Service | 04.02.2020 Wie sicher ist Autofahren ohne Schlüssel?

So praktisch! Der Schlüssel steckt noch irgendwo in den Untiefen der Tasche und das Auto geht trotzdem auf und lässt sich starten. Doch auch Funk-Autoschlösser lassen sich knacken. Auch in Thüringen gab es jüngst Autodiebstähle mit dieser Masche.

Ein Mann hält einen Autoschlüssel.
Praktisch oder gefährlich? Bildrechte: imago/Westend61

Mit Schraubenzieher und Kleiderbügel rücken Autodiebe nicht mehr aus. Funk-Schlösser werden per Computer geknackt. Schon länger warnt der ADAC vor unsicheren Keyless-Schließsystemen. Wie die Autodiebe vorgehen und wie Autobesitzer es den Langfingern einfach machen, erläutert Johannes Boos, Sprecher des ADAC. Der Autoclub fordert die Hersteller auf, technisch nachzubessern, so wie es bereits möglich ist und auch in der Praxis funktioniert.

Wie fahren ohne Schlüssel funktioniert?

Das Keyless-System besteht im Wesentlichen aus einem Funkschlüssel und einer Sende-/Empfangseinheit im Auto. Der Schlüssel sendet permanent ein "Hallo Auto, ich bin dein Schlüssel"-Signal. Das Auto wiederum sendet die ganze Zeit "Hallo Schlüssel, wo bist Du". Dieses Autosignal ist auf wenige Meter um das Auto herum begrenzt. Kommt nun der Besitzer mit dem Schlüssel zum Auto, erkennt es den Schlüssel. Dann werden fünf Meter vor dem Auto schon die ersten Systeme hochgefahren. Direkt am Auto wird dann die Tür entriegelt. Gleichzeitig werden Signale an die Bordelektronik gesendet, dass der richtige Schlüssel an Bord ist. Nun braucht der Fahrer nur noch auf den Startknopf zu drücken. Die Wegfahrsperre wird entriegelt, der Motor gestartet und los geht's. 

Keyless Autoschlüssel 8 min
Bildrechte: imago images / imagebroker

Wie kann das System geknackt werden?

Autodiebe nutzen einen sogenannten Key-Scanner und einen Reichweitenverlängerer. Kommt nun der Dieb mit dem Scanner in die Nähe des Schlüssels, greift er dort das Signal ab und sendet es an den Reichweitenverlängerer. Ein zweiter Dieb hält diesen Verlängerer ans Auto. Das erkennt das Signal seines Schlüssels, entriegelt die Türen und macht sich startbereit. Manche Autodiebe fassen das Signal zum Beispiel vom Autoschlüssel ab, der auf der Kommode neben der Wohnungstür liegt.

Klingt kompliziert...

Die Software und die Geräte zum Knacken der Keyless-Systeme gibt es im Internet zu kaufen. Zwar kostet die Technik pro Automarke bis zu 35.000 Euro, doch für kriminelle Diebesbanden scheint das kein Problem zu sein. Der Diebstahl geht so schnell und unkompliziert, dass die Spezialisten pro Nacht oftmals mehrere Autos klauen - von Kleinwagen bis Oberklasse.

Das Problem mit der Versicherung

Die Diebe hinterlassen praktisch keine Spuren. Keine Splitter von eingeschlagenen Autoscheiben, keine Lackspuren vom Aufhebeln der Türen. Keine Einbruchspuren am Haus, um den Autoschlüssel zu klauen. Das macht es für Polizei und Versicherung nahezu unmöglich, einen Diebstahl aufzuklären. Das Auto ist einfach weg. Der Besitzer bekommt dann in der Regel den aktuellen Wiederbeschaffungswert seines Autos von der Vollkaskoversicherung ersetzt - wenn er denn eine hat.

Scannen des Schlüssels verhindern

Autobesitzer schützen sich, indem sie:

  • den Autoschlüssel im Haus möglichst weit von Haustür oder Fenstern entfernt lagern,
  • sich einen Schlüsseltresor besorgen,
  • den Schlüssel im Haus und unterwegs in einer speziellen Metallbox aufbewahren, die keine Funksignale durchlässt,
  • den Schlüssel in drei Lagen Alufolie wickeln, das ist für ein Oberklassefahrzeug etwas merkwürdig aber sehr effektiv
  • das Auto (falls vorhanden) in einer abgeschlossenen Garage parken
  • das Keyless-System deaktivieren (Händler fragen) - zum Beispiel per verstecktem Hauptschalter im Innenraum.

Es geht weiter

Die nächste Generation schlüsselloser Öffnungstechnik ist auch schon auf dem Markt. BMW, Mercedes und Chrysler zum Beispiel lassen mit Connected Drive das Auto per App öffnen und einzelne Funktionen steuern. Und auch hier sind Diebe und Hacker schon auf dem Stand der Technik und in der Lage, die Systeme zu knacken.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 04. Februar 2020 | 11:10 Uhr