Weimarer Land und Nordhausen Nohra

Nohra ist eine Gemeinde im Westen des Landkreises Weimarer Land und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Grammetal. Nohra gibt es aber auch bei Nordhausen. Was der Ortsname bedeutet, erklärt Namenforscher Prof. Jürgen Udolph.

Nohra - im Weimarer Land

Historische Belege:

  • 1217: de Nore (UB Stadt Erfurt I, Nr. 81, S. 42)
  • 1271: Nora, Nore (Fuhrmann, S. 60)
  • 1289: Friedrich, genannt von More …[hierher?] (Reitzenstein, Regesten Orlamünde, S. 103)
  • 1291: in Nore (UB. Erfurter Stifter I, Nr. 650, S. 374)
  • 1300: Conradus de Nore (UB. Erfurter Stifter I, Nr. 795, S. 450)
  • 1307: Cunradus de Nore (UB. Erfurter Stifter I, Nr. 904, S. 512)
  • 1308: (Kopie) in Nore (UB Stadt Jena, Nr. I, S. 75, S. 61)
  • 1341: Albertus de Nore (UB Stadt Jena, Nr. I, S. 190, S. 176)
  • 1347: Nore (Fuhrmann, S. 60)
  • 1378: Nore (Fuhrmann, S. 60)
  • 1497: Nora (Fuhrmann, S. 60)
  • 1569/72: Nohra (Fuhrmann, S. 60)

Zur Bedeutung des Ortsnamens:

Den Ort durchfließt ein Bach, der unterschiedlich geschrieben wurde und wird. Bei A. Werneburg liegt Nohra an der Nörre. Nach W. Fuhrmann liegt er am Nor- oder Nörbach. Bei E. Ulbricht heißt er Nör-Bach. Auf dem Messtischblatt Nr. 2934 (Weimar) von 1853 steht Noerr Bach.

Man ist sich einig, dass der Ort seinen Namen vom Bach erhalten hat, in dem man eine alte Form *Nor-aha sieht. Althochdeutsch und germanisch -aha bedeutete "Bach, Fluss, Wasser". Dann bleibt die Frage, wozu man den ersten Teil des Namens stellen soll.

Bisherige Überlegungen gingen in Richtung eines vorgermanischen Namens, aber da der Name in einem Gebiet liegt, das eindeutig dem Niederdeutschen zuzurechnen ist, dürfte der Vorschlag von W. Fuhrmann der bessere sein. Er schreibt u.a.: Offensichtlich ist die alte Bezeichnung des Nor/Nörbaches (zur Gramme), der in unserem Ort entspringt, auf die Siedlung übertragen worden, so dass von *Nor-aha auszugehen ist. Althochdeutsch -aha ist allgemein früh zu -a abgeschwächt worden. Unser Name hat in Thüringen seine Parallele in Nohra Kr. Nordhausen. Als Bestimmungswort kommt das über ganz West- und Süddeutschland verbreitete Wort nor "Fels" (mit langem -ō-) in Frage. Für diese Annahme könnte auch der Flurname Felsenkeller in unserem Ort sprechen.

Ergänzend kann man dazu noch auf Vorkommen in hessischen Dialekten hinweisen, in denen langes -ō- auch als -u- bzw. -ü- erscheint: Nürn fem., auch Norn fem., Felsen, Felsblock. Oberhessen, besonders im westlichen Theile.

Es gibt auch noch eine etwas andere Bedeutung, die wie folgt umschrieben wird: Bei der geringen Tiefe der Ackerkrume, welche sich auf dem Übergangsgebirge westlich von Marburg findet, stößt man beim Ackern öfter auf ein Nürn oder ein Nürnchen, das heißt einen aus dem Humus hervorragenden größern oder kleinern Felsblock. Die Nürn (auf der Nürn) ist ein Feldplatz bei Amöneburg. Die Nürnwand (Nornwand), Felsenwand am Wollenberge; der Nürnberg (Weiterode). - Unerklärtes, sonst nicht vorkommendes Wort; sicher vom höchsten Altertum.

Somit kann man Nohra aus *Nor-aha wohl am besten als "Steinfluss, Felsfluss", vielleicht auch "Bach mit Felsbrocken" verstehen. Es wäre natürlich interessant zu prüfen, ob sich dergleichen heute noch feststellen lässt…

Literatur-Angaben: E. Förstemann: "Altdeutsches Namenbuch", Bd. 2: Orts- und sonstige geographische Namen, 2. Hälfte, hrsg. von H. Jellinghaus, Bonn 1916, Sp. 412f.

W. Fuhrmann: "Die Ortsnamen des Stadt- und Landkreises Weimar", Diss. Leipzig 1962, S. 60.

J. Udolph: "Die Stellung der Gewässernamen Polens innerhalb der alteuropäischen Hydronymie", Heidelberg 1990, S. 178.

J. Udolph: "Namenkundliche Studien zum Germanenproblem", Berlin - New York 1994, S. 143f.

E. Ulbricht: "Das Flußgebiet der Thüringischen Saale", Halle 1957, S. 136.

A. Werneburg: "Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens", Nachdruck Köln-Wien 1983, S. 11.

Nohra - bei Nordhausen

Historische Belege:

  • 1093: (Fälschung 2. Hälfte 12. Jh.) in Nora (Mainzer Urkundenbuch, Bd. I, Nr. 385, S. 292)
  • 1152: (Fälschung Mitte 12. Jh.) in Nora (Mainzer Urkundenbuch, Bd. II, Nr. 172, S. 318)
  • 1169: in Nora (Mainzer Urkundenbuch, Bd. II, Nr. 314, S. 538)
  • 1191: parochiae villam Nore (Dobenecker II, Nr. 885, S. 168)
  • 1191: Nore (Werneburg, S. 11; Förstemann, Ortsnamen II, Sp. 412)
  • 1197: in Nore (Codex diplomaticus Saxoniae I A III, Nr. 25, S. 24)
  • 1221: Nore (UB. Eichsfeld I, Nr. 213, S. 128)
  • 1253: villa Nore (Müller, Nordhausen, S. 106)
  • 1255: Nora (UB. Eichsfeld I, Nr. 373, S. 216)
  • 1304: Nore (Müller, Nordhausen, S. 106)
  • 1345: Nohra (Müller, Nordhausen, S. 106)
  • 1833: Nohra (König 2,12)

Man ist sich im Allgemeinen einig, dass der Ort seinen Namen vom Bach erhalten hat, in dem man eine alte Form *Nor-aha sieht. Althochdeutsch und germanisch -aha bedeutete "Bach, Fluss, Wasser". Dann bleibt die Frage, wozu man den ersten Teil des Namens stellen soll.

K.-H. Müller folgt in seiner Deutung einem Vorschlag von G. Hey, der von einem slavischen Namen ausgeht. Das ist hier südlich des Harzes aber nicht möglich.

Bisherige Überlegungen gingen in Richtung eines vorgermanischen Namens, aber da der Name in einem Gebiet liegt, das eindeutig dem Niederdeutschen zuzurechnen ist, dürfte der Vorschlag von W. Fuhrmann, den er für den gleichnamigen Ort Nohra bei Weimar erwogen hat, zutreffen. Unser Nohra liegt an zwei kleinen Zuflüssen der Wipper und es kann sich bei dem Namen um einen für einen der beiden Bäche handeln, aber auch um einen Teilabschnittsnamen der Wipper. Größere Flüsse trugen früher mehrere Namen, bevor sich einer durchsetzte. Die alten Gewässernamen leben zum nicht geringen Teil heute noch in den an den Gewässern liegenden Orten weiter.

Die folgenden Bemerkungen von W. Fuhrmann dürften auch für unser Nohra zutreffen: Offensichtlich ist ein Gewässername auf die Siedlung übertragen worden, so dass von *Nor-aha auszugehen ist; -aha ist allgemein früh zu -a abgeschwächt worden. Als Bestimmungswort kommt das über ganz West- und Süddeutschland verbreitete Wort nor "Fels" (mit langem -ō-) in Frage.

Ergänzend kann man dazu noch auf Vorkommen in hessischen Dialekten hinweisen, in denen langes -ō- auch als -u- bzw. -ü- erscheint: Nürn fem., auch Norn fem., Felsen, Felsblock. Oberhessen, besonders im westlichen Theile. Es gibt auch noch eine etwas andere Bedeutung, die wie folgt umschrieben wird: Bei der geringen Tiefe der Ackerkrume, welche sich auf dem Übergangsgebirge westlich von Marburg findet, stößt man beim Ackern öfter auf ein Nürn oder ein Nürnchen, das heißt einen aus dem Humus hervorragenden größern oder kleinern Felsblock. Die Nürn (auf der Nürn) ist ein Feldplatz bei Amöneburg. Die Nürnwand (Nornwand), Felsenwand am Wollenberge; der Nürnberg (Weiterode). - Unerklärtes, sonst nicht vorkommendes Wort; sicher vom höchsten Altertum.

Somit kann man Nohra aus *Nor-aha wohl am besten als "Steinfluss, Felsfluss", vielleicht auch "Bach mit Felsbrocken" verstehen.

Literatur-Angaben: E. Förstemann: "Altdeutsches Namenbuch", Bd. 2: Orts- und sonstige geographische Namen, 2. Hälfte, hrsg. von H. Jellinghaus, Bonn 1916, Sp. 412.

W. Fuhrmann: "Die Ortsnamen des Stadt- und Landkreises Weimar", Diss. Leipzig 1962, S. 60.

K.-H. Müller: "Die Ortsnamen der Kreise Nordhausen und Worbis." Masch.-Schr. Hausarbeit Jena 1954, S. 106.

J. Udolph: "Die Stellung der Gewässernamen Polens innerhalb der alteuropäischen Hydronymie", Heidelberg 1990, S. 178.

J. Udolph: "Namenkundliche Studien zum Germanenproblem", Berlin - New York 1994, S. 143f.

E. Ulbricht: "Das Flußgebiet der Thüringischen Saale", Halle 1957, S. 136.

A. Werneburg: "Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens", Nachdruck Köln-Wien 1983, S. 11.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Haase und Waage am Vormittag | 12. Oktober 2017 | 11:00 Uhr