Tretroller
E-Tretroller dürfen wahrscheinlich bald am Straßenverkehr teilnehmen. Bildrechte: imago/Westend61

Service | 26.03.2019 E-Scooter: Elektro-Tretroller sollen bald im Straßenverkehr rollen

Sie sind wendig und praktisch: Elektro-Tretroller, auch E-Scooter genannt. Bisher dürfen die Flitzer nur über Privatgelände rollen. Das soll sich bald ändern. Die Pläne für die Straßenzulassung im Überblick gibt's hier.

Tretroller
E-Tretroller dürfen wahrscheinlich bald am Straßenverkehr teilnehmen. Bildrechte: imago/Westend61

Ob Tretroller oder Skateboards mit Motor, Elektro-Scooter oder Hoverboards, es gibt inzwischen eine Reihe von kleinen Gefährten, die mit einem Elektromotor ausgestattet sind. Schon bald könnten die nötigen Regeln in Kraft treten, damit zumindest Elektro-Kleinstroller im Verkehr unterwegs sein dürfen. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will die E-Scooter zulassen - und sieht dafür großes Potenzial: Ergänzend zum öffentlichen Nahverkehr seien sie eine echte Alternative zum Auto, etwa um von der Bushaltestelle weiter nach Hause oder zur Arbeit zu kommen. Jetzt liegt der Entwurf für eine Verordnung mit konkreten Anforderungen dafür vor.

E-Scooter und Co.: Um welche Fahrzeuge geht's genau?

Weil sie einen elektrischen Antriebsmotor haben, gelten die kleinen Flitzer als Kraftfahrzeuge. Konkret geht es um "Elektrokleinstfahrzeuge", die zwischen sechs und 20 Kilometer pro Stunde (km/h) schnell fahren können und eine Lenk- oder Haltestange haben. Sie dürfen höchstens 70 Zentimeter breit sein, 1,40 Meter hoch und zwei Meter lang. Maximalgewicht ohne Fahrer: 55 Kilogramm. Viele der E-Scooter können zusammengeklappt werden.

Wer darf die Elektro-Flitzer fahren?

E-Roller, die nur weniger als zwölf km/h fahren können, sollen bereits für Jugendliche ab zwölf Jahren erlaubt sein - schnellere Gefährte dann ab dem vollendeten 14. Lebensjahr. Eine Mofa-Prüfbescheinigung oder eine Helmpflicht sind nicht vorgesehen. Vorgeschrieben werden sollen aber eine Haftpflichtversicherung samt Versicherungsaufkleber mit Anti-Fälschungs-Hologramm hinten am Fahrzeug. Es soll möglich sein, die oft zusammenklappbaren Geräte in Bussen und Bahnen mitzunehmen.

E-Scooter auf einem Gehsteig 9 min
Bildrechte: imago images / Viennareport

Wo dürfen die Elektro-Kleinstfahrzeuge fahren?

Einfach überall herumbrausen dürfen die neuen E-Fahrzeuge nicht. Geplant ist wieder eine Unterscheidung nach maximal möglichem Tempo: Bei weniger als zwölf km/h dürfen die Gefährte innerorts nur auf Gehwegen und gemeinsamen Geh- und Radwegen fahren. Sind die nicht vorhanden, ist auch die Fahrbahn erlaubt - allerdings nicht außerhalb geschlossener Orte. Sind E-Roller schneller als zwölf km/h, gehören sie auf Radwege und Radfahrstreifen. Fehlen solche Wege, darf es innerorts und außerorts auch die Straße sein.

Welche Sicherheitsanforderungen sind geplant?

Pflicht sind zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen und eine Beleuchtung, die auch abnehmbar sein darf. Ebenfalls vorgeschrieben werden seitliche Reflektoren und mindestens eine "helltönende Glocke" wie bei Fahrrädern. Steuer-Elemente für den Motor wie Drehgriffe oder Knöpfe müssen binnen einer Sekunde automatisch in Nullstellung zurückspringen, wenn sie losgelassen werden. Die Standflächen müssen rutschfest sein. Anhänger sind tabu.

Welche Regeln gelten noch?

Ausdrücklich festgeschrieben werden soll, dass E-Kleinstfahrzeuge "einzeln hintereinander" fahren müssen. Ein Anhängen an andere Fahrzeuge und Freihändigfahren sind nicht erlaubt. Auf mehrspurigen Fahrbahnen gilt das Gebot, möglichst weit rechts zu fahren. Auf Gehwegen haben Fußgänger klar Vorrang und dürfen "weder behindert noch gefährdet" werden. Dort und in Fußgängerzonen ist auch nur Schritt-Tempo zulässig. Auf Radwegen müssen schnellere Radler "ohne Behinderung" zum Überholen vorbeigelassen werden. An der Ampel gelten für E-Gefährte mit weniger als zwölf km/h die Fußgängerzeichen. Generell werden sie nicht geparkt, sondern wie Fahrräder abgestellt.

Warum sollen die Fahrzeuge überhaupt im Verkehr zugelassen werden?

Die Mobilität gerade in großen Städten, in denen die Luft oft schlecht ist, wandelt sich derzeit grundlegend. Es geht vor allem um Alternativen zum Auto. Auf dem Fahrdienst-Markt sind viele neue Anbieter unterwegs - auch als Sharing-Dienste, bei denen Nutzer sich ein Fahrzeug teilen. Scheuer will diesen Markt liberalisieren. Immer beliebter werden auch E-Fahrräder.

Welche Kritik gibt es an den Plänen?

Dass manche E-Roller auf Gehwegen fahren sollen, hat zu Kritik geführt. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) sorgt sich um die Fußgänger und verweist auf ein höheres Unfallrisiko. "Die geplanten Regelungen verschärfen das Problem mangelnder Fläche für Radfahrer und Fußgänger im Straßenraum weiter", teilte DVR-Präsident Walter Eichendorf mit. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, warnte vor weiteren Gefahrenquellen, die gerade Schutzbedürftige wie Kinder, ältere Menschen und Fußgänger in ihrem Bewegungsradius einschränkten.

Verordnung für E-Scooter und Co.: Wie geht's weiter?

Die Verordnung liegt zur Prüfung in Brüssel, wie es bei technischen Vorschriften üblich ist. Auch der Bundesrat muss zustimmen. Scheuer bereitet daneben auch Regelungen für E-Gefährte ohne Lenkstange vor - das sind Hoverboards oder Skateboards mit Elektromotor. Hier plant der Minister eine Ausnahmeverordnung. Ziel ist es, dass diese Geräte im ersten Halbjahr gefahren werden können.

Nutzung bislang nur auf Privatgelände

Verschiedene Hoverboards
Hoverboards sind derzeit voll im Trend. Bildrechte: IMAGO

Mit einer solchen Ausstattung kann ein Hoverboard oder ein E-Skateboard nicht dienen. Die Elektrofahrzeuge dürfen daher aktuell nur auf Privatgelände benutzt werden. Laut Bußgeldkatalog kann das Fahren mit einem nicht zugelassenen Kraftfahrzeug mit 70 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet werden. Außerdem müsste der Fahrer eine Fahrerlaubnis für die Geräte besitzen. Da aber nicht klar ist, wie die Elektrokleinstfahrzeuge in der StVO kategorisiert werden, ist auch nicht klar welcher Führerschein dafür notwendig wäre.

Die einzige Ausnahme stellen hier sogenannte Pedelecs (Pedal Electric Cycle) und E-Bikes dar. Damit zu fahren ist legal. Pedelecs gelten als Fahrräder, da die Tretunterstützung nur bis 25 km/h funktioniert und die Motoren nicht mehr als 250 Watt unterstützen. Für E-Bikes, die deutlich schneller und mit mehr Power unterwegs sind, muss der Fahrer mindestens 16 Jahre alt sein und einen Führerschein der Klasse AM besitzen.  

Was es noch zu beachten gibt

Ein junger man fährt auf einem Hoverboard.
Hoverboards dürfen bisher nur auf Privatgelände benutzt werden. Bildrechte: Colourbox.de

Wer sich so ein Fahrzeug mit Elektroantrieb zulegen möchte, der sollte unbedingt ein paar Dinge beachten.

Da den meisten Verkehrsteilnehmern die Erfahrung mit der Geschwindigkeit und der Manövrierfähigkeit eines Elektro-Kleinstrollers oder Hoverboards fehlt, ist als Fahrer besondere Vorsicht geboten. Außerdem ist Schutzkleidung dringend zu empfehlen. Neben den Anschaffungskosten, die je nach Gerät ab 250 Euro beginnen (Pedelecs und E-Bikes ab 1.500 Euro), sollten noch ein paar Euro in Helm, Knie- oder Ellenbogenschoner investiert werden.

Für das Fahren der Mini-Stromer in der Öffentlichkeit besteht derzeit kein Versicherungsschutz. Im Falle eines Unfalls muss der Nutzer allein für die Schäden aufkommen, die er verursacht. Es gibt also viele Dinge zu beachten, wenn man sich so ein Elektrokleinstfahrzeug zulegen möchte. Die drei wichtigsten Dinge sind dann: Üben, Üben, Üben. Und wenn es dann legal ist, die Gefährte in der Öffentlichkeit zu benutzen, dann sollte man gut darauf vorbereitet sein.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 26. März 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2019, 11:10 Uhr