Der Redakteur | 05.11.2021 Wirkt sich der Vulkanausbruch auf La Palma auf das Klima aus?

Andreas Müller aus Deesbach fragt sich, welche Rolle der Vulkanausbruch auf La Palma im globalen Klimagefüge spielt. Werden die bisherigen Klimaziele mit einem solchen Ausbruch nicht völlig über den Haufen geworfen?

Lava fließt auf der Insel La Palma.
Seit Wochen stößt der Vulkan auf der kanarischen Insel La Palma Lava und Asche aus. Hat das Auswirkungen auf das Klima? Bildrechte: dpa

Die Frage drängt sich förmlich auf, führt aber zu völlig falschen Schlüssen. Nur weil der Vulkan Feuer speit, muss es nicht zwangsläufig wärmer werden. Im Umfeld natürlich schon, aber die Strahlungswärme ist nicht das Problem. Durch große Vulkanausbrüche gelangt Schwefeldioxidgas in die obere Atmosphäre, also in die Stratosphäre, das Gas reagiert mit Wasser und bildet Wolken aus Schwefelsäuretröpfchen. Diese Wolken machen die Schotten dicht, reflektieren das Sonnenlicht zurück ins All und somit wird die Erdoberfläche zusammen mit der unteren Atmosphäre gekühlt.

Hinsichtlich einer Abkühlung der Erdoberfläche brachte zum Beispiel der Ausbruch des Mt. Pinatubo auf den Philippinen 1991 circa 20 Millionen Tonnen Schwefeldioxid (SO2) in die Stratosphäre ein, was die Erde für bis zu ein Jahr um 0,5 °C abkühlte.

Einschätzung des Deutschen Klimakonsortiums (DKK)

Spürbarer sind lokal die verringerten Niederschläge durch Vulkanausbrüche, ganz einfach, weil weniger kurzwellige Strahlung an die Erdoberfläche gelangt, die bei der Verdunstung hilft. Weniger Verdunstung = weniger Niederschlag. Bei großen Ausbrüchen werden auch sehr viele Partikel ausgestoßen, die Asche also.

Diese Partikel sind aber nur ein kurzfristiges Problem, sie sinken schnell ab und sind innerhalb von Tagen oder Wochen wieder aus der Atmosphäre verschwunden. Sie haben also langfristig keinen Einfluss auf das globale Klima, auf das lokale Wetter hingegen schon. Ein wirklich großer Vulkanausbruch kann hingegen den Klimawandel durchaus unterbrechen, hier deshalb vielleicht sogar ein bisschen nachzuhelfen und irgendwas nach oben zu blasen, wäre doch ein sehr netter Gedanke?!

Das ist nicht gut genug verstanden und auch nicht gut genug beherrschbar, dass man das einsetzen sollte.

Prof. Johannes Quaas, Uni Leipzig, Institut für Meteorologie

Nun könnte man auf die Idee kommen, wenn schon die eigentlich gigantischen Vulkanausbrüche keinen bleibenden Einfluss auf das Klima haben sollen, warum haben es dann wir winzigen Menschen? Das lässt sich mit einem relativ einfachen Vergleich deutlich machen: Seit Beginn der Industrialisierung - also seit etwa 200 Jahren - setzen wir durch Verbrennung Gase frei, die über Jahrmillionen in der Erde abgespeichert wurden, also in Form von Kohle, Erdöl und Erdgas. Der sehr kurze Zeitraum der Freigabe ist aber kein langsames Dampfablassen, sondern eher eine Explosion.

Mittelalter Mann mit Brille und kurzen dunklen Haaren lächelt, trägt ein hellblaues, offenes Hemd und ein graues Sakko und steht in einem Park. 7 min
Bildrechte: Katharina Werneburg / Uni Leipzig
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MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 05.11.2021 09:40Uhr 07:20 min

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Wie werden die Auswirkungen von Vulkanen erforscht?

Vulkanausbrüche sind nicht nur faszinierende, wenn auch nicht ganz ungefährliche Naturschauspiele, sondern auch Forschungsgegenstand für Wissenschaftler. Prof. Quaas spricht von einer idealen Testumgebung. Innerhalb eines großen Projekts werden sich in der kommenden Woche Wissenschaftler unter anderem vom Max-Planck-Institut und den Universitäten in Leipzig und Greifswald die Satellitendaten anschauen.

Was passiert nach Vulkanausbrüchen mit den Wolken? Daraus kann man viel lernen über den Klimawandel, wie die menschengemachten Wolken das Klima beeinflussen.

Prof. Johannes Quaas, Uni Leipzig, Institut für Meteorologie

Auch sollten wir die großen Vulkane nicht ganz aus den Augen verlieren, wie die im Yellowstone Nationalpark in den USA. Da könnte einiges auf uns zukommen, wenn es richtig knallt und uns für Monate oder Jahre das Wetter durcheinanderbringen, mit Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Dagegen war Corona nur ein Kindergeburtstag. Es ist ja nicht so, dass wir diese Erfahrung nicht schon gemacht hätten. Nach dem Ausbruch des Laki auf Island 1783 gab es in Europa warme Sommertemperaturen in Rekordhöhe, auf die ein sehr kalter Winter folgte.

Zwei große Eruptionen, eine nicht identifizierte 1809 und der Ausbruch des Tambora 1815 verursachten 1816 das "Jahr ohne Sommer". Die Missernten in Europa und den USA in diesem Jahr führten zu Nahrungsmittelknappheit, Hungersnöten und Aufständen.

Einschätzung des Deutschen Klimakonsortiums (DKK)

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 05. November 2021 | 15:40 Uhr

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