Ortsschild Tüttleben
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landkreis Gotha Tüttleben

Der Ortsname gehört zu den zahlreichen "-leben"-Namen in Thüringen (und Sachsen-Anhalt), die auf "Hinterlassenschaft, Erbe" zurückzuführen sind. Der Ortsname bedeutet: "Das Erbe eines Tuto".

Ortsschild Tüttleben
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Historische Belege

  • 12. Jh. (Kopie um 1160) Tittileibe, Variante: Tutileiba (Trad. Fuld. (ed. Meyer zu Ermgassen), II S. 150)
  • 1108 inTyteleyben (Ann. Reinhardsbr., 19)
  • 1104 (Kopie) Tyteleyben (Dob. I, 1010, Anm., 215)
  • 1111 (Fälschung 1191?)  Thuoteliebe (Dob. I, 1070, 226)
  • 1111 Tuteliebe (Dob. I, 1071, 227, Anm. 1)
  • 1140 Toteleibe (Dob. I, 1410, 296)
  • 1143 Tuteleiben (Dob. I, 1473, 310)
  • 1143 WidelodeTuteleiben (CDS I, 2; 163, 116)
  • 1174 Tuteleibe (Dob. II, 491, 93)
  • 1176 Tuteleiben (Dob. II, 517, 98)
  • 1192 (Kopie 15. Jh.) queTuteleibindicitur (UB Mainz II/2, 570)
  • 1216 Tutteleiben (Dob. II, 1667, 305)
  • 1228 Tutleben (Dob. III, 7, 1)
  • 1237 Tuteleben (Dob. III, 701, 122)
  • 1355 ubirdenTuteleibinweg (UB EF St. II, 397, 189)
  • 1379 Tutheleibin
  • 1396 ConradTutteleiben (UB Erfurt II, 1087, 779, Regest)
  • 1397 czuTuteleyben (Stadtbuch Weimar, 276, 79)
  • 1444 Tuteleyben weg … Dutteleyben (Bathe S. 104)
  • 1511 derTutelebenweg (Gerbing, 73)
  • 1530 Tutleben (Bathe S. 104)
  • 1537 Tuttleben (Stadtrecht Gotha, 63, 281)
  • 1592 (Kopie 16. Jh.) Tütleben (Stadtrecht Gotha, 84, 337)
  • 1873 Tüttleben (OV Prov. Sachsen, 225)

Zur Bedeutung des Ortsnamens:

Wir haben wieder einen der in Thüringen und Sachsen-Anhalt häufigen -leben-Ortsnamen vor uns. Sie enthalten ein Grundwort, das nicht auf das Deutsche beschränkt ist, es gehört zu gotisch laiba ‛Überbleibsel, Rest’, althochdeutsch leiba, altsächsisch lēva ‛Rest, Erbe, Nachlass’, altfriesisch lâva ‛Hinterlassenschaft, Erbe, Erbrecht’, altenglisch lâf ‛Hinterlassenschaft, Erbe’, altnordisch leif ‛Überrest’, im Altdänische bedeutet kununglef ‛Krongut’.

Man sieht darin eine Bedeutung ‘Hinterlassenschaft, Erbe’. Im ersten steht immer ein alter Vorname im sogenannten Genitiv Singular, entweder auf -n- (Uthleben,alt Odenleve) oder auf -s- (Aschers-s-leben, Ascher-s-leben).

Im Fall von Tüttleben ist von einer Grundform *Tutinleibaoder *Tutenleiba auszugehen. Im ersten Teil dürfte ein alter PersonennameTuto zu vermuten sein. Das früher vorhandene -n- ist geschwunden, muss aber wohl angesetzt werden.

Der Personenname dürfte zur Gruppe um Theudo gehören, das in verschiedener Gestalt erscheint: Theudo, Teutho, Teudo, Teuto, Tiuto, Tuido, Theodo, Teoto, Dheoto, Theotho, Deodo, Deoto, Thiodo, Thioto, Dioto, Theatho, Thiado, Thiatho, Dhiato, Thiedo, Thietho, Tiedo, Tieto, Tietdo, Diedo, Dieto, Tiedo, Dietho, Tido, Diddo, Titto, Ditto, Tutto, Duto, Thedo u.a.m. Er gehört zu dem germanischen Wort theuda "Volk". Der Ortsname spiegelt somit die ’Hinterlassenschaft, das Erbe, die Bleibe eines Tuto’ wider.

Literatur M. Bathe, Die Ortsnamen auf -leben, Mskr., [Berlin ohne Jahr], S. 104f.

E. Förstemann, Ortsnamen, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2: Orts- und sonstige geographische Namen, Teil 2, Nachdruck Hildesheim usw. 1983, Sp. 1039.

Ch. Riese, Ortsnamen Thüringens - Landkreis Gotha, Hamburg 2010, S. 154-155.

H. Walther, Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts, Berlin 1971, S. 272.

A. Werneburg, Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens, Nachdruck Köln/Wien 1983, S. 43.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 07. Februar 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2019, 14:21 Uhr