MDR THÜRINGEN | 29.11.2021 Nach dem Schaden klug sein: Was nach Unfallschäden wichtig ist

Gekracht hat es schnell. Oft sind es zum Glück nur Blechschäden – aber auch die können teuer werden. Doch wie verhält man sich nach einem Unfall korrekt, um am Ende nicht noch das finanzielle Nachsehen zu haben? Was ist bei Werkstattbindung zu beachten, oder wenn der Unfallgegner Bargeld anbietet? Kfz-Gutachter Jens Streubel gibt Tipps in der Servicestunde von MDR THÜRINGEN.

Eine Frau macht mit dem Smartphone ein Bild von einem Verkehrsunfall mit leichtem Blechschaden, daneben eine junge Frau
Kleinen Autounfällen, wie sie oft im Stadtverkehr vorkommen, können richtig teuer werden. Was ist wann zu tun? Bildrechte: IMAGO

Einmal scharf an der Ampel gebremst oder beim rückwärts Ausparken nicht richtig geschaut und schon hat es gekracht. Solche alltäglichen Autounfälle sind - so sich denn niemand verletzt hat - vor allem eines: ärgerlich. Umso größer ist der Ärger, wenn es im Nachhinein teuer wird. Damit Ihnen das nicht passiert, gibt es ein paar einfache Dinge zu beachten.

Sicherheit immer zuerst

Wenns gekracht hat, ist der erste Schritt immer für Sicherheit zu sorgen. Sichern Sie die Unfallstelle ab und rufen Sie den Rettungsdienst, wenn es Verletzte gibt. Erst wenn für das körperliche Wohl aller Beteiligten gesorgt ist, gilt es sich um den Schaden zu kümmern.

Die Polizei sollten Sie immer dann verständigen, wenn die Schuldfrage des Unfalls unklar ist, wenn Beteiligte verletzt wurden, wenn ein Straftatverdacht wie Alkohol- und Drogenkonsum im Raum steht oder ein erheblicher Sachschaden entstanden ist. Wichtig: Wenn ein Unfallbeteiligter die Polizei hinzuziehen möchte, müssen alle anderen Unfallbeteiligten deren Eintreffen abwarten, auch wenn sie das unnötig finden. Gerufen werden soll die Polizei mit dem Notruf 110. In Thüringen nimmt die Polizei gemäß der aktuellen Unfallaufnahmerichtlinie alle Unfälle auf, von denen sie erfährt.

Auf dem Standstreifen der A24 weist ein Warndreieck Autofahrer auf ein Fahrzeug mit einer Panne hin.
Safety first: Erst wenn für das körperliche Wohl aller Beteiligten gesorgt ist, gilt es sich um den Schaden zu kümmern. Bildrechte: imago images / Frank Sorge

Fotos an der Unfallstelle

Als nächstes gilt es den Unfall zu dokumentieren. Machen Sie mit ihrem Smartphone oder einer Kamera Bilder von der Unfallstelle - am besten noch bevor die Fahrzeuge bewegt werden. Anschließend fotografieren Sie die Schäden an beiden Fahrzeugen, um belegen zu können, welcher Schaden von den Versicherungen überhaupt reguliert werden muss. Zu guter Letzt sollten Sie auch die Verkehrssituation festhalten. Fotografieren Sie dafür die Fahrtwege der Unfallbeteiligten. Von wo kamen Sie, von wo der Unfallgegner? Wenn der Unfallort eine besondere Verkehrsregelung (z.B. auf Parkplätzen) aufweist, sollten Sie auch das dokumentieren.

Daten austauschen und Zeugen aufnehmen

Für die Schadensregulierung ist es außerdem nötig, dass Sie sich mit dem Unfallgegner zu den persönlichen Daten austauschen. Name, Adresse, Telefonnummer und Kennzeichen sind hierbei wichtig, aber auch Angaben zum Versicherer und der Versicherungsnummer. Sollte es Zeugen am Unfallort geben, nehmen Sie auch deren Namen und Telefonnummer auf, denn ihre Aussage könnte bei der Klärung der Schuldfrage wichtig sein.

Schuldfrage klären die Versicherer oder das Gericht

Ein Pkw fährt auf einen SUV auf.
Am Unfallort selbst bringt es nichts die Schuldfrage zu diskutieren - höchstens Streit Bildrechte: imago/Ralph Peters

Am Unfallort selbst bringt es nichts, die Schuldfrage zu diskutieren - höchstens Streit. Deswegen kühlen Kopf bewahren, freundlich bleiben und den Rest den Versicherungen überlassen. Diese sollten Sie möglichst bald über den Unfall informieren und alle entsprechenden Angaben machen. In der Regeln sind es die Hafpflichtversicherer, die die Schuldfrage klären. Nicht selten gibt es dabei einen klaren Verursacher, dessen Haftpflicht den Schaden beim Gegenüber reguliert. Aber es kommt auch vor, dass sich die Versicherer nicht einig werden und die Schuldfrage vor Gericht geklärt werden muss. Sollen Sie beklagt werden, machen Sie sich nicht verrückt: Ihre Kfz-Haftpflicht kommt im Zweifelsfall für alle von Ihnen verursachten Kosten und Schäden auf.

Wann beauftrage ich einen Schadensgutachter?

Ein Schadensgutachter sollten Sie einschalten, wenn Sie sich sicher sind, dass Sie den Unfall nicht verursacht haben. Denn Gutachter sind genauso wie Anwälte: teuer! Sollten Sie keine Schuld am Unfall tragen, kommt die gegnerische Haftpflicht für diese Kosten auf. Bei einer Teilschuld gilt es gut abzuwägen, ob sich der Aufwand wirklich lohnt. Viele Gutachter erlassen aber dem Auftraggeber im Falle einer gerichtlich festgestellten Teilschuld den Eigenanteil.

Schadensgutachter haben den Vorteil, dass Sie auch Schäden aufnehmen, die die Versicherer oft nicht von sich aus regulieren. Das sind zum Beispiel der Schaden durch einen Nutzungsausfall, der Anspruch auf einen Mietwagen und die Wertminderung des Fahrzeugs.

Welchen Gutachter Sie beauftragen, bleibt Ihnen überlassen. Gegebenenfalls arbeitet ihre Werkstatt mit einem Gutachter zusammen, der Ihnen empfohlen wird. Keinesfalls sollten Sie einem Gutachter der gegnerischen Versicherung vertrauen, wenn es darum geht, wie hoch der Schaden an Ihrem Fahrzeug ist.

Ein Unfall-Sachverständiger nimmt den Unfallschaden auf.
Schadensgutachter haben den Vorteil, dass Sie auch Schäden aufnehmen, die die Versicherer oft nicht von sich aus regulieren. Bildrechte: imago/bonn-sequenz

Wann schalte ich den Anwalt ein?

Ein Anwalt wird nötig, wenn die Schuldfrage von der gegnerischen Versicherung beanstandet wird und diese zum Beispiel auf eine 50:50-Lösung aus ist, obwohl Sie für den Unfall nichts konnten. Das kommt oft schon vor, wenn es auch nur geringe Zweifel am Unfallhergang gibt. Darauf sollten Sie sich nicht so einfach einlassen, denn mit dem Einverständnis zu einer Teilschuld, werden Sie in der Regel bei ihrer eignen Kfz-Versicherung hochgestuft.

Suchen Sie sich also einen Anwalt für Verkehrsrecht und lassen die Schuldfrage gerichtlich klären. Dabei kann auch eine Verschiebung der Teilschuld-Prozente je nach Schadenssumme einen erheblichen Unterschied machen. Sollte das Gericht Ihnen gar keine Schuld am Unfall zusprechen, so trägt die gegnerische Haftpflichtversicherung sämtliche Ihnen entstandenen Ausgaben - auch die für den Anwalt.

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Quelle: MDR/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 29. November 2021 | 11:05 Uhr