Illustration des Ortsschildes von Burgwenden vor Feldern und Häusern
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Landkreis Sömmerda Burgwenden

07. März 2019, 11:10 Uhr

Burgwenden gehört zum Landkreis Sömmerda. Der Ort liegt am Rand der bewaldeten Höhenzüge von Finne, Schmücke und Hoher Schrecke. Der Ortsname geht vermutlich auf eine slawische Siedlung zurück.

Historische Belege

  • 1264 (Kopie 15. Jh.):  in villa Burchwinden … in Burchwindin …in Borchwinden …heriste de Borchwinden (Dobenecker III Nr. 3211 S. 504-505)
  • 1264 (Kopie): Die Wyndenburg, gelegen über Burgwenden (Dobenecker III Nr. 3211* S. 577; H. Naumann, Mischnamen S. 94)
  • 1329: Henricus von Wendeln (UB. Erfurter Stifter I Nr. 1394 S. 780; hierzu?)
  • 1349: Gunther Borgwenden (UB. Erfurter Stifter II Nr. 307 S. 150)

Zur Bedeutung des Ortsnamens:

Der Ortsname gehört zu einer beträchtlichen Gruppe von Ortsnamen, in deren zweiten Teil die Bezeichnung Winden, Wenden = "Slawen" vorliegt; ausführliche Bearbeitungen und Sammlungen haben W.-A. v. Reitzenstein, H. Naumann und J. Udolph vorgelegt.

Wir kennen dieses Wort, dass früher die allgemeine Bezeichung der Slawen durch Deutsche gewesen ist, auch noch aus dem Hannoverschen Wendland und aus Wendisch = Niedersorbisch. Hierher gehören etwa auch die Ortsnamen Abtswenden bei Sömmerda, Branchewinda bei Arnstadt, Haubinda bei Hildburghausen und viele andere mehr. Meist sind es nur kleine Orte, sie entstanden oft dadurch, dass deutsche Dienstherren Slawen ansiedelten, die für sie dann arbeiten mussten. Somit bedeutet der Ortsname Burgwenden so viel wie: "Siedlung der Slawen an der Burg", wobei einige historische Belege die niederdeutsche Form Borg für Burg enthalten.

Mit der Burg ist offenbar eine frühere Höhenburg auf der Schmücke nördlich von Burgwenden gemeint, deren Reste noch heute erkennbar sind und die 1294 als Wyndenburg erwähnt wurde. Die Deutung von A. Werneburg als "zur Burg gehöriges Gewende" ist abzulehnen.

Auf eine frühere Anwesenheit von Wenden/Slawen könnte auch Wendenhof, ein Ortsteil von Burgwenden, hinweisen. Eine ähnliche Bildung wie bei Burgwinden liegt bei Burgwindheim bei Bamberg, 1136 Windeheim usw. vor (ausführlich behandelt bei W.-A. Frhr. v. Reitzenstein, Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken,  Mittelfranken, Unterfranken, München 2009, S. 47).

Literatur "Die 'Mischnamen'" von H. Naumann, in: Materialien zum Slawischen Onomastischen Atlas, Berlin 1964, S. 94-98

"Ortsnamen mit Windisch/Winden in Bayern" von W.-A. Frhr. v. Reitzenstein, Blätter für oberdeutsche Namenforschung 28/29(1991/92), S. 3-76

"Sprache und Siedlung in Nordostbayern" von E. Schwarz, Nürnberg 1960, S. 336-356

"Namenkundliche Studien zum Germanenproblem" von J. Udolph, Berlin-New York 1994, S. 276-281

"Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens", von A. Werneburg, Nachdruck Köln/Wien 1983, S. 136

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 07. März 2019 | 11:10 Uhr