Vegane- und vegetarische Wurstersatzprodukte
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Der Redakteur | 01.11.2019 Wie gesund ist Fleisch-Ersatz?

Am 1. November ist Weltvegantag. Doch woraus besteht Fleischersatz überhaupt und wie wird er hergestellt? Gibt es gesundheitliche Bedenken, wenn man diese Ersatzprodukte über längere Zeit isst? Das möchte MDR THÜRINGEN-Hörerin Johanna Moldenhauer aus Ballstädt wissen. Thomas Becker - unser Redakteur für Hörerfragen - hat recherchiert.

von Thomas Becker

Vegane- und vegetarische Wurstersatzprodukte
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Ernährung ist in den vergangenen Jahren zur Glaubensfrage geworden. Du bist nicht nur, was du isst, du gibst damit auch ein Statement ab. Gesund, billig, regional, vegetarisch oder vegan, nachhaltig, Bio, roh, gekocht - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Und auch wenn wir mit unserem Verbraucherverhalten in der Summe eine gewaltige Kraft entwickeln, im Kleinen muss jeder selbst wissen, was für ihn gut ist. Aber dieses "Wissen" ist eben ganz besonders wichtig, wenn es radikal in eine Richtung geht.

Wer nur Fleisch isst, wird sich damit genauso Schaden zufügen wie jemand, der einfach ohne Ausgleich auf vegan umschaltet. Aber auch derjenige, der glaubt, sich umfassend informiert zu haben, weiß lange noch nicht genug, weil es teilweise noch niemand untersucht hat. Denn zum Essen gehören nicht nur Eiweiße, Fette und Kohlehydrate, sondern auch Vitamine, Mineralien, Spurenelemente usw. und bei vielen Stoffen ist noch unklar, wie die Wechselwirkungen sind. Zum Beispiel mit den Zusatzstoffen oder wie gut der Körper jedes künstlich oder aus alternativen Quellen zugeführte Element auch wirklich ausreichend aufnimmt und verarbeitet. Das gilt besonders dann, wenn die Ersatzwurst zur "Dauerwurst" wird.

Mir ist keine Studie bekannt, die sich zum Ziel gesetzt hat, zu prüfen, was ein regelmäßiger Konsum dieser Fleischalternativen für Konsequenzen haben kann oder vielleicht auch für Vorteile.

Dr. Christine Dawczynski, Ernährungswissenschaftlerin Uni Jena

Stiftung Warentest: Ersatz-Wurst von "Sehr gut" bis "Mangelhaft" im Test

Imbisshelden 15 min
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Natürlich sind auch diese Lebensmittel - von Ausnahmen abgesehen - sichere Lebensmittel. Dafür sorgen vorgeschriebene Eigenkontrollen und unabhängige Kontrollen unserer Behörden. Und diese decken ja auch regelmäßig auf, wenn schlampig gearbeitet wurde. Das passiert in allen Bereichen, selbst bei Bioprodukten und auch die Stiftung Warentest hat bei ihrem Ersatz-Wurst-Test im März 2019 von "Sehr gut" bis "Mangelhaft" alles dabei gehabt.

Das Urteil "mangelhaft" gab es unter anderem für eine Veggie-Mortadella wegen schlechter mikrobiologischer Qualität. Aber das bekommen konventionelle Erzeuger auch regelmäßig hin. Was man als Verbraucher nur wissen muss: Je mehr ein Produkt verarbeitet wird, umso weniger ist vom ursprünglichen Charakter der Ausgangsstoffe übrig.

Zum Beispiel geschälte Kartoffeln: Da wird Lauge zugesetzt, da wird Schaumverhüter zugesetzt, damit man die Kartoffel noch einigermaßen gelb und ansehnlich im Glas hat.

Doris Blechschmidt, Vorsitzende Verband der Lebensmittel-Kontrolleure Thüringen

Das Auge isst eben auch mit, also wird fleißig nachgeholfen. Je mehr ein Produkt verarbeitet wurde, umso weniger sollte man davon in seinen Ernährungsplan einbauen. Egal ob herkömmlich oder vegan. Es ist nämlich fast schon ein Selbstbetrug, wenn man penibel darauf achtet, ob die Ersatzwurst mit Biosoja oder unter Verwendung von glücklichem Raps aus einheimischen Anbau hergestellt wurde, wenn man den Produktionsprozess dabei ausblendet.

Vieles geht ja nur mit Auflösen, Entfärben, Filtrieren, Zentrifugieren. Man muss sich dessen bewusst sein, dass da von der ursprünglichen Zusammensetzung wenig erhalten bleibt.

Doris Blechschmidt, Vorsitzende Verband der Lebensmittel-Kontrolleure Thüringen

Besondere Vorsicht bei der Ernährung in der Schwangerschaft

Somit bleibt auch wenig von den guten Inhaltsstoffen, die Fleisch oder Pflanze einmal gehabt haben. Besonders kritisch wird das Ganze in der Schwangerschaft. Wie der Name schon sagt, fehlen bei "einseitiger Ernährung" irgendwelche Seiten. Und viele Diäten oder alternative Ernährungsformen sind ohne Ausgleich nun mal einseitig. Auch wenn das Baby im Mutterleib vegan "hergestellt" wird, werden ganz simpel gesagt die nötigen Baustoffe zum entsprechenden Zeitpunkt abgefragt. Wenn dann nicht geliefert wird, wird es eng.

Zum Beispiel wird reichlich Calcium gebraucht - unter anderem für Knochen und Zähne, sodass bei ersatzloser Streichung von Milchprodukten dringend ein alternativer Lieferant gefunden werden muss. Schwangeren mit veganer Ernährung wird deshalb ein sorgfältiger Ernährungsplan empfohlen und eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Arzt. Denn ein Versuch am lebenden Objekt erscheint gerade in dieser Lebensphase überaus dämlich und verantwortungslos.

Der Körper denkt nicht automatisch vegan

Vegetarische Lebensmittel in einem deutschen Discounter 8 min
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Auch wenn der Kopf vegan denkt, der Körper tut es nicht, der vom Ungeborenen erst recht nicht. Und vieles von dem, was irgendwann einmal gefehlt hat, wirkt sich langfristig aus. Viele Ursachen für unspezifische Beschwerden wie Entwicklungsstörungen im Kindesalter oder später bei Erwachsenen Müdigkeit bzw. Infektanfälligkeit können nur schwer bis gar nicht festgestellt werden. Dass wir vermehrt Allergien entwickeln, dürfte auch mit unserer Ernährung zu tun haben.

Und wenn wir gewisse Dinge wie Fleisch oder Milchprodukte ersetzen, müssen wir sehr darauf achten, welche Ersatzstoffe wir wählen. Bei unseren veganen Würsten sind es häufig Soja, Weizen oder Erbsen, die für die wurstartige Konsistenz sorgen. Auch hier empfehlen die Experten, sich nicht auf einen "Grundstoff" festzulegen. Für ungewollte Vielfalt sorgen oft Geschmacksverstärker und reichlich Aromen, die oft im Labor entstanden sind. Das hat die Stiftung Warentest bei ihrem Test im März herausgefunden. Und auch bei den Fetten verweisen die Tester auf diverse Fettnäpfchen, die die Industrie bereitstellt. Und diese heißen zum Beispiel Kokos- und Palmfett.

Die Fettqualität ist bei einigen Produkten gut, vor allem wenn Rapsöl als Fettbestandteil eingesetzt worden ist. Das Rapsöl enthält viele Omaga-3-Fettsäuren. Die brauchen wir für unser Kreislaufsystem und für unsere Hirnfunktion.

Ina Bockholt, Redakteurin Stiftung Warentest

Nun ist es nicht verwunderlich, dass Kokos- und Palmfett bis zur Vollendung des Klimawandels bei uns nur schwer angebaut werden können. Man sollte also nicht nur aus gesundheitlichen Gründen keine Produkte mit diesen Fetten kaufen. Einheimische Produkte sind ohnehin im Trend, allerdings wird es uns Verbrauchern schwer gemacht, bei so hochverarbeiteten Produkten wie vegetarischen "Wurst"-Erzeugnissen wirklich konsequent zu bleiben. Alleine schon der Klassiker Soja hat oft eine weite Reise hinter sich. Das bedeutet: Der Bio-Veggi-Burger aus regionalem Anbau, gesund, naturbelassen und frei von Zusatzstoffen und künstlichen Aromen, der muss erst noch erfunden werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 01. November 2019 | 16:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2019, 18:19 Uhr

1 Kommentar

Jedimeister Joda vor 1 Wochen

Nein ich bin nicht Joda aus Star Wars. Wieder ein Thema zum Abgewöhnen. Keine Kommentare- kein Interesse bei den Deutschen im Grünen Herz. Entweder liegt es am Thema oder an den Thüringern. Die Leute dürfen wählen gehen. Ein Drittel geht nicht. Warum wohl? Es war glaube ich ... der sagte,wenn Wahlen etwas ändern würden wären sie längst verboten. Gut. Die Veganer sollen doch machen was sie wollen. Bitte die Fleischfreunde in Ruhe lassen. Das was uns die Industrie anbietet ist mit Stoffen versetzt und hergestellt die niemals in der Natur für den Verzehr geplant waren. Bei den Veggies ist es bestimmt noch schlimmer. Aber lassen wir sie diesen Weg beschreiten. Erfahrung macht schlau. Und wenn es ein Irrweg ist bleibt das Schicksal der Dinos für sie. Ich glaube ich verstehe die Welt nicht mehr. Und sie mich auch nicht.