Landkreis Sömmerda Kannawurf

Der Ort Kannawurf liegt an der Wipper und ist bekannt für sein schönes Stadtschloss. Das hat mit dem Ortsnamen aber nichts zu tun, ein angrenzender Hügel hingegen schon.

Blick auf ein Dorf, das von Getreidefeldern umgeben ist. In der Mitte des Ortes steht ein großes Schloss.
Ausblick von einem Hügel auf Kannawurf. Der Fluss Wipper ist leider nicht im bild. Bildrechte: MDR/Romy Miska

Bisherige Deutungen dachten z.T. an eine Verbindung aus Kahn + werfen "wenden", also etwa "Kahnwendestelle" (A. Werneburg). Das ist aber sowohl aus sachlichen Gründen (die Wipper, an der Kannawurf liegt, ist kaum dafür geeignet) wie etymologischen Gründen unwahrscheinlich. Letzteres deshalb, weil der Name ja nicht allein steht, sondern Ober- und Niedersachswerfen neben sich hat (zu beiden Namen siehe Niedersachswerfen im Thüringer Ortsnamenregister).

Im zweiten Teil des Namens ist am ehesten mit H. Walther ein Wort im Sinne von "Aufwurf, Damm, Ufer" zu vermuten, denn das Wort steckt auch im Maulwurf, alt moldwerp, multwerf = "Erdwerfer", daher ist –werfen < -werfun (Dat. Plur.) wohl als "Aufgeworfenes, Hügel“ zu verstehen.

Und Kan(n)-?
A. Werneburg und H. Walther sehen darin den Kahn. Unsere heutige Kanne kommt kaum in Frage. Das Bestimmungswort  Kann(n)- ist von den zahlreichen norddt. Flur- und ON wie Kannenbrok, Kannemoor, Kannenbusch, Kannbach usw. kaum zu trennen und ist dem Kahn vorzuziehen. Am wahrscheinlichsten kann dieses Element mit dem in ostmitteldeutschen Flurnamen vermuteten Wort kanne "Wassergraben" verbunden werden.

Der gesamte Sinn von Kannawurf wäre demnach also als "Aufwurf, Hügel am Wassergraben" zu verstehen.

Die Lage von Kannawurf passt dazu sehr gut. Der Ort liegt an der Wipper am Fuße eines deutlich ansteigenden Berges, etwa 40 Meter Höhenunterschied auf 800 Meter.

Historische Belege:

  • 1221: (Albert von) Kaneworfin (Dobenecker II Nr. 1973 S. 357)
  • 1245: Kanwerffe (Dobenecker III Nr. 1263 S. 205)
  • 1252: Kanwerffen (Dobenecker III Nr. 2009 S. 317)
  • 1255: Ludewicus … de Kanewerf (UB. Walkenried I Nr. 340 S. 340)
  • 1261: Kanwerffen (Dobenecker III Nr. 2887 S. 454)
  • 1266: in villa Kanwerf (Müldener, Frankenhausen S. 102)
  • 1282: Eckehardus [de] Kanewerfin (UB DOB Thüringen Nr. 364 S. 308)
  • 1287: dictus de Canewerf (UB. Walkenried I Nr. 598 S. 510)
  • 1305: Henricus de Kanewerf (UB. Walkenried II Nr. 787 S. 63)
  • 1456: Hanßen von Kanewerffen (UB. Walkenried II Nr. 1370 S. 565)
  • 1470: Iohannes a. Kannewerffen (UB. Walkenried II Nr. 1417 S. 624)
  • 1833: Kannawurf (König 3,26)

Literaturangaben: K.-H. Müller, Die Ortsnamen der Kreise Nordhausen und Worbis. Masch.-Schr. Hausarbeit Jena 1954, S. 105.

U. Ohainski, J. Udolph, Die Ortsnamen des Landkreises Osterode, Bielefeld 2000, S. 12ff.

H. Walther, Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts, Berlin 1971, S. 244.

A. Werneburg, Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens, Nachdruck Köln-Wien 1983, S. 141.

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2017, 11:00 Uhr