Ilm-Kreis Elxleben

Elxleben gibt es gleich zweimal in Thüringen. Der Ort bei Arnstadt im Ilm-Kreis gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Riechheimer Berg.

Die Zuordnung der alten Belege ist sehr umstritten. Bei F. Weisser heißt es dazu: Es muss einschränkend betont werden, dass die Auseinanderhaltung der beiden Elxleben des Thüringer Zentralbeckens (Elxleben nördlich von Erfurt und Elxleben nordöstlich von Arnstadt) bei der Zusammenstellung der Belegreihen außerordentlich schwierig ist. Es ist auch damit zu rechnen, dass Aussteller beziehungsweise Schreiber der Schriftstücke die beiden Orte teilweise verwechselt haben. Zieht man aber den sprachhistorischen Aspekt hinzu, können die folgenden diesem Elxleben bei Arnstadt zugeordnet werden.

Historische Belege:

  • 1120: Elchesleibe(Weisser; H. Walther; im Mainzer UB I Nr. 489 falsch als Elxleben bei Haldensleben identifiziert; dieser Ort heißt aber Erxleben)
  • 1155-1165: Alhesgisileb(en), in Alahgiselebe (Weisser; Trad. Fuld. (ed. Meyer zu Ermgassen), II S. 146, 147)
  • 1190: Bartho de Elkesleiben (HNaum. 359; Bathe, -leben S. 84)
  • 1192: (A. 15. Jh.) Volrado de Elkesleybin (UB Erfurter Stifter II Nr. 108 S. 58)
  • 1196: Vollrad v. Elchisleive (TRegg. II 1015; Bathe, -leben S. 84)
  • 1266: Theodericus dictus de Alcosleiben  (UB Paulinzelle Nr. 90)
  • 1275: de Elxleybin (Bathe, -leben S. 84)
  • 1299: Elkesleiben(Werneburg, S. 40)
  • 1300: Tho. iunior de Elkisleybin (TKlö I 106; Bathe, -leben S. 84)
  • 1306: Heinrich von Elkesleyben (EKlö I 888; Bathe, -leben S. 84)
  • 1309: Ludewicus de Elkysleybin … villa Elkysleiben EKlö I 928;Bathe, ‑leben S. 83f.)
  • 1324: Elxleybin iuxta Kyrcheim (EKlö I 1244; Bathe, -leben S. 83)
  • 1406: Elxleubin(EKlö III A 5; Bathe, -leben S. 83)
  • 1419: Elxleibin (UB Paulinzelle Nr. 351)
  • 1420: Elxleibin in der Lengewisse (Paulinzella Nr. 353; Bathe, -leben S. 83)
  • 1421: Iohannes von Elxleiben … zcu Elxleiben in der Lengewicz  (UB Paulinzelle Nr. 354 S. 331)
  • 1435: Elxleiben (UB Paulinzelle Nr. 389)
  • 1437: Elxleubing (2-mal)  (UB Paulinzelle Nr. 401)
  • um 1450: Eleklszleyben (Schreibfehler nach Bathe, -leben S. 83)
  • 1506: Elxleben(Bathe, -leben S. 83)

Elxleben ist einer der zahlreichen thüringischen Namen auf -leben. Sie sind auch in Sachsen-Anhalt häufig und enthalten ein Grundwort, das nicht auf das Deutsche beschränkt ist. Es gehört zu gotisch laiba 'Überbleibsel, Rest', althochdeutsch leiba, altsächsisch lēva 'Rest, Erbe, Nachlass', altfriesisch lâva 'Hinterlassenschaft, Erbe, Erbrecht', altenglisch lâf 'Hinterlassenschaft, Erbe', altnordisch leif 'Überrest', im Altdänischen bedeutet kununglef 'Krongut'.

Man sieht darin eine Bedeutung 'Hinterlassenschaft, Erbe'. Im ersten steht immer ein alter Vorname im sogenannten Genitiv Singular, entweder auf -n-(Uthleben, alt Odenleve) oder auf -s- (Aschers-s-leben, Ascher-s-leben).

Der im ersten Teil stehende Personenname kann aufgrund der Belege Alhesgisileb(en), Alahgiselebe, Alhesgisileben, Alahgiselebe am ehesten als germanisch/althochdeutsch *Alah-gīs- angesetzt werden. Möglich ist allerdings auch ein Ansatz *Alfgis/*Albgis. Der zweite Bestandteil ist ‑gīs, noch enthalten in unserem Wort Geisel, hier aber wohl zu verstehen als "Sprössling, Nachkomme", im ersten Teil stand entweder german. alh- "Tempel, Heiligtum" oder alb-/alf-, das zur germanischen Sippe um Elfe, Alp (ursprünglich wohl ein mythisches Wesen zwischen Menschen, Göttern und Zwergen) gehört.

Später erfolgt eine Abschleifung und Umdeutung zu Elches-, Elkes-, Elks-, Elx-.

Zugrunde liegt also etwa eine Bedeutung "Besitz, Eigentum oder Nachlass des Alahgis oder Albgis".

Literatur "Altdeutsches Namenbuch" von E. Förstemann, Bd. 1: Personennamen, Bonn 1900
"Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda" von Heinrich Meyer zu Ermgassen (Hg.), Bde. 1-3, Marburg 1995-2007
"Indledende studier over den nordiske stednavnetype lev (löv)" von B. Søndergaard, København 1972
"Namenkundliche Studien zum Germanenproblem" von J. Udolph, Berlin-New York 1994, S. 497-513
"Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts" von H. Walther, Berlin 1971, S. 267
"Die Ortsnamen des Land- und Stadtkreises Erfurt" von F. Weisser, Diss. Leipzig 1974, S. 86ff
"Die Ortsnamen auf –leben – Versuch einer Typologie und Analyse" von G. Winkler, in: Namenkundliche Informationen 95/96, 2009, S. 220

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2017, 20:09 Uhr