Servicestunde | 25.11.2020 | 11:00 Uhr Die richtige Krankenversicherung wählen

Die beiden großen Systeme der Krankenversicherungen bieten vom Basis- bis zum Rundumschutz beinahe alles an. Doch für wen lohnt sich der Wechsel und ist Sparsamkeit bei der Wahl der Krankenkasse wirklich angebracht? Was kosten die Versicherungen, wenn man alt oder chronisch krank ist?

Illustration: Rechnung der Krankenkasse
Bei den zahlreichen Zusatzleistungen kann die Wahl der richtigen Krankenkasse schwer werden. Bildrechte: Colourbox

Ob gesetzlich oder privat krankenversichert – die Leistungen müssen stimmen

Viele Menschen in Deutschland haben gar keine Wahl: Sie müssen in die gesetzliche Krankenversicherung eintreten. Allerdings ist dies für die meisten auch die bessere Alternative. Denn dort wird jeder aufgenommen, egal wie alt oder krank er ist. Außerdem richtet sich der Beitrag nach der Höhe des Einkommens und Kinder sind kostenlos mitversichert. Vom Grundsatz her erhalten Menschen in diesem Solidarsystem also alle die gleichen Leistungen, müssen selbst aber nur das bezahlen, was sie sich auch leisten können

Solidarsystem vs. Individualsystem

Dagegen steht in der privaten Krankenversicherung jeder für sich selbst ein. Das hat den Vorteil, dass sich jeder Versicherte dort aussuchen kann, welche Leistungen er genau versichern möchte. Wer jung und gesund ist, zahlt außerdem weniger. Der Nachteil: Wird es im Alter teurer und das Geld knapp, springt kein Solidarsystem ein. Außerdem brauchen Kinder ihren eigenen Vertrag, kosten also extra.

Wer darf wechseln?

In die private Krankenversicherung darf längst nicht jeder wechseln. Beamte, Studierende, Selbstständige können sich immer privat versichern. Angestellte nur, wenn sie mehr als 62.550 Euro im Jahr verdienen (Stand 2020). Während es für Beamte eigentlich immer sinnvoll ist, sollten alle anderen genau rechnen, ob sie sich die PKV auch langfristig leisten können. Denn die Beiträge steigen - auch im Alter. Und auch die Familienplanung sollte bei der Überlegung mit einbezogen werden.

Ein Blutdruckmessgerät
Es gibt eine schier endlose Auswahl an Tarifen. Bildrechte: colourbox

Tarife der PKV

Geht es dann um die Wahl des richtigen Tarifs, wird es unübersichtlich. Die privaten Krankenkassen bieten eine schier endlose Auswahl an Tarifen, die sich nur schwer vergleichen lassen. Denn viele Klauseln sind kaum zu verstehen, wie viel die Versicherung am Ende zahlt, ist schwer zu erfassen. Den wirklich passenden Vertrag, der genau das Gewünschte bezahlt, gibt es für niemanden. Am Ende der Suche steht meist ein Kompromiss. Denn es ist längst nicht so, dass alle Tarife in der privaten Krankenversicherung leistungsstark sind. Wer am falschen Ende spart, bekommt mitunter sogar weniger als bei den gesetzlichen Krankenkassen.

Die richtige gesetzliche Krankenkasse

Bei der GKV ist es da wesentlich unkomplizierter. Ein Großteil der Leistungen ist bei allen Kassen gleich, da sie gesetzlich vorgegeben sind. Wirklich falsch liegt mit der Wahl seiner Krankenkasse also niemand. Allerdings unterscheiden sich die Kassen bei der Höhe des Zusatzbeitrags und bei den angebotenen Zusatzleistungen. Alle Krankenkassen erheben einen Zusatzbeitrag, den allein der Versicherte trägt.

Neben den vorgeschriebenen Regelleistungen dürfen die Krankenkassen außerdem in einem gewissen Rahmen Zusatzleistungen anbieten. Häufig handelt es sich hier um alternative Heilmethoden wie Homöopathie oder die Erstattung von Reiseimpfungen, einer Haushaltshilfe bei Krankheit oder zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen. Unterschiede gibt es außerdem bei den Bonusprogrammen und Wahlleistungen der Kassen.

Was für und gegen einen Wechsel spricht

Manchmal geht es aber auch um sehr spezielle Leistungen Ihrer Krankenkasse. Wenn Sie solche speziellen Leistungen benötigen und Ihre bisherige Kasse gut funktioniert, spricht das gegen einen Wechsel.

Wenn es aber gerade nicht funktioniert, spricht das besonders für einen Wechsel. Vor diesem Wechsel sollten Sie allerdings bei der in Aussicht genommenen Kasse noch einmal genau nachfragen, wie genau die besonders wichtige Leistung in Ihrer Region, in Ihrer Stadt gewährleistet wird. Nicht dass Sie vom Regen in die Traufe kommen. Wechseln können Sie nämlich nur alle 18 Monate.

Keine Sorge: Nicht versichert zu sein, dass kann Ihnen bei einem Wechsel nicht passieren. Klappt der Wechsel aus irgendeinem Grund nicht, sind Sie weiterhin bei Ihrer alten Kasse versichert.

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN mit Haase und Waage | 25. November 2020 | 11:10 Uhr