schon einmal gehört und vielleicht mit einem Schulterzucken quittiert. Motto: Das wird schon. Stand heute wird es eher nicht. Das Material wird - wenn auch etwas teurer - demnächst wieder da sein. Schon in wenigen Jahren werden die Leute fehlen, die es auch verarbeiten können. Tischler, Sanitärinstallateure, Maurer, Maler, Zimmerleute und so weiter werden einfach nicht mehr da sein. Und das macht den Betrieben wirklich ernsthaft Sorgen.

Altersbedingt scheiden viele Mitarbeiter aus und wir kriegen keine Lehrlinge mehr in unsere Unternehmen. Das ist eine ganz schwierige Situation mit der Nachfolge von qualifizierten Handwerkskräften.

Günther Kirchner, Thüringer Innungsobermeister Bau

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 17. Mai 2021 | 15:20 Uhr

1 Kommentar

Jedimeister Joda vor 22 Wochen

Ich sah es schon am Horizont. Die Digitalisierung, die Globalisierung und noch andere wichtige Dinge die uns die Politik weismachen will, werden Auswirkungen haben. Ach so toll wir werden Influencer. Besser ist noch wir werden Beamte, da brauchen wir nicht viel in die Sozialkassen einzahlen. Fürstlich bezahlt werden wir auch, ganz toll. Ist mein Eindruck. Aber was ich aus dem Munde meiner Padavanschüler aus Thüringen höre ist echt unglaublich. Die erzählen aus ihrer Erfahrung von den Handwerkern. Landläufige Meinung über diese Gesellen: Zu spät, zulangsam, schlecht vorbereitet, zu teuer, nicht motiviert, das falsche oder sogar gar kein Ersatzteil im Gepäck, sind schmutzig und zerkratzen die Einrichtung, verlangen für die Anfahrt viel zuviel. Ist eh noch nicht alles. Einen Beruf zu ergreifen der mit solchen Vorurteilen gespickt ist wäre dumm. Also. Siehe oben. Steuern Statistik Vorschriften alles wird denen aufgebürdet. Das will niemand. Neue fangen nicht an. Die Alten gehen. Joda