Aspirin plus C Brausetablette Brausetabletten Packung quer ASS-ratiopharm 500, 2002
Bildrechte: imago/teutopress

Servicestunde | 23.01.2019 Muss ich Verfallsdaten in der Hausapotheke ernstnehmen?

Auch die Hausapotheke sollte regelmäßig aussortiert werden. Was muss weg, und was darf man vielleicht noch benutzen, obwohl die Haltbarkeit abgelaufen ist? Der Erfurter Apotheker Thomas Olejnik gibt ab 11 Uhr in der Servicestunde wertvolle Tipps.

Aspirin plus C Brausetablette Brausetabletten Packung quer ASS-ratiopharm 500, 2002
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Was gehört in eine Hausapotheke?

Einmal im Jahr sollten Medikamente und Verbandmaterial kontrolliert und aufgefüllt werden. Heben Sie Ihre Medikamente in der Originalverpackung und mit Beipackzettel auf. So haben Sie stets alle wichtigen Informationen zu den Arzneimitteln parat, Verwechslungen sind ausgeschlossen. Zur Grundausstattung gehören:

  • Schmerz- und Erkältungsmittel
  • Mittel gegen Verdauungsbeschwerden, Sodbrennen, Blähungen, Verstopfung und Durchfall
  • Wunddesinfektionsmittel und Heilsalbe
  • sterile Kompressen und Mullbinden
  • Notfall-Rufnummern
  • Pflaster
  • Erste-Hilfe-Anleitung

Weitere Arzneimittel und Verbandmaterial für die Hausapotheke:

  • Mittel gegen Mückenstiche, Sonnenbrand, Juckreiz (Antihistaminikum)
  • Salbe oder Gel gegen Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen
  • Verbandpäckchen, auch Brandwunden-Verbandpäckchen
  • Heftpflaster, Verbandklammern, Sicherheitsnadeln
  • Wasserdichter Fixierverband
  • Sprühpflaster
  • Verbandwatte
  • Splitterpinzette, Verbandschere
  • Fieberthermometer
  • Kühlkompressen (im Kühlschrank aufbewahren)
  • Einmalhandschuhe
  • Zeckenzange

Kann ich Medikamenten noch benutzen, obwohl Sie schon abgelaufen sind?

  • Mullkompressen mit abgelaufenem Verfallsdatum sind sicher nicht mehr steril. Zum Abdecken akuter Wunden sind Kompressen und Binden deshalb nach Ablauf des Verfallsdatums nicht geeignet.

  • Bei Schmerz- und Fiebertabletten, deren Verfallsdatum ein Jahr überschreitet, verfällt die Wirksamkeitsgarantie. Ihre Wirkung könnte in jedem Fall abgeschwächt sein. Auch gefährliche Nebenwirkungen können entstehen.

  • Angebrochenes Rachen- oder Nasenspray ohne Angabe zum Öffnungsdatum sind Keimschleudern. Säfte oder Flüssigkeiten in Sprays verderben leicht, weil sie Keimen einen guten Nährboden bieten. Überlagerte Medikamente können dann also schaden. Deshalb am besten auf dem Beipackzettel informieren, wie lange die Flüssigkeiten nach Anbruch noch verwendbar sind. Und dann auf der Packung notieren, wann sie angebrochen wurde.

  • Abgelaufenes Schmerzmittel bei Reizhusten könnte krebserregend wirken, weil Codeinsäfte vermutlich in Stoffe zerfallen, die Zellen schädigen und Tumore wachsen lassen. Hände weg!

  • In angebrochenen Wund- und Heilcremes können unter Umständen ebenfalls Keime siedeln. Dann sollten die Mittel nicht auf akuten Verletzungen angewendet werden, sonst könnte ein zusätzlicher Reiz entstehen.

  • Bei Ohrenstöpseln auf das Verfallsdatum achten. Auch hier geht es um Garantien. Die Hersteller müssen für ein Medizinprodukt immer dann ein Verfallsdatum angeben, wenn es einen direkten Körperkontakt gibt. Aber überlagerte Produkte können noch bedenkenlos verwendet werden, wenn die Stöpsel einwandfrei aussehen.

  • Schmerzzäpfchen für Kinder. Alles, was verfallen ist, sollte nicht verabreicht werden. Denn Kinderkörper tolerieren noch weniger als Körper von Erwachsenen. Bei Kindern sollte deshalb besonders sorgfältig auf die Verfallsdaten geachtet werden.

Wie und wo entsorge ich abgelaufene Medizin?

Viele Apotheken nehmen abgelaufene Medikamente zurück. Gesetzlich verpflichtet sind sie dazu aber nicht. Wer alte Arzneimittel wegwerfen will, kann sie auch in den Restmüll werfen, sofern der Beipackzettel keine gesonderten Entsorgungshinweise enthält. Bei der Entsorgung über den Hausmüll muss natürlich sichergestellt werden, dass Kinder keinen Zugang dazu haben. Bei Zweifeln zur korrekten Entsorgung, fragen Sie Ihren Apotheker.

Was muss ich beim Onlinekauf von Medikamenten beachten?

Generell gilt: Lassen Sie die Finger von unseriösen Internetanbietern. Sie sollten skeptisch werden, wenn ...

  • ... verschreibungspflichtige Medikamente auch ohne Rezept erhältlich sind, und in Deutschland nicht zugelassene Präparate verkauft werden.
  • ... kein gelernter Apotheker Fragen beantworten kann.
  • ... die Onlineapotheke nicht im Versandapothekenregister (VAR) zugelassen ist.
  • ... "Onlineberatungen" angeboten werden, die ärztliche Verordnungen ersetzen sollen oder persönliche Gesundheitsberatung erteilen. Nichtlizenzierte Websites bieten häufig diese Leistungen nur an, um den Anschein von Seriosität und Rechtmäßigkeit zu erwecken.
  • ... die Medikamente ohne Originalschachtel geliefert werden, Packung und oder Tabletten ungewöhnlich aussehen oder riechen.

Achten Sie darauf, dass die gewerblichen Anbieter einen Firmensitz in Deutschland haben. Kaufen Sie außerdem keine Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel bei Privatpersonen auf Internet-Marktplätzen wie ebay, amazon oder ioffer. Die Marktplätze selber bieten keine Sicherheit und sind für die Angebote anderer nicht verantwortlich. Das gilt auch dann, wenn der Versand durch den Marktplatz selber bzw. aus dessen Versandlagern erfolgt.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 23. Januar 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 14:05 Uhr