Eine Landkarte mit Symbolen
Bildrechte: BING Maps

Herbartswind

Herbartswind und Bockstadt bilden den gemeinsamen Ortsteil Bockstadt-Herbartswind der Stadt Eisfeld. Der Ortsteil liegt im Landkreis Hildburghausen in Thüringen. Der Ort feiert in diesem Jahr 550 Jahre der Ersterwähnung.

Eine Landkarte mit Symbolen
Bildrechte: BING Maps

Der Ortsname gehört zu einer beträchtlichen Gruppe von Ortsnamen, in deren zweiten Teil die Bezeichnung Winden, Wenden = "Slaven" vorliegt. Wir kennen dieses Wort, dass früher die allgemeine Bezeichung der Slaven durch Deutsche gewesen ist, auch noch aus dem Hannoverschen Wendland und aus Wendisch = Niedersorbisch. Hierher gehören etwa auch die Ortsnamen Abtswenden bei Sömmerda; Branchewinda bei Arnstadt, Burgwenden bei Sömmerda; Haubinda bei Hildburghausen und viele andere mehr. Meist sind es nur kleine Orte, sie entstanden oft dadurch, dass deutsche Dienstherren Slaven ansiedelten, die für sie dann arbeiten mussten. Der ON Abtswenden etwa bedeutet: "bei den Slaven des Abts".

Im ersten Teil von Herbartswind steht ein alter Vorname, der aufgrund der wenigen Belege allerdings nicht ganz sicher bestimmt werden kann: entweder ist es ein Herbart (heute noch bekannt als Herbert) oder in Herwart. Etwas mehr Wahrscheinlichkeit besitzt die erste Variante, so dass der Name als "bei den Slaven, bei der Slavensiedlung des Herbart" verstanden werden kann.

Historische Belege laut J. Udolph:

  • 1466, 1488/89 Dahinten, Eisfeld I S. 29, 161
  • 1509 dem herwartswinder und rotenbacher Berge (Schöttgen-Kreysig, Diplomataria B. I S. 679)
  • 1513 zwischen dem herbartswinder vnd Rotenbacher berge (Schöttgen-Kreysig, Diplomataria B. I S. 686)

Der Name enthält als Grundwort dt. -burg und im Bestimmungswort althochdeutsch, mhd. alt, hier wohl etwa in dem Sinn "schon lange bestehend". Der Ortsname bedeutet demnach so viel wie "Siedlung an oder mit der alten Burg". Er ist im Zuge der deutschen Einwanderung in das von Slawen besiedelte Gebiet entstanden. Ein slawischer Burgwall aus dem 8. Jahrhundert ist nachgewiesen, eine Besiedlung durch Deutsche dürfte verstärkt seit dem Jahr 950 eingesetzt haben.

Literatur-Angaben: J. Udolph, Namenkundliche Studien zum Germanenproblem, Berlin - New York 1994, S. 258 (dort auch eine ausführliche Sammlung von -wenden, -winden-Ortsnamen aus ganz Deutschland, S. 274-286)