Der Redakteur | 28.11.2022 Wann lohnt sich der Wechsel der Kfz-Versicherung (in einen Telematik-Tarif)?

Bis zum 30. November können Verbraucher ihre Kfz-Versicherung wechseln. Der Redakteur hat kurz vorm Stichtag geschaut, für wen sich sogenannte Telematik-Tarife lohnen und welche Fallstricke es beim (eigentlich guten) Rabatt-Retter gibt.

Autoversicherung
Bis zum 30. November können Autofahrer noch ihre Versicherung wechseln. Bildrechte: colourbox

Der 30. November ist ein typisches Datum, mit dem die Versicherer um neue Kunden werben. Hintergrund ist: Bei Verträgen, die mit dem Kalenderjahr synchron laufen, ist wegen der einmonatigen Kündigungsfrist der 30. November der letzte Kündigungstag.

Spielzeugauto auf Geldscheinen und Versicherungsvertrag 12 min
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Im November ist immer der Monat, wo es sich lohnen kann die Autoversicherung zu wechseln. Michael Bruns vom Magazin "Finanztest" gibt Tipps zum Wechsel und zeigt, wie viel Ersparnis drin sein kann.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 01.11.2022 11:05Uhr 11:45 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-autoversicherung-wechsel-tipps-100.html

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Grundsätzlich gibt es erhebliche Unterschiede bei den Preisen zwischen den einzelnen Gesellschaften. Mehrere hundert Euro sparen pro Jahr ist durchaus möglich. Gerade bei Fahranfängern liegen laut Verbraucherzentrale zwischen dem teuersten und dem billigsten Tarif für eine Haftpflichtversicherung mit Teilkasko schnell einmal 1.000 Euro.

Wann lohnt sich der Wechsel?

Die Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass aber für einen Preisvergleich die Vergleichsplattformen nur einen groben Überblick geben können. Denn dort sind erstens nicht alle Anbieter und Tarife vertreten und zweitens erhalten die Portale für Abschlüsse auch Provisionen. Von denen bekommt zwar der Kunde nichts mit, man sollte aber wissen, welche Interessen dahinter stehen. Deshalb gibt es bei der Direktsuche auf den Seiten der Versicherungen durchaus positive Überraschungen. Das gilt auch, wenn man sich direkt telefonisch oder vor Ort an ein Versicherungsbüro wendet.

Es kann sich lohnen, nicht nur ein Portal zu nutzen, sondern sich auch direkt beim Versicherer nach einem guten Angebot zu erkundigen.

Verbraucherzentrale zu Kfz-Versicherungen

Auch sollte man aufpassen, dass nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Die verschiedenen Tarifbezeichnungen wie "Basis", Komfort" oder "Premium" o.ä. beinhalten natürlich auch unterschiedliche Leistungen.

Ein Tarif, der einen sogenannten Rabattretter enthält, ist deshalb nicht vergleichbar mit einem Grundtarif, der quasi nur das Nötigste abdeckt. Wichtig ist auch, möglichst immer das Fahrzeug über dessen HSN und TSN zu suchen. Die Nummern stehen in der Zulassung und lassen sich online direkt eingeben. Damit ist sichergestellt, dass auch wirklich exakt das richtige Modell verglichen wird. Auch der Ort der Zulassung löst erhebliche Preisunterschiede aus. Ein Betrieb beispielsweise kann sich aussuchen, an welcher Betriebsstätte er ein Auto zulässt. Das Sparpotential bei der Prämie ist hier schnell dreistellig.

Auf der Autobahn 4 bei Wilsdruff hat es am Mittwochmorgen einen schweren Unfall gegeben.
Schwerer Unfall: Besser, wenn man dann nicht noch in der Schadensfreiheitsklasse nach oben rutscht und einen Rabatt-Retter hat. Bildrechte: Audiovision

Die Falle mit dem Rabattretter

Der Rabattretter ist eigentlich eine segensreiche Erfindung, denn er verhindert, dass man nach den ganzen Ärgernissen eines Unfalls nicht auch noch in der Schadensfreiheitsklasse hochrutscht und über Jahre teurere Prämien bezahlen muss. Dieser "Komfort" kostet ein paar Euro und ist gewöhnlich in den Basistarifen nicht enthalten, sondern erst in den teuren Tarifen oder muss extra dazu gebucht werden. Das geht alles so lange gut, so lange man bei der Versicherung bleibt. Diese hat aber sozusagen "mit Bleistift" die eigentliche Schadenfreiheitsklasse notiert und wenn es zum Wechsel kommt, wird diese an die neue Versicherung gemeldet und nicht die Schadenfreiheitsklasse, die einem der Rabattretter beschert hat. Im Ergebnis gibt’s dann eine böse Überraschung und aus der erhofften Ersparnis wird eine teure Schmiere. Der Rat der Verbraucherzentrale: Lassen Sie sich von der bisherigen Versicherung schriftlich bestätigen, welche Schadensfreiheitsklasse dem neuen Anbieter gemeldet wird.

Was ist und was bringt ein Telematik-Tarif?

In einem Land, das den Datenschutz quasi als unsichtbares Logo auf der Flagge trägt, ist die Vorstellung für viele abwegig, dass die Versicherung quasi 1:1 über den eigenen Fahrstil informiert wird. Die Freigabe der Datennutzung ist aber die Voraussetzung dafür, einen solchen Tarif zu buchen. Technisch funktioniert das so: Über GPS wird das Fahrzeug geortet, eine App oder ein extra im Fahrzeug verbautes Gerät zeichnet die Fahrdaten auf.

Diese Daten werden für den Telematik-Tarif erfasst und ausgwertet:

Also: Gefahrene Geschwindigkeiten, Beschleunigungs- und Bremsverhalten, das Fahrverhalten in Kurven und auch die Fahrzeiten spielen eine Rolle. Also wer immer in der Hauptverkehrszeit im dichten Verkehr unterwegs ist, der hat natürlich ein erhöhtes Unfallrisiko und das kostet.

Die Daten werden über das Mobilfunknetz an die Versicherung gesendet und gewichtet und am Ende in eine Prämie gegossen. Wer hier als besonders brav gilt, der fährt günstiger. Besonders Fahranfänger könnten hier profitieren. Denn in den ersten Jahren sind die Prämien der regulären Kfz-Versicherung sehr teuer. Wer hier mit einem Telematik-Tarif nachweist, vorbildlich unterwegs zu sein, kann viel Geld sparen.

Fahrlehrerin und Schüler im Auto bei einer Fahrstunde.
Fahrschüler können mit vorbildlicher Fahrweise noch am Meisten im Telematik-Tarif sparen. Bildrechte: MDR/Maximilian Fürstenberg

Anders könnte es aussehen, wenn Sie schon eine hohe Schadenfreiheitsklasse "erfahren" haben. Dann ist der Tarif in der Regel bereits sehr günstig und wenn die Versicherung durch die Telematik-Daten feststellt, dass Sie zum Beispiel an jeder Ampel der schnellste Starter sind oder täglich in der Hauptverkehrszeit durch die Großstadt fahren, dann kann das auf den Tarif durchschlagen.

Die Verbraucherzentrale hat im Juli 2022 bei einem großen Versicherer festgestellt, wie dieser die Fahrdaten gewichtet. Während Bremsverhalten und Kurvenverhalten zu je 20 Prozent eingehen in die Berechnung des Telematik-Tarifes, ist es die Beschleunigung mit 30 Prozent dabei. Die Geschwindigkeit hingegen hat nur 10 Prozent Einfluss und Tag, Zeit und Straßenart zusammen 20 Prozent. 

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 24. November 2022 | 16:41 Uhr

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