Der Redakteur | 06.11.2020 Wie geht es den Taxiunternehmen?

Das Coronavirus hat nahezu alle Bereiche der Wirtschaft hart erwischt, auch Taxiunternehmen. Thomas Becker hat recherchiert, wie es um das Taxi-Gewerbe steht und warum Corona nur ein Problem der Branche ist.

Ein Taxi zwischen anderen Autos.
Die Taxi-Branche hat derzeit mit vielen Problemen zu kämpfen. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

"Taxi!", das ist ein klassischer Filmtext, hinzu kommt eine typische Handbewegung. Soweit die bunte Kinowelt, der graue Alltag eines Taxifahrers sieht etwas anders aus. Er wartet viel und wenn er fährt, dann wird er nicht gerufen, sondern fährt zu einem vereinbarten Termin.

Corona und die Auswirkungen: Stadt - Land - Gefälle bei Taxiunternehmen

Krankenfahrten und der Schülerverkehr halten vielerorts die Branche am Leben, gerade auf dem Land. Deshalb sind die Unternehmen dort aktuell weniger von der Krise getroffen, als die Kollegen in den Städten. Hier geht der Umsatz auch mal Richtung null.

Das reine Taxi ohne eine Krankenbeförderung zu fahren, ist eigentlich nicht mehr möglich. Es gibt einige Unternehmen, die nur vom Taxi leben, das sind meistens die Unternehmer selbst, die nicht großartig auf die Bereitschaftszeiten gucken müssen. Sie fahren, wenn der Anruf kommt und haben dann einen Umsatz. Dies mit Beschäftigten zu machen, ist nicht mehr bezahlbar, wir müssen für jede Bereitschaftsstunde, die der Arbeitnehmer zur Verfügung steht, mindestens den Mindestlohn zahlen.

Martin Kammer Hauptgeschäftsführer beim Landesverband des Verkehrsgewerbes Thüringen

Das ist auch der Grund, warum bei vielen Betrieben der Chef selbst fährt. Und zwar als einziger. Wenn er denn fährt. Was alles weggebrochen ist, das ist gut nachvollziehbar.

Martin Kammer, Geschäftsführer Landesverband Thüringen des Verkehrsgewerbes (LTV), steht vor einer Taxizentrale 11 min
Bildrechte: dpa

Kaum noch Kunden für Taxi-Fahrer

Geschäftsleute sind kaum unterwegs, Messen gibt es nicht, zum Flughafen will auch keiner, nicht einmal in den Urlaub. Die Theater sind zu, die Restaurants auch, entsprechend gibt es auch niemanden, der spät abends nach Hause gefahren werden möchte. Und es ist auch nicht so, dass die Corona-Krise die einzige Bedrohung für viele Betriebe ist.

Zwar haben die neuen Geschäftsideen aus Übersee (Stichwort Uber) die Thüringer Provinz noch nicht wirklich entdeckt, aber in den Großstädten ist das Problem spürbar.

Fahren ist immer analog und wird immer analog bleiben und alles, was da drüber geschaltet ist, will nur Gewinne erzielen. Uber und Co. lässt sich nicht mit einer Gewinnmarge, wie es jetzt beim Taxigewerbe von zwei Prozent abspeisen oder auch drei, die wollen dann 10-20 Prozent Gewinn machen oder vielleicht sogar noch mehr. Und die Fahrpreise müssen dann möglicherweise teurer werden. Und dass können Sie erst dann machen, wenn der eine Markt kaputt ist. (…) Man merkt schon, dass Uber und Co. eine sehr gute Lobbyarbeit leisten.

Martin Kammer Hauptgeschäftsführer beim Landesverband des Verkehrsgewerbes Thüringen

Taxiunternehmen sehen mögliche Gesetzesänderung zugunsten von Uber kritisch

Auch deshalb sieht die Branche auch möglichen Gesetzesänderungen nicht so positiv entgegen. Aktuell scheinen die Regeln nur für die Taxifahrer zu gelten. Wenn sich bei einem Fußballspiel nur eine Mannschaft an die Regeln halten muss und die andere keine Außenlinie kennt und den Ball in die Hand nehmen darf, dann kann von einem fairen Wettbewerb nicht mehr die Rede sein. Der stellvertretende Geschäftsführer spricht sogar von "Unlauterem Wettbewerb", mit dem die Taxiunternehmen in den Ballungsräumen zu kämpfen haben. 

Die Problematik ist, dass Uber sich überhaupt nicht an geltende Gesetzeslagen hält, trotz diverser Gerichtsurteile auch höchstinstanzlich und mit allen Tricks versucht, sozusagen seine Marktdominanz hier durchzusetzen. Das hat dazu geführt, dass sich in Berlin zu ungefähr 8000 Taxis 4000 Uber-Fahrzeuge gesellt haben. Und sich an gesetzliche Auflagen, wie zum Beispiel die Rückkehrpflicht zum Betriebsort, definitiv nicht halten, sondern taxiähnlichen Verkehr betreiben.

Frederik Wilhelmsmeyer Stellvertretender Geschäftsführer Bundesverband Taxi

Hohe Auflagen machen es Unternehmen schwer Schritt zu halten

Das Taxigewerbe hat hohe Auflagen zu erfüllen, wie Ortskundeprüfungen und andere Kontrollpflichten, so ganz nebenbei muss auch Mindestlohn gezahlt werden. Und eine Konzession ist auch erforderlich.

Die Branche beklagt außerdem ein hohes Kontrolldefizit und die geplanten Gesetzesänderungen lassen auch nichts Gutes ahnen. Da kam Corona zur Unzeit und leider gehen die Hilfen derzeit an der Branche vorbei.

Hilfen kommen nicht bei allen Unternehmern an

Von den Soforthilfen haben viele Unternehmen in Thüringen profitiert, aber 5.000 oder 9.000 Euro reichen nicht lange. Bei den Nachfolgeprogrammen können z.B. Fahrzeugfinanzierung und Personalkosten nicht angerechnet werden, so Wilhelmsmeyer. Und auch der Unternehmerlohn für Kleinstunternehmer – und das betrifft 70 Prozent der Taxiunternehmen – ist noch nicht fix.

Angst vor Hartz IV fährt mit

Wenn der nicht kommt, müssen viele Unternehmer aus dem Taxi direkt auf Hartz IV umsteigen. Die leichte Erholung über den Sommer ist übrigens mit dem aktuellen Lockdown schon wieder vorbei. Hinzu kommt: Die Taxifahrer dürfen fahren, fragen sich aber: wen? Deshalb sieht es bezüglich der 75-Prozent-Hilfe aus Berlin nicht sonderlich gut aus.

Das Taxigewerbe muss bei den November-Hilfen einbezogen werden! Das sieht leider nicht so aus. Es sind nur Betriebe betroffen, bzw. denen wird geholfen, die direkt eine gesetzliche Schließungsauflage bekommen haben und deren direkte Lieferanten. Das trifft aufs Taxigewerbe nicht zu. Nur: Wenn niemand mehr essen geht, bleiben uns auch noch die letzten Kunden weg.  Dementsprechend haben wir an die Bundesregierung appelliert, dass wir einbezogen werden müssen. Wir haben eine ebenso katastrophale Lage, sind praktisch genauso betroffen. Aber da gibt es leider negative Signale.

Frederik Wilhelmsmeyer Stellvertretender Geschäftsführer Bundesverband Taxi

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 06. November 2020 | 16:42 Uhr

1 Kommentar

Tamico161 vor 27 Wochen

„...dann kann von einem fairen Wettbewerb nicht mehr die Rede sein. Der stellvertretende Geschäftsführer spricht sogar von "Unlauterem Wettbewerb", mit dem die Taxiunternehmen in den Ballungsräumen zu kämpfen haben.“
Von welchem Wettbewerb bitte?
Mir ist nicht bekannt das für Taxiunternehmen ein Wettbewerb geschweige denn für diese Unternehmen die gern beschriebene Marktwirtschaft gilt. Festgelegte Preise jenseits von gut und böse, nach wie Fahren am Kassenbuch vorbei und 2 Patienten, zum Beispiel von und zur Dialyse, aber 2 Fahrten abrechnen und und und.... mir kommen die Tränen.