Blutdruckmesser, 2009
Risikofaktor Bluthochdruck Bildrechte: IMAGO

Service | 15.05.2019 Gefährlicher Bluthochdruck

Bluthochdruck ist der Risikofaktor Nummer eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Etwa 50 Prozent der Herzinfarkte und Schlaganfälle wären vermeidbar, wenn man rechtzeitig etwas gegen Bluthochdruck machen würde, schätzen Experten. Doch jeder Fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung.

Blutdruckmesser, 2009
Risikofaktor Bluthochdruck Bildrechte: IMAGO

Rund 20 Millionen Deutsche haben Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt. Im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich betroffen ist Sachsen-Anhalt. Hier gibt es laut Robert-Koch-Institut fast 15 Prozent mehr Bluthochdruckpatienten als in Baden-Württemberg beispielsweise. Das wirkt sich auch auf die Herzinfarktrate aus. Auch hier ist Sachsen-Anhalt Spitzenreiter. Kein Wunder, denn Bluthochdruck lässt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche steigen. Auch das Risiko für eine chronische Nierenschwäche und Demenz erhöhen sich mit Bluthochdruck.

Was bedeuten die Blutdruckwerte?

Unser Herz schlägt in zwei Phasen. Erst zieht es sich kräftig zusammen, um Blut in den Körper auszustoßen. Und dann entspannt es sich wieder, um sich neu mit Blut zu füllen. Die Phase, in der das Herz sich zusammenzieht, heißt ‚Systole’. Dabei entsteht hoher Druck. Wenn das Herz zwischen zwei Schlägen wieder erschlafft, heißt das – ‚Diastole’. Der Druck in den Blutgefäßen wird niedriger.

Wenn wir den Blutdruck messen, dann kommen deswegen immer zwei Werte raus, ein hoher und ein niedriger. 120 - das ist der normale systolische Blutdruck. 80 – das ist der normale diastolische Blutdruck. Bei der richtigen Einstellung des Drucks helfen Nervensystem, Hormone und die Gefäßwände. Mit zunehmendem Alter werden vor allem die Blutgefäße starrer, Ablagerungen bilden sich. Die Folge: Der Druck steigt.

Stichwort Blutdruck Um nährstoff- und sauerstoffreiches Blut durch den Körper zu transportieren, bedarf es eines bestimmten Blutdruckes. Angegeben wird dieser in mmHG (Millimeter Quecksilbersäule). Gemessen werden immer zwei Werte: der Druck vom Herzen weg und der wieder zum Herzen zurück. Normal ist ein Blutdruck von etwa 120/80 mmHG. Ist man aufgeregt oder im Urmenschensinne kampf- und fluchtbereit, erhöht sich der Blutdruck, damit in dieser Situation mehr Sauerstoff und Nährstoffe die Zellen erreichen. Außerdem sinkt das Schmerzempfinden. Über kurze Zeit ist ein höherer Blutdruck also durchaus normal, ja sogar wichtig. Problematisch wird es, wenn der Blutdruck über längere Zeit oben ist oder nur sehr selten den Normalzustand erreicht.

Wann ist der Blutdruck zu hoch?

Nach Definition der WHO haben Menschen ab einen Druck von 140 zu 90 mmHG einen zu hohen Wert. "Eine Absenkung des Blutdruckgrenzwertes könnte dazu anregen, früher Lebensstiländerungen wie Gewichtsreduktion, kochsalzarme Kost, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung vorzunehmen", sagt Professor Bernhard Krämer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hockdruckliga.

"Andererseits werden durch eine Absenkung der Blutdruckwerte deutlich mehr Menschen als bisher als Patienten eingestuft." In den USA sind durch eine Senkung des Grenzwertes auf 130 zu 80 mmHg quasi über Nacht 35 Millionen US-Amerikaner zu Bluthochdruckpatienten geworden. Aktuell empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga es bei einer Selbstmessung kritisch zu sehen, wenn die Werte von 135 zu 85 mmHg überschreiten.

Ist mein Blutdruck normal?

  Systolisch Diastolisch
Optimal <120 <80
Normal 120-129 80-84
Hochnormal 130-139 85-89
Bluthochdruck Grad 1 140-159 90-99
Bluthochdruck Grad 2 160-179 100-109
Bluthochdruck Grad 3 ≥180 ≥110

Quelle: Pocket-Leitlinien der European Society of Cardiology in mmHg

Richtig Blutdruck messen

Wenn Sie den Blutdruck selbst zu Hause messen, sollten Sie folgende Hinweise beachten:

Blutdruckmesser an einem Arm, 2011
Bildrechte: imago/fotoimedia

  1. Vor der Messung mindestens fünf Minuten Ruhe einplanen. Körperliche Anstrengung vor der Messung vermeiden.
  2. Die Blutdruckmanschette sollte sich auf Herzhöhe befinden. Das ist vor allem bei Handgelenksgeräten wichtig.
  3. Immer zur gleichen Zeit messen. Zu häufiges Messen hintereinander verfälscht die Werte.
  4. Beim Messen nicht bewegen oder sprechen. Anspannung in der Muskulatur ergibt eine fehlerhafte Messung.
  5. Notieren Sie sich Ihre Messergebnisse mit Datum und Uhrzeit. Das hilft dem Arzt für eine Langzeitanalyse.

Die Ursachen von Bluthochdruck

Viele Faktoren wirken auf den Blutdruck ein. Nervensystem, Organe, Blutgefäße und biochemische Botenstoffe spielen dabei zusammen. Noch immer weiß man nicht genau wie. Fakt ist, dass nur etwa zehn Prozent aller Erkrankungen erblich bedingt sind. Der Rest hängt unmittelbar mit unserem Leben und Erleben zusammen. Zu viel und dauerhafter Stress treibt den Blutdruck hoch.

Auch Rauchen, zu wenig Bewegung, falsche Ernährung und Übergewicht wirken sich hinderlich aus. Das Risiko, unter Bluthochdruck zu leiden, wächst mit dem Alter. Die Gefäße verlieren mehr und mehr ihre Elastizität, der Stoffwechsel wird allgemein schlechter.

Das droht bei dauerhaft schlechten Werten

Bluthochdruck tut nicht weh. Betroffene merken die Krankheit in der Regel nicht. Nur in wenigen Fällen, wenn der Druck hochschnellt, kann es unter anderem zu Schwindel oder Benommenheit kommen. Stehen die Gefäße dauerhaft unter zu hohem Druck, können winzig kleine Verletzungen entstehen. Der Körper repariert sie mit bestimmten Eiweißverbindungen, die wie ein Kleber funktionieren. Daran können sich wieder andere Stoffe anlagern, sodass sich das Gefäß mit der Zeit verengt und die Durchblutung gestört wird.

Das kann zu weiteren massiven Schäden an den Blutgefäßen führen. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren können so besonders Herz, Gehirn und andere Organe wie die Nieren Schaden nehmen. Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen drohen. Auch Schäden an den Augen können auftreten. Nicht immer kann eine direkte Verbindung zum Bluthochdruck festgestellt werden: Experten schätzen, dass in Deutschland etwa 140.000 Menschen pro Jahr an einer Folgekrankheit des Bluthochdrucks sterben!

Was kann ich selbst tun?

Bluthochdruck entsteht in der Regel auch durch eine Summe beeinflussbarer Angewohnheiten. Bewegung beispielsweise führt zu einer besseren Durchblutung aller Gefäße und hilft dabei, Gewicht zu reduzieren oder zu halten. Erhöhte Blutfettwerte dagegen verengen langfristig die Blutgefäße, genauso wie Nikotin.

Ein Mann in Anzughose und weißem Hemd sitzt im Lotossitz meditierend auf einer Wiese.
Gute Selbsthilfe-Maßnahmen: Yoga oder autogenes Training Bildrechte: colourbox

Auch Stress treibt den Blutdruck in die Höhe. Entspannungsverfahren wie Yoga oder autogenes Training sind daher für Bluthochdruckpatienten eine gute Selbsthilfe-Maßnahme. Bei deutlich erhöhtem Blutdruck müssen Medikamente eingenommen werden, die es in fünf Substanzklassen gibt. Diese werden als alleinige Mittel oder in Kombination eingesetzt.

Behandlung mit Medikamenten

Zunächst ist wichtig, dass Bluthochdruck möglichst früh erkannt wird. Deshalb sollten auch gesunde Menschen wenigstens zweimal im Jahr ihren Blutdruck messen lassen. Diagnostiziert ein Arzt schließlich Bluthochdruck, wird derzeit mit fünf unterschiedlichen Wirkstoffen an verschiedenen Stellen im Blutkreislauf behandelt.

Welches Medikament für den jeweiligen Patienten in Frage kommt, kann nur ein Facharzt klären. Oft braucht auch der Spezialist mehrere Wochen und verschiedene Medikamenten-Kombinationen, bis der Blutdruck des Patienten richtig eingestellt ist. Geduld und ein enges Zusammenspiel zwischen Arzt und Patient sind hier notwendig.

Alternativmedizinische Behandlungen

In der alternativen Medizin wird versucht, positiv auf die Gefäßgesundheit einzuwirken. Das kann beispielsweise mit simplem Wassertreten nach Kneipp geschehen. Wechselgüsse mit warmem und kaltem Wasser sind ebenso gesund. All das trainiert die Elastizität der Gefäße. Mittelalterlich anmutende Methoden wie etwa der Aderlass oder das Schröpfen werden gerade an großen Krankenhäusern wie der Charité Berlin erforscht.

Schröpftöpfe auf dem Rücken eines Mannes
Überraschende Erfolge zeigen alternative Behandlungen wie das Schröpfen. Bildrechte: IMAGO

In ersten Studien wurden von den Medizinern überraschende Erfolge erzielt. Beim Aderlass wurden den Patienten aller zwei Monate rund ein halber Liter Blut abgenommen. Das führte über ein Jahr zu einem dauerhaft niedrigeren Blutdruck auch ohne Medikamente. Die Experten vermuten, dass Schröpfen und Aderlass wie eine Frischzellenkur für die Blutgefäße wirkt. Der Körper wird altes, belastetes Blut los und bildet neues. Selbst eine Blutspende aller drei Monate kann diesen Effekt haben.

Im Leipziger Krankenhaus Sankt Georg wird ein Blutdruckschrittmacher erprobt. Er kommt nur dann zum Einsatz, wenn kein Medikament mehr hilft. Der Schrittmacher gaukelt dem Körper über elektrische Signale einen noch höheren Blutdruck vor. Der Körper versucht mit allen eigenen Mitteln, den Druck zu senken.

Neue Hoffnung "Renale Denervierung"

Wer trotz der Einnahme von mehreren Medikamenten immer noch gefährlich Bluthochdruck hat, könnte zukünftig von der sogenannten "Renalen Denervierung" profitieren. Dabei wird in einem kleinen operativen Eingriff über die Leiste ein Katheter bis zu den Nierenarterien geschoben, weil der Blutdruck auch von den Nerven in den Nierenarterien reguliert wird. An der Spitze des Katheters befinden sich Elektroden, die mit Hochfrequenzstrom erhitzt werden.

"Die Idee bei der Prozedur ist, die Nervenfasern mit Hitze zu zerstören, weil diese Nervenfasern zu aktiv sind und dadurch zu Bluthochdruck führen", erklärt Dr. Philipp Lurz, Kardiologe am Herzzentrum Leipzig. Noch wird die Therapie nur an wenigen Kliniken durchgeführt. Sie ist auch nur für solche Patienten geeignet, bei denen keine Medikamente anschlagen, wie bei Lutz-Michael Matthias. Er hat sich gerade dem Eingriff am Herzzentrum Leipzig unterzogen. Etwa sechs Wochen nach der OP wird er wissen, ob die Therapie anschlägt. Bei etwa dreiviertel aller behandelten Patienten ist das der Fall.

Fazit

Wenn Sie einen erhöhten Blutdruck feststellen, gehen Sie zum Arzt. Nur der Fachmann kann Ihre Lage genau einschätzen und eine sinnvolle Behandlung planen. Nehmen Sie auf keinen Fall in Eigenregie Nahrungsergänzungsmittel oder andere Medikamente zu sich. Nehmen Sie einen hohen Blutdruck ernst und versuchen Sie, neben der medizinischen Behandlung auch Ihre sonstige Lebensweise so umzustellen, dass der Blutdruck sinkt. Auch junge, scheinbar gesunde Menschen können unter einem zu hohen Blutdruck leiden. Unbehandelt drohen schwere Folgeerkrankungen.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Haase und Waage am Vormittag | 15. Mai 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2019, 05:00 Uhr