Gummibärchen
Vorsicht bei den Nährwertangaben. Achten Sie auf die Nährwertangabe, die sich auf 100 Gramm oder Milliliter beziehen. Bildrechte: MDR/Maria Köhler

Service | 13.09.2017 Wie bei Inhaltsangaben geschummelt wird

Haben Sie schon mal ein Mini-Klöpschen gegessen und waren satt? War Ihr Bedarf an Chips nach 30 Gramm gedeckt? Vorsicht bei den Portions- und Inhaltsangaben von Lebensmitteln, rät die Zeitschrift Ökotest in der aktuellen September Ausgabe. Die Hersteller tricksen zum Beispiel bei den Portionsangaben. Worauf Sie beim Einkaufen achten sollten? In der Servicestunde haben wir mit Mitarbeitern von Öko-Test gesprochen.

Gummibärchen
Vorsicht bei den Nährwertangaben. Achten Sie auf die Nährwertangabe, die sich auf 100 Gramm oder Milliliter beziehen. Bildrechte: MDR/Maria Köhler

Seit Dezember 2016 sind Nährwertangaben auf Lebensmittelpackungen Pflicht. Das gilt auch für Nahrungsmittel, die über das Internet vertrieben werden. Die Hersteller müssen die so genannten "Big 7" angeben: Brennwert, Fett und gesättigte Fettsäuren, ebenso wie Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Vorgeschrieben ist, dass die Angabe pro 100 Gramm erfolgen muss. Davon ausgenommen sind nur wenige Lebensmittel wie beispielsweise alkoholische Getränke mit mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol. Dagegen brauchen einige Produkte nach wie vor keine Nährwerttabelle: Dazu gehören Obst und Gemüse und auch Lebensmittel, die direkt vom Hersteller an die Verbraucher verkauft werden.

Doch Hersteller von Lebensmitteln haben auf die Forderung reagiert und versuchen mit allerlei Tricks, Produkte gesund zu schummeln. Die Zeitschrift Ökotest hat in der September-Ausgabe 33 Produkte aus dem Supermarkt genau unter die Lupe genommen. Der größte Kritikpunkt ist die Angabe von unrealistischen Portionsgrößen. Durch die oft viel zu kleinen Portionsangaben wird dem Kunden vorgegaukelt, dass das Produkt gesund ist und nur wenige Kalorien hat.

Schräges Beispiel: "In den Milka Mini Muffins zum Backen stecken 16 Portionen. Dann bekommt jeder einen Minimuffin à 23 Gramm und Sie nie wieder Besuch zum Kaffe" Öko-Test

Flasche mit Nährwertangaben.
Vorbildliche Nährwertangabe. Als Portion wird eine ganze Flasche, also 250 Gramm zugrunde gelegt. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Vorsicht auch bei Produkten, die erst durch die Zugabe weiterer Zutaten hergestellt werden müssen. Die Beigaben, wie Butter oder Milch werden bei den Nährwertangaben häufig einfach weggelassen. Ein Beispiel dafür liefern Produzenten von Cornflakes. Vorn auf der Packung wird groß versprochen, dass eine Portion nur zehn Prozent des täglichen Zuckerbedarfs enthält. Bei genauerer Betrachtung stellt sich dann aber heraus: Die Rechnung bezieht sich auf eine 30-Gramm-Portion ohne Milch, bezogen auf den täglichen Zuckerbedarf einer erwachsenen Frau.

Je nachdem, ob der Vitamingehalt oder die Kalorien deklariert werden sollen, jonglieren viele Hersteller mit selbst festgelegten Portionsgrößen. Den Mitarbeitern von Öko-Test sind vor allem Produkte von Storck und Danone aufgefallen. Damit sich die Kalorienangaben gut anhören, rechnen sie mit kleinen Portionsgrößen (10,5 und 50 Gramm), wodurch die Tagesreferenzmenge an Kalorien recht gering ausfällt. Sollen Gummibärchen und Co. mit einem hohen Vitamingehalt punkten, legen die Hersteller ihrer Berechnung 100 Gramm zugrunde.

Öko-Test rät Achten Sie auf die Nährwertangabe, die sich auf 100 Gramm oder Milliliter beziehen. Sie müssen auf jeder Verpackung abgedruckt sein. Nur damit lassen sich Produkte miteinander vergleichen.

Essen Sie Süßigkeiten immer in Maßen und achten Sie auch bei Fertigprodukten auf versteckten Zucker in der Zutatenliste. Öko-Test

Verbraucherschützer fordern Lebensmittel Ampel

Verbraucherschützer fordern daher eine Lebensmittel-Ampel: Grün steht für gesund, rot für ungesund. Verbrauchen erkennen an dem Symbol schnell, ob sie das Produkt reichlich, in maßen oder eher selten essen sollten. In Großbritannien wird die Ampel-Kennzeichnung schon seit zehn Jahren umgesetzt. Das EU-Parlament und Bundesregierung lehnen die Kennzeichnung bislang ab und folgen damit dem Druck der Lebensmittellobby.

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 15:09 Uhr