Der Ortsname Bellstedt auf einem gelben Ortseingangsschild.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kyffhäuserkreis Bellstedt

Bellstedt liegt in der Nähe von Ebeleben am Nordrand des Thüringer Beckens. Der Name lässt die Vermutung zu, dass er aus dem germanischen "Siedlung an einem Berg" stammt.

Der Ortsname Bellstedt auf einem gelben Ortseingangsschild.
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Historische Belege

  • ca. 750-779 (Kopie 1150/65) in Bilstat (Trad. Fuld. (ed. Meyer zu Ermgassen), II S. 131)
  • (977 bzw. besser: Ende 11. Jh.) Balderesteti gehört entgegen zahlreichen Angaben im Internert nicht hierher, sondern zu Ballstädt, Kr. Gotha)
  • 979 Bilistat (MGH DO II Nr. 201 S. 227)
  • 1206 Tidericus de Billestede (UB Hochst. Halberstadt I Nr. 433 S. 387)
  • 1219 Belstete (Dobenecker II Nr. 1861 S. 339)
  • 1268 Sifridus de Bilstet (UB Mühlhausen Nr. 183 S. 69)
  • 1270 Sifridus de Bilstede (UB Eichsfeld Nr. 516 S. 315)
  • 1286 Belstede (Dobenecker IV Nr. 2528 S. 359)
  • 1291 in Belstete (Ilfelder Regesten Nr. 123 S. 48)
  • 1292 Bilstete (BKD Apfelstädt S. 21)
  • 1300 in Belstete (Rein, Thuringia Sacra I Nr. 118 S. 106)
  • 1333 Belstethe (BKD Apfelstädt S. 21)
  • 1467 Belstedte (BKD Apfelstädt S. 21)
  • 1506 Bolstet (Reg. subs 150)
  • 1796 Bellstedt (Bube 35)
  • 1868 Bellstädt, Bällstädt, Böllstädt (Rudolph 245)

Zur Bedeutung des Ortsnamens:

Der Ortsname ist gut erkennbar mit dem Grundwort -sted-, auch -stet-, zusammengesetzt, was nicht als "Stadt" im heutigen Sinn zu verstehen ist, sondern als "Stätte, Siedlungsstelle". Schwieriger ist der erste Teil des Namens zu erklären. Es hilft aber eine ausführliche Diskussion, die sich um die Ortsnamen Bielefeld und Bielstein, Bilstein entfaltet hat. Schon E. Förstemann hatte in Bellstedt, das deutlich erkennbar eine Entwicklung von Bilsted zu Bel(l)stedt durchgemacht hat, einen Ansatz Bil- etwa im Sinn von "spitzer Stein, Berg" vermutet.

Bielefeld und andere Ortsnamen sind inzwischen hier angeschlossen worden, so von E. Meineke und M. Flöer. Letzterer schreibt unter Bezug auf Flurnamen im Kreis Olpe zusammenfassend: "Alles spricht für ein im Germ. als *b?l‑/bil‑ erhaltenes Element …Außer an einen spitz zulaufenden Geländeabschnitt oder -vorsprung, wie man ihn im Burgberg erblicken kann, wäre … auch an einen Geländeeinschnitt zu denken, wie ihn das Veischedetal mit seinen steilen Hängen darstellt".

Der Blick auf die Karte zeigt, dass mit dem Bil- in Bellstedt offensichtlich die südlich vom Ort liegende Erhöhung Hoher Berg verantwortlich sein dürfte.

Literatur M. Flöer, Die Ortsnamen des Kreises Olpe, Bielefeld 2014, S. 45ff.

E. Förstemann, Ortsnamen, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2: Orts- und sonstige geographische Namen, Teil 1, Nachdruck Hildesheim usw. 1983, Sp. 453.

B. Meineke, Die Ortsnamen der Stadt Bielefeld, Bielefeld 2013, S. 44.

H. Walther, Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts, Berlin 1971, S. 275.

A. Werneburg, Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens, Nachdruck Köln/Wien 1983, S. 48.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 09. Mai 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2019, 11:10 Uhr