Service | 07.09.2020 Rheuma-Behandlungen trotz Corona-Pandemie weiterführen

An einer rheumatischen Erkrankung zu leiden, ist Belastung genug. Doch wegen der Corona-Pandemie kommen für Betroffene noch Unsicherheiten dazu: Ist das Risiko einer Ansteckung und schwerer Covid-19-Verläufe erhöht? Experten geben vorsichtig Entwarnung - und raten grundsätzlich, notwendige Therapien gegen Rheuma nicht allein aus Sorge vor dem Coronavirus zu stoppen oder zu verzögern.

Eine Frau hält sich beim Fensterputzen den Ellenbogen.
Hinter dem Begriff Rheuma verbergen sich zahlreiche verschiedene Erkrankungen. Bildrechte: IMAGO

Wie bei anderen chronischen Erkrankungen hat die Unsicherheit der Corona-Zeit wichtige Therapien auch für Rheuma-Patienten durcheinandergewirbelt. Nun haben Deutschlands führende Rheumatologen ihre Empfehlungen zur Behandlung angepasst. So soll für eine sichere und gute Weiterbehandlung unter Pandemie-Bedingungen gesorgt werden. Die Experten raten unter anderem: Eine gut eingestellte Rheuma-Medikation dürfe nicht allein aus Sorge vor Covid-19 verändert werden.

Auf den ersten Blick geben die neuen Empfehlungen weitgehend Entwarnung: Rheumapatienten haben den bisher zusammengetragenen Daten zufolge kein erhöhtes Risiko, sich mit Corona anzustecken. Auch das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 scheine nicht erhöht zu sein, teilt der Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, Hendrik Schulze-Koops, mit.

Allgemeine Risiko-Faktoren und hohe Kortison-Dosen problematisch

Doch diese Entwarnung gilt nur mit Einschränkungen. Einige der bekannten, allgemeinen Risikofaktoren für schwere Verläufe seien bei Rheumapatienten häufiger als im Bevölkerungsdurchschnitt:

  • höheres Lebensalter
  • männliches Geschlecht
  • Rauchen
  • Diabetes
  • starkes Übergewicht
  • bestehende Lungen-, Herz- oder Nierenerkrankungen

Überdies könne das Corona-Risiko erhöht sein, wenn die Patienten Glukokortikoide ("Kortison") in einer Dosis von zehn Milligramm und mehr pro Tag einnehmen - oder wenn die Erkrankung gerade besonders aktiv ist.

Empfehlungen für Rheuma-Patienten zu Corona-Zeiten

  • an die vom Robert Koch-Institut empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen halten: Mund-Nasen-Schutz tragen, wo es vorgeschrieben oder empfohlen wird, Abstand halten, Hände gründlich und häufig waschen
  • Corona-Warn-App auf dem Handy nutzen, wenn möglich
  • bei Ermittlung des eigenen Risikos die möglichen "Vorbelastungen" beachten (Alter, Vorerkrankungen, ...)
  • Einleitung oder Umstellung antirheumatischer Therapien nicht aufgrund der Pandemie unterlassen oder verzögern
  • Arbeitsunfähigkeit allein aufgrund einer wegen der rheumatischen Erkrankung und ihrer Behandlung angenommenen Gefährdung in der Regel nicht gerechtfertigt

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. Deren Empfehlungen für Rheuma-Betroffene gibt es auch im Internet zum Nachlesen.

Rheuma und Corona als Thema bei MDR THÜRINGEN - Das Radio

Wenn sich in dieser Woche Fachleute beim virtuellen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. treffen, wird dies ein Schwerpunktthema sein. In der MDR THÜRINGEN-Servicestunde spricht Moderator Matthias Haase daher mit Präsident Hendrik Schulze-Koops über das, was Patienten trotz Corona hinsichtlich ärztlicher Betreuung und Therapie erwarten dürfen. Los geht es am Montag, 07.09.2020, ab 11 Uhr bei MDR THÜRINGEN - Das Radio.

Eine Frau bei einer Pilates-Übung.
Krankengymnastik und Bewegungstherapie sind bei Rheuma unabdingbar. Nur so können Beweglichkeit, Lebensqualität und Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten bleiben. Bildrechte: Colourbox.de

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 02. September 2020 | 11:00 Uhr