Hohenwarte Stausee
Hoch oben an der Hohenwarte-Talsperre Bildrechte: Dirk Wegel

Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Neidenberga - Ortsteil von Drognitz

Neidenberga gehört zur Gruppe der "Neid-Namen". Die haben wenig mit neidisch sein zu tun - sondern gehören eher zu den Namen, die Schutz und Abwehr ausdrücken.

Hohenwarte Stausee
Hoch oben an der Hohenwarte-Talsperre Bildrechte: Dirk Wegel

Historische Belege:

  • 1301 Konrad von Neipperg (Nyperch) (UB Vögte Weida I Nr.  338 S. 165)
  • 1328 Bychzce von Nythberg (UB Vögte Weida I Nr. 650 S. 311)
  • 1343 (Albert von Neipperg) Nyperg(UB Vögte Weida I Nr. 860 S. 436)
  • 1420 Nydenberg von Waczstorff zum Nydenberge (Mansberg III S. 60)
  • 1426 Nydenberg de Waczdorff (Mansberg III S. 60)
  • 1417 zcum Nydenberge (Codex diplomaticus Saxoniae I B IV Nr. 587 S. 376)
  • 1442 Neutenberg von Watzdorf … der Neutberger genannt (Geschlecht Watzdorf, 1. Heft, S. 21)
  • 1443 Erhart von Neypergk (Raab, Regesten I Nr. 446)
  • 1449 Erhart Neyperger (Raab, Regesten I Nr. 516)
  • 1833 Neidenberga (König 2,12)

Der Ortsname ist nicht von dem des Schlosses Niedenburg, in dem sich heute eine Jugendherberge befindet, zu trennen. Eine Deutung des Ortsnamens ist nicht ganz leicht, aber man wird wohl davon ausgehen dürfen, dass das Schloss namengebend auch für den Ort gewesen ist. Problematisch ist auch die Bestimmung der Grundform, denn in der Überlieferung zeigen sich ja ganz unterschiedliche Schreibungen: Nyperch, Nythberg, Nyperg, Nydenberg, Neutenberg, Neypergk, Neyperg und heute dann auch noch unterschiedlich Neidenberga (Ort) bzw. Niedenburg (Schloss).

Aber unter Einbeziehung der deutschen Sprachgeschichte gelingt es vielleicht doch, auch dieses Problem zu lösen: Zu berücksichtigen ist auch die Lage von Schloss und Ort, denn sie liegen sehr deutlich erhöht auf einer Landzunge, die in die Talsperre Hohenwarte hineinragt. Natürlich muss man die Existenz der Talsperre bei der Deutung des Ortsnamens ausklammern, aber es kann nicht daran gezweifelt werden, dass auch davon abgesehen Ort und Schloss deutlich erhöht liegen. Das macht auch der Blick auf eine topographische Karte von 1940 deutlich (damals gab es die Talsperre noch nicht).

Geht man dem Namen des Schlosses aus und sucht nach ähnlichen Namen, so wird man schon bald auf Orts- und auch Familiennamen wie Niedeck, Neideck, Neidberg, Niedenfels, Neidenstein, Niedenstein u.a.m. aufmerksam. Zahlreiche Burgen des 13. Jh. führen nach E. Schröder, Namenkunde S. 238 den Trutznamen Nîdeck (Niedeck, Neideck, Niedegg), wozu auch Neipperg < Nîdberg gehören. Er bemerkt dazu: "Eine besonders starke und merkwürdige Gruppe bilden die zahlreichen Namen mit Nid- (‘Neid’): Neidberg (Neipperg); Neidenburg; Niedenfels und Neidenfels; Neideck, Niedenegk, Niedeck, Niedeggen; Neidenstein und Niedenstein; Nidau, Neidenau. Diese stark wuchernde Gruppe ist, wie schon die obige Liste andeutet, größtenteils früh mißverstanden worden: es gibt in Bayern und Österreich und im kolonialen Osten gegen 30 Orte mit Namen Neu-deck: Schlösser und Rittergüter, Weiler und Einöden mit dieser blöden (!) Entstellung des Namens Nid-eck". Es handelt sich also um "Prunk- und Trutznamen". Im ersten Teil steht demnach mittelniederdeutsch nît  "Hass, Feindseligkeit" (aus älterem *n?d), aus dessen hochdeutscher Entsprechung nîddann dt. Neid geworden ist. Ursprünglich scheint das Wort aber mehr die Bedeutung "Anstrengung, Eifer, Wetteifer" besessen zu haben. Die schwankende Überlieferung des Ortsnamens Neidenberga passt zu den hier genannten "Neid-Namen", hier eben mit -berg und -burg kombiniert.

Literatur-Angaben: E. Schröder, Deutsche Namenkunde, 2. Aufl., Göttingen 1944, S. 238.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 10. Januar 2019 | 11:10 Uhr