Bioabfall-, Papiertonne und Gelbe Tonne
Die "Gelbe Tonne" ist Bestandteil des Dualen Systems. Bildrechte: IMAGO

Der Redakteur | 04.09.2017 Wie sinnvoll ist Mülltrennung?

Sylvia Keyser aus Jena möchte wissen, wie sinnvoll die Mülltrennung in Deutschland ist, wenn viele Leute an den Sammelstellen in den Wohngebieten ihren Müll in die falschen Behälter tun? Können Glas oder Kunststoffe dann trotzdem noch recycelt werden? Der Redakteur Thomas Becker ist dieser Frage nachgegangen.

von Thomas Becker

Bioabfall-, Papiertonne und Gelbe Tonne
Die "Gelbe Tonne" ist Bestandteil des Dualen Systems. Bildrechte: IMAGO

Eines vorweg: Babywindeln mögen zum Teil aus Kunststoffen bestehen, werden aber wegen des bedenklichen Inhalts nicht recycelt. Alles andere meistens schon, wenn es sich denn um Metall oder Kunststoff handelt. Dabei ist die Größe gar nicht so entscheidend. Das heißt: Es werden durchaus auch kleine Teile der Wiederverwendung zugeführt, wenn sie denn aufs Förderband gelangen. Dort landet nämlich alles, was aus den Gelben Säcken oder Gelben Tonnen im Verwertungsbetrieb angeliefert wird. Zunächst wird alles nach Größe sortiert und dann ziehen Magnete alles raus, was magnetisch ist. Das funktioniert bei Aluminium und Kunststoffen nicht. Dort werden intelligentere Systeme eingesetzt als ein simpler Magnet, sagt Norbert Völl, Pressesprecher vom "Grünen Punkt".

Kunststoffe sortieren wir zum Beispiel mit Hilfe von Licht. Das heißt: Über dem Band hängen starke Lampen, die das Material bestrahlen. Eine Kamera nimmt das reflektierte Licht auf und ein Computer analysiert das und kann anhand des Spektrums dann entscheiden, das ist Polyethylen oder ein Polystyrol.

Norbert Völl, Pressesprecher "Grüner Punkt"

Dieser Erkenntnis folgt etwas Druckluft aus feinen Düsen und schon geht der Joghurtbecher den einen Weg und die Polystyrol-Verpackung des Radios den anderen.

Dabei werden durchaus auch kleine Gegenstände zu ihresgleichen geschickt, selbst der Alu-Deckel des Joghurtbechers würde der Wiederverwendung zugeführt, wenn der Verbraucher beim Öffnen den letzten Schritt der Mülltrennung tun würde.

Die Maschinen erkennen natürlich nur ein Material. Deshalb die Bitte an den Verbraucher, den Deckel vom Becher abzuziehen, dann wird auch beides recycelt.

Norbert Völl, Pressesprecher "Grüner Punkt"

Im Gegensatz dazu gibt es auch Dinge, die man besser nicht in die "Gelbe Tonne" tun sollte, auch wenn sie dem Anschein nach auch nur Plaste sind.

Ein großes Ärgernis und auch ein technisches Problem sind Videokassetten. Denn die Bänder wickeln sich ab von den Kassetten und wickeln sich um die Bänder, Wellen und Achsen, die da laufen und machen die Maschinen kaputt.

Norbert Völl, Pressesprecher "Grüner Punkt"
Verschiedenes Kinderspielzeug
Ohne "Grünen Punkt" hat auch dieser Kunststoff nichts in der "Gelben Tonne" verloren - außer in Ostthüringen. Bildrechte: Colourbox.de

Gleiches gilt übrigens für die Weihnachtsbaumnetze, die in der "Gelben Tonne" nichts verloren haben, auch wenn sie genaugenommen Verpackungen sind. Denn die "Gelbe Tonne" oder der "Gelbe Sack" sind Bestandteil des Dualen Systems Deutschland, dessen bekanntestes Zeichen der "Grüne Punkt" ist. Dieser ist allerdings nicht zur Zierde angebracht und auch kein Indiz für eine besonders großartige Recyclingfähigkeit des Materials. Der Punkt bedeutet nur, dass der Hersteller des Produkts die gesetzlichen Abgaben für die Altstoffverwertung vorab entrichtet hat (also letztlich auf den Verkaufspreis aufgeschlagen hat) und somit von der gesetzlichen Verpflichtung befreit ist, restentleerte Verpackungen unentgeltlich zurückzunehmen.

Im Umkehrschluss dürfen eigentlich auch nur Dinge in die "Gelbe Tonne", die den "Grünen Punkt" tragen und das sind nun mal Verpackungen und keine zerbrochenen Spielzeugautos oder Gartenstühle, obwohl sie vielleicht aus dem gleichen Material bestehen wie die Verpackungen, aber deren Entsorgung über das Duale System Deutschland eben nicht bezahlt wurde. Dieser Widerspruch wird gerade mit Hilfe der "Gelben Tonne Plus" entsorgt, die es in Thüringen derzeit nur im Entsorgungsbereich des Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen gibt. Dessen Geschäftsleiter Dietmar Lübcke ist ziemlich stolz darauf, seinen Kunden dieses Service anbieten zu können. Egal ob Bratpfanne oder kaputtes Spielzeugauto - alles was aus Metallen oder Kunststoffen besteht und in die "Gelbe Tonne" passt, darf jetzt auch hinein. Dafür zahlen die Ostthüringer 30 Cent mehr pro Jahr - ein Betrag der durchaus bezahlbar erscheint.

Eine solche Regelung in ganz Deutschland verbindlich einzuführen, scheiterte bisher an den verschiedenen Interessenslagen aller Beteiligten - von den Kommunen bis zu den Abfallverwertern. Die Komplexität der Materie verdeutlicht auch ein Begriff, den Dietmar Lübcke sehr humorvoll widergibt. Wenn wir nämlich an unserer herkömmlichen "Gelben Tonne" stehen und dort zum Beispiel das zerbrochene Plasteauto des Filius entsorgen, obwohl das nachweislich keinen "Grünen Punkt" trägt, dann machen wir umwelttechnisch alles richtig, abrechnungstechnisch aber alles falsch.

Das nennen die Abfallwirtschaftler - und nun halten Sie sich fest - 'intelligenten Fehlwurf' und reden sich damit raus und sagen: Das machen doch die Leute sowieso. Aber wie will ich für das Mülltrennen argumentieren, wenn ich dieses Thema Spielzeugauto einfach auslasse, einfach nicht erwähne, in der Hoffnung, die werden schon 'intelligente Fehlwürfe' machen.

Dietmar Lübcke, Geschäftsleiter Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen

Denn bis die Kommune eine "Gelbe Tonne Plus" aufstellt und dafür wie in Ostthüringen die eingesammelten 30 Cent je Bürger an das Duale System Deutschland abführt, muss sie darauf hinweisen: Alles was keinen "Grünen Punkt" trägt, hat in der "Gelben Tonne" nichts verloren, auch wenn Joghurtbecher und Spielzeugauto aus dem gleichen Material sind.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 04. September 2017 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2017, 16:11 Uhr