Schnelle Hilfe nach der 112
Unter der 112 ist schnelle Hilfe europaweit erreichbar. Bildrechte: IMAGO

Service | 11.02.2019 Europäischer Tag des Notrufs

Schlimmer Verkehrsunfall, Kindernotfall zu Hause, Feuer: In solchen Notsituationen ist die europaweite 112 die richtige Nummer. Mit dem Aktionstag möchte die EU auf die Notfallnummer aufmerksam machen.

Schnelle Hilfe nach der 112
Unter der 112 ist schnelle Hilfe europaweit erreichbar. Bildrechte: IMAGO

In Deutschland ist die 112 schon seit mehr als 40 Jahren die zentrale Nummer, über die Rettungsdienst und Feuerwehr gerufen werden. Ende 2008 hat sich dann auch die Europäische Union auf die 112 als Notrufnummer geeinigt. Sie ist in allen EU-Ländern kostenfrei aus dem Festnetz und von allen Handys erreichbar. Auch in der Türkei, in Russland und selbst in den USA kommt über die 112 schnelle Hilfe. In den Vereinigten Staaten wurde extra eine Umleitung auf die dort gültige 911 eingerichtet. Damit müssen deutsche Urlauber im Ernstfall nicht erst lange nach der richtigen Notrufnummer suchen.

Was ist wo passiert und wie viele Verletzte gibt es?

Retter nach einem Unfall
Schnelle Hilfe kann Leben retten. Bildrechte: IMAGO

Allerdings kennen laut regelmäßigen Umfragen noch immer viele EU-Bürger die 112 nicht. Daher machen das Europäische Parlament, der Rat der Europäischen Union und die EU-Kommission am 11. Februar regelmäßig auf die lebenswichtige Notfallnummer aufmerksam. Der Tag passt, weil er die 11 und die 2 im Datum hat. Außerdem hat die EU eine Übersicht der Notrufnummer 112 in allen Ländern zusammengestellt.

Damit die richtige Hilfe schnell kommt, sollten Anrufer immer die wichtigsten Fakten am Telefon durchgeben: Was ist wo passiert, wie viele Menschen wurden verletzt und was für Verletzungen müssen behandelt werden? Am Tag des Notrufs weisen die Retter zudem noch einmal drauf hin, dass die 112 keine allgemeine Auskunftsnummer ist. Immer wieder werden Mitarbeitern der Rettungsstellen Fragen zu Öffnungszeiten von Ämtern oder zur Müllabfuhr gestellt. Das blockiert die Leitung für Notfälle.

Notruf 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erste Hilfe bis zum Eintreffen der Retter

Zum Tag des Notrufs weisen viele Rettungsverbände noch einmal darauf hin, wie wichtig Erste Hilfe ist. Bei akuten Verletzungen nach einem Unfall oder einem Unglück seien besonders die ersten Minuten wichtig. Nach Studien des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) könnten zehn Prozent aller Unfalltoten noch leben, wenn jemand schnell Erste Hilfe geleistet hätte. Zudem könnten nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) pro Jahr 10.000 Menschen mehr eine Herzattacke überleben, wenn mehr Laien reanimieren würden. Falk Stirkat ist Notarzt aus Jena und hat passend zum Tag des Notrufs das Buch "25 Notfälle und wie Sie darauf reagieren“ herausgebracht. Er sagt:

Wenn Sie auf der Straße beobachten, wie es jemand zusammensackt oder ohnmächtig wird, dann ist es ihre Pflicht, erste Hilfe zu leisten. Und zwar im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Oft reicht es schon, einen bewusstlosen Fahrer aus dem Auto zu bergen und in die stabile Seitenlage zu bringen. Allerdings liegt bei den Deutschen der letzte Erste Hilfe-Kurs länger als fünfzehn Jahre zurück. Entsprechend haben viele Angst, im Ernstfall etwas falsch zu machen. Das DRK empfiehlt, den Erste Hilfe-Kurs alle zwei bis drei Jahre aufzufrischen. Auffrischungskurse bieten neben dem DRK auch die Hilfsorganisationen Johanniter, die Malteser und der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in vielen Städten und Region an.

Das Auffrischen der Erste Hilfe-Kenntnisse ist aus Sicht des DRK und der Johanniter auch aus einem anderen Grund wichtig: Die Inhalte der Kurse haben sich über die Jahre geändert. So werden beispielsweise deutlich weniger und einfachere Schritte für die stabile Seitenlage vermittelt. Beim Wechsel aus Herzdruckmassage und Beatmen lehren die Retter inzwischen auch etwas anders. Früher wurde gezeigt: 15mal drücken und dann beatmen. Heute wird empfohlen: 30 Druck-Massagen und dann beatmen. Wir haben als kleine Erinnerung alle Fakten zur Ersten Hilfe noch einmal zusammengestellt.

Erste Hilfe - so geht's!

Fakten Erste Hilfe
Im Ernstfall gelten drei ganz einfache Regeln: Prüfen, rufen und drücken. Bildrechte: IMAGO
Fakten Erste Hilfe
Im Ernstfall gelten drei ganz einfache Regeln: Prüfen, rufen und drücken. Bildrechte: IMAGO
Ein Ersthelfer zeigt Erste Hilfe bei einem Mädchen im Schwimmbad
Prüfen sie erst durch Schütteln an den Schultern, ob die Person reagiert. Dann halten sie ihr Ohr an Mund und Nase, um Atemzüge zu vernehmen. Dabei haben sie auch den Brustkorb im Blick. Den Puls messen sie mit Zeige- und Mittelfinger seitlich des Kehlkopfes am Hals des Verletzten. Bildrechte: IMAGO
Fakten Erste Hilfe
Dann rufen sie einen Krankenwagen über die Notrufnummer 112 oder bitten Umstehende, das zu tun. Bildrechte: IMAGO
Fakten Erste Hilfe
Sind Puls und Atmung da, reicht die stabile Seitenlage. Bildrechte: IMAGO
Fakten Erste Hilfe
Fehlt der Puls, muss bis zum Eintreffen der Helfer mit der Wiederbelebung begonnen werden. Dazu drücken sie auf den Brustkorb des Patienten - am besten im Takt von "Stayin' Alive" von den Bee Gees. Der entspricht der optimalen Geschwindigkeit von 100 Mal pro Minute. Nach dreißig mal drücken wird zweimal Beatmen empfohlen. Nicht zu sachte drücken! Hören sie erst auf, wenn Hilfe eintrifft. Bildrechte: IMAGO
Fakten Erste Hilfe
Keine Angst vor Fehlern haben! Bisher wurde laut ASB kein einziger Ersthelfer belangt, weil er bei seiner Hilfe einem Verletzten irgendwie geschadet haben könnte.   Bildrechte: IMAGO
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Haase und Waage am Vormittag | 11. Februar 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2018, 16:05 Uhr