Der Leubinger Fürstenhügel.
Ganz in der Nähe von Kölleda befindet sich der Leubinger Fürstenhügel - ob er etwas mit der Bedeutung des Ortsnamens zu tun hat? Bildrechte: MDR/Wolfgang Klieme

Landkreis Sömmerda Kölleda

Die Kommune Kölleda gehört zum Landkreis Sömmerda. Die thüringische Kleinstadt ist bekannt für ihre Pfefferminze. Was hinter dem Ortsnamen steckt, erfahren Sie hier.

Der Leubinger Fürstenhügel.
Ganz in der Nähe von Kölleda befindet sich der Leubinger Fürstenhügel - ob er etwas mit der Bedeutung des Ortsnamens zu tun hat? Bildrechte: MDR/Wolfgang Klieme

Bis 1927 wurde der Ort noch Cölleda geschrieben.

Historische Belege:

  • 802: (Kopie 12. Jh., Abschrift 18. Jh.) Collide(UB RA Hersfeld, Nr. 21 S. 38)
  • (815) (Kopie Mitte 12. Jh.): Collide (Breviarium sancti Lulli)
  • 1005/06: Collithi (Dobenecker I, Nr. 629, S. 136)
  • (um 1050): Collithi (Wenck, UB III, Nr. 54, S. 53)
  • 1160: de Cullede (Henneberg. UV I, Nr. 12, S. 9)
  • 1195: Cůllede (Dobenecker II, Nr. 993, S. 189)
  • 1219: de Cullede (UB Pforte I, Nr. 84, S. 111)
  • 1220: de Cullede (UB Pforte I, Nr. 85, S. 112)
  • 1224: Kollede (Werneburg)
  • 1227: Cullede (Dobenecker II, Nr. 2478, S. 440)
  • 1266: in Colleda (Dobenecker III, Nr. 3477, S. 544)
  • 1271: in Collede (Mencke, SRG I, S. 691)
  • 1506: Kolleda (K. Hengst)
  • 1833: Kölleda (König 3,29)

Zur Bedeutung des Ortsnamens:

Der Ortsname ist umstritten und schon mehrfach behandelt worden. Er erfordert eine genauere Betrachtung. Unzweifelhaft ist, dass er mit dem altgermanischen Element -ithi gebildet worden ist. Dieses findet sich in zahlreichen Ortsnamen, auch in Thüringen, ausführlich wird es auf dieser Seite behandelt. Aus Thüringen können genannt werden: Sömmerda, Herda, Stempeda und andere mehr. Es drückt aus, dass das, was im ersten Teil des Namens steht, hier vorhanden ist und für die Örtlichkeit typisch ist.

Es fragt sich also, was hinter Kol(l)- steckt, das später dann zu Köl(l)- verändert worden ist. E. Förstemann denkt an einen Zusammenhang mit der Köhlerei, ähnlich H. Walther, der althochdeutsch kolo, kol "Holzkohle" heranzieht. Auch A. Bach sah darin unsere Kohle. In die gleiche Richtung hatte ich argumentiert (Udolph, -ithi S. 105) und auf den gleich gebildeten Ortsnamen Köhlte (Kr. Minden-Lübbecke), 1277 in Colete, in Colethe, 1278 in Colete, verwiesen.

Inzwischen ist ein dritter Ortsname hier angeschlossen worden, zuletzt ausführlich behandelt von J. Schwanke. Es ist der Name einer Wüstung (einer inzwischen verschwundenen Siedlung) bei Güsten (Sachsen-Anhalt), die heute noch als Flurname Krösker Breite bzw. Krös(ig)ker Dorfstelle weiterlebt, aber früher anders hieß: 1487 Kolde, 1537 (Kopie) uf Koelde. J. Schwanke folgert mit Recht: "Der Name kann nur über ein -ithi-Suffix erklärt werden… Zu unserem Wüstungsnamen hervorragend passt der Ortsname Kölleda. Dieser wird mit altwestnordisch kol, altsächsisch kol, mittelniederdeutsch kole 'Kohle' verbunden. Im Anschluss an D. Freydank, K. Steinbrück, Die Ortsnamen des Bernburger Landes, Halle 1964, S. 36, und diesen Vergleichsnamen wird unser Name auf *Kol-ithi 'da, wo Kohle ist' zurückgehen".

Inzwischen sind aber Zweifel an dieser allgemein vertretenen Meinung aufgetreten.

Einerseits hat K. Hengst sie geäußert: "Altsächsisch kol, althochdeutsch kolo 'Kohle' könnten … im Ortsnamen enthalten sein, aber 'Ort mit Kohlenmeilern' dürfte auf Grund der Lage in Waldferne ausscheiden". Er bevorzugt eine andere Deutung: "Als Ortsname gebildet wohl am ehesten zu altsächsisch kōli 'Kohl, Gemüse' und Suffix asä. -ithi als Hinweis auf reiches Vorhandensein des vorher Genannten, also etwa 'Ort mit Gemüsereichtum', was zu dem fruchtbaren Gebiet passt". Ergänzend heißt es bei ihm: "Unterstützend kann lautliche Nähe zu Pflanzenbezeichnung gewirkt haben, vgl. mittelniederdeutsch kol, kolle 'Kopf, oberster Pflanzenteil', auch mittelniederdeutsch kölle 'Pfeffer-, Bohnenkraut, Würzpflanze'".

Diese Deutung setzt allerdings menschliches Wirken (Acker-, Gemüseanbei) voraus, was bei -ithi-Namen kaum zu erwarten ist. Daher ist ein anderer Weg vorzuziehen.

Ihn hat B. Meineke beschritten und bei der Behandlung des Ortsnamens Köhlte im Kr. Minden, 1275/77 de Kolete, 1277 in Colethe, 1278 in Colete usw., unter anderem ausgeführt: "Da germanische -ithi-Bildungen in der Basis naturräumliche Besonderheiten eines Raumes bezeichnen … und -ithi-Bildungen in der Regel weniger das Wirken des Menschen widerspiegeln, wird die vorgetragene Verbindung mit mittelniederdeutsch kōle [usw.] … und ein Hinweis auf frühe (Holz-)Kohlegewinnung eher nicht anzunehmen sein (etwa für ein Gebiet 'da, wo es Kohle gibt oder Kohle gewonnen wird'".

Sie versucht daher einen anderen Weg und sieht diesen, wenn auch zögernd, unter Vergleich mit dem Ortsnamen Kölleda in einer Verbindung mit mittelniederdeutsch kol(le) 'Spitze, Kopf, Wipfel'". Während sie diesen für Kölleda für denkbar hält, zögert sie bei Köhlte, weil dessen Lage nicht dafür zu sprechen scheint. Das darf man aber anders sehen, denn Köhlte liegt deutlich erhöht am Rande der von der Bastau durchflossenen Bastauniederung, etwa 10 Meter über dem fast zwei Kilometer breiten Überflutungsgebiet und damit deutlich erhöht, vor allem gegen Überschwemmungen im Wesentlichen geschützt.

Die von B. Meineke erwähnte Wortsippe um mittelniederdeutsch kol(le) "Spitze, Kopf, Wipfel" ist schon mehrfach zur Deutung von Ortsnamen herangezogen worden. Das Wort hat Entsprechungen in altnordisch kollr "runder Gipfel; Kopf, Schädel", neuisländ. kollur, dänisch dial. kol(le) "Hügel" u.a. Ortsnamen aus Schleswig-Holstein wie Kollbüll, Kollmar u.a. hat W. Laur hierher gestellt, zum niederdeutschen "Kopf"-Wort stellt A. Remmers den Ortsnamen. Collstede in Friesland.

Ein letzter Blick auf die drei Ortsnamen Kölleda, Köhlte und Kölde: bei allen lässt sich eine Hügellage erkennen; zu Köhlte s. oben, zu Kölde, der Wüstung bei Güsten zitiert J. Schwanke E. Weyhe, Landeskunde Anhalt: der Ort lag "zwischen Salmuthshof und Güsten …, wo die Höhen gegen Osten in die Niederung übergehen". Am deutlichsten ist die Lage an einem Berghang bei Kölleda, das etwa 140 Meter hoch liegt, denn östlich davon steigt das Gelände bis zum Blumberg, Weinberg und Steinhügel kontinuierlich bis auf etwa 240 Meter Höhe an.

Daher spricht inzwischen fast alles für eine Deutung "Stelle, Siedlungsstelle an einem Hügel, Berg". Die Bildung mit dem Element -ithi zeugt zudem von hohem Alter der Namengebung, bis zu etwa 500 n.Chr. darf man wohl gehen, wahrscheinlich sogar noch weiter zurück.

Literatur-Angaben: A. Bach: "Deutsche Namenkunde. Die deutschen Ortsnamen", T. 2, Bd. 1, Heidelberg 1953, S. 203.

K. Hengst, in: "Deutsches Ortsnamenbuch", hrsg. von M. Niemeyer, Berlin-Boston 2012, S. 323.

W. Laur: "Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein", 2. Auflage, Neumünster 1992, S. 402.

B. Meineke: "Die Ortsnamen des Kreises Minden-Lübbecke", 2. Aufl., Bielefeld 2016, S. 240f.

A. Remmers: "Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade", Leer 2004, S. 51.

J. Schwanke: "Untersuchungen zu den deutschen Ortsnamen des Landkreises Aschersleben-Staßfurt", Magisterarbeit Leipzig 2003, S. 79f.

J. Udolph: "Die Ortsnamen auf -ithi", in: "Probleme der älteren Namenschichten", Heidelberg 1991, S. 105.

H. Walther: "Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts", Berlin 1971, S. 286.

A. Werneburg: "Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens", Nachdruck Köln-Wien 1983, S. 33.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Haase und Waage am Vormittag | 07. September 2017 | 11:00 Uhr