Service | 10.12.2018 Irrtümer beim Erben

Wer verheiratet ist, erbt automatisch? Wer enterbt wurde, bekommt nichts? "Finanztest" räumt mit den häufigsten Erb-Irrtümern auf. Thema in der Servicestunde bei Haase und Waage.

Eine junge Mutter hält beim Kochen ihr Kleinkind auf dem Arm.
Nichteheliche Kinder bekommen nichts vom Nachlass Das stimmt nicht. Nichteheliche Kinder sind ebenso erbberechtigt wie eheliche. Wenn Sie nicht wollen, dass ein Kind aus einer früheren Beziehung erbt (zum Beispiel, weil sie keinerlei Kontakt mehr zu ihm haben) können Sie es im Testament enterben. Der Anspruch auf einen Pflichtteil bleibt aber bestehen (siehe Irrtum 7). Bildrechte: dpa
Ein Brautpaar steht in der Hochzeitskapelle in Callenberg
Wenn ich sterbe, erbt mein Ehepartner automatisch alles Nicht unbedingt. Er erbt alles, wenn Sie ihn in Ihrem Testament zum Alleinerben gemacht haben. Wenn nicht, ist Ihr Ehepartner nur einer von vielen möglichen Erben. Ohne ein Testament gilt die gesetzliche Erbfolge, die das BGB regelt. So erben (falls vorhanden) auch Kinder, Enkel oder Urenkel. Gibt es keine, folgen die eigenen Eltern oder Geschwister. Wenn Sie gemeinsame Kinder haben und es kein Testament gibt, bekommt Ihr Ehepartner ( bei einer Ehe im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft) die Hälfte des Erbes, die Kinder die andere Hälfte. Alle zusammen bilden dann eine Erbengemeinschaft, die über den Nachlass nur gemeinsam entscheiden kann. Bildrechte: dpa
Ein junger Mann und eine junge Frau sitzen bei einem Glas Bier an einer Bar
Mein langjähriger Lebenspartner gehört zum Kreis der Erben Das stimmt nicht. Im Erbfall behandelt das BGB Unverheiratete wie Fremde. Ein gesetzliches Erbrecht gilt für sie nicht. Das bedeutet: Hinterlässt der Verstorbene kein Testament oder Erbvertrag, geht der andere komplett leer aus - selbst nach jahrzehntelangem Zusammenleben. Ein Problem bleibt allerdings bestehen: Geht es um die Erbschaftsteuer, sind unverheiratete Partner deutlich schlechter gestellt als Verheiratete. Sie können nur 20.000 Euro steuerfrei erben, bei Verheirateten sind es 500.000 Euro. Alles, was über den Freibetrag hinausgeht, muss versteuert werden. Bildrechte: IMAGO
Testament
Wenn ich ein Testament machen will, muss ich zum Notar Nein. Sie können Ihr Testament auch ganz allein aufsetzen - ohne dass es ein Notar beurkunden muss. Aber: Viele selbst verfasste Testamente sind unwirksam.Deshalb ist es sinnvoll, einen Fachmann (Notar, Fachanwalt für Erbrecht) zu beauftragen. Denn Sie müssen die richtigen Worte finden, um Ihr Vermögen zu verteilen. Dazu gehört, genau festzulegen, wer was erben soll, gerade bei größeren Vermögen oder komplizierten Familienverhältnissen - zum Beispiel in einer Patchworkfamilie.

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Menschen vor Gräbern auf einem französischen Friedhof
Meine Kinder dürfen meinen letzten Willen selbst umsetzen Das geht nicht. Wer ein Testament aufbewahrt oder wer eines findet, muss es nach dem Tod des Verfassers unverzüglich beim zuständigen Nachlassgericht abgeben (meist Wohnsitz des Verstorbenen). Das Nachlassgericht führt das Nachlassverfahren. Dem Nachlassgericht müssen alle Schriftstücke vorgelegt werden, die ein Testament sind oder sein könnten (Briefe). Wer ein Testament nicht abliefert, macht sich wegen "Urkundenunterdrückung" strafbar und kann als "erbunwürdig" nichts vom Erbe bekommen. Bildrechte: Colourbox
Ein Junge bekommt von seinen Eltern ein Geschenk
Um der Steuer zu entgehen, sollte ich alles vorab verschenken Das ist nicht nötig. Denn Erbschaftsteuer wird erst dann fällig, wenn die steuerlichen Freibeträge der Erben ausgeschöpft sind. Eheleute haben in einem Erbfall einen Freibetrag in Höhe von 500.000 Euro, für Kinder beträgt er 400.000 Euro. Wenn mehrere Personen gemeinsam erben und jeder seinen Freibetrag nutzt, gehen sogar größere Erbschaften steuerfrei von einem zu den anderen. Steuerfrei bleibt auch das selbst bewohnte Familienheim, wenn der erbende Ehepartner oder die erbenden Kinder weiter dort wohnen oder einziehen. Wenn der neue Bewohner mindestens zehn Jahre in Haus oder Wohnung bleibt, wird keine Erbschaftsteuer fällig. Bildrechte: Colourbox
Zwei Männer stehen sich gegenüber und schreien sich an.
Mein enterbter Sohn bekommt keinen Cent vom Vermögen! Sie können erbberechtigte Angehörige zwar in Ihrem Testament enterben. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Enterbte komplett leerausgeht. Das verhindert oft genug der Anspruch auf den Pflichtteil, der - je nach Familienkonstellation - Ehepartnern, Kindern, Enkeln oder Urenkeln sowie den Eltern des Verstorbenen zusteht. Die konkrete Höhe hängt vom Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen und der Zahl der Erben ab, bei Eheleuten auch vom vereinbarten Güterstand. Bildrechte: Colourbox.de
Eine junge Mutter hält beim Kochen ihr Kleinkind auf dem Arm.
Nichteheliche Kinder bekommen nichts vom Nachlass Das stimmt nicht. Nichteheliche Kinder sind ebenso erbberechtigt wie eheliche. Wenn Sie nicht wollen, dass ein Kind aus einer früheren Beziehung erbt (zum Beispiel, weil sie keinerlei Kontakt mehr zu ihm haben) können Sie es im Testament enterben. Der Anspruch auf einen Pflichtteil bleibt aber bestehen (siehe Irrtum 7). Bildrechte: dpa
Ein Zettel, auf dem "Es ist aus!" geschireben steht, liegt auf einer Computertastatur
Wenn ich geschieden bin, kann mein Expartner nichts erben Mit einer Scheidung endet das gesetzliche Erbrecht des Ehepartners. Trotzdem kann Ihr Expartner über Umwege Zugriff auf den Nachlass bekommen oder sogar erben, wenn Sie nicht in Ihrem Testament vorsorgen. Stirbt etwa der Ex-Mann, wenn das erbberechtigte Kind noch minderjährig ist, hat die Ex-Frau bis zur Volljährigkeit des Kindes Zugriff auf das Geld. Stirbt das gemeinsame Kind als Jugendlicher, bekommt die Mutter und Ex-Frau das Vermögen (sollte es nicht anders geregelt sein). Bildrechte: IMAGO
Begräbnis auf einem Friedhof - Ein Sarg wird zum Grab gebracht
Schlage ich aus, muss ich die Beerdigung nicht bezahlen Die Kosten einer Bestattung müssen aus dem Vermögen des Verstorbenen bezahlt werden. Also muss der Erbe dafür aufkommen. Wenn die Erbschaft allerdings überschuldet ist, schlägt der Erbe sie in der Regel aus. Eine Ausschlagung ändert aber oft nichts daran, dass er trotzdem die Kosten für die Bestattung zahlen muss. Bildrechte: IMAGO
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag | 10. Dezember 2018 | 11:10 Uhr