Service | 09.03.2020 Die Brutzeit beginnt: Nistkästen im Garten anbringen

Nicht jeder Vogel fühlt sich in jedem Nistkasten wohl. Es kommt dabei auf viele verschiedene Dinge an - Material, Einflugöffnung, Standort. Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung erklärt, was Sie beachten sollten.

Ein Meisenkasten aus Holz an einer Hauswand.
Welcher Vogel brütet in welchem Nistkasten? In dieser Behausung ziehen Meisen ein. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Wer Vögel in den Garten locken möchte, kauft meist ein Futterhäuschen. Doch auch Nistmöglichkeiten sind hoch im Kurs. Schade nur, wenn am Ende keine Vogelfamilie einzieht. Die Gründe dafür sind vielseitig. "Vögel sind froh, wenn wir ihnen schadstofffreie Immobilien zur Verfügung stellen", sagt Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung.

Ein Grund für einen unbewohnten Brutkasten können also die Materialien sein. "Wichtig sind naturbelassene Materialien ohne Chemie. Nistkästen aus Holz isolieren vor Hitze und Kälte, auch Holzbeton oder Terrakotta eignen sich gut, um darin zu hausen", sagt Eva Goris. Kunststoff hingegen eignet sich eher nicht als Material für den Hausbau, da es nicht atmungsaktiv ist. Das begünstigt im schlimmsten Fall die Schimmelbildung, da das Innere des Häuschens nicht trocknen kann.

Auch die Zeit, in der die Vogel-Immobilie aufgehängt wird, spielt eine entscheidende Rolle. Im Februar, spätestens Anfang März ist die perfekte Zeit, da die Vögel ab dem Frühjahr zu brüten beginnen. "Ab Mitte März starten die meisten Singvögel mit ihrer Brut- und Aufzuchtphase, spätestens im April liegen dann in allen Nestern Eier. Werden die Nisthilfen jetzt installiert, haben die Vögel noch ausreichend Zeit, das Nest zu beziehen und mit Laub, Moos und Zweigen so heimelig wie möglich zu gestalten", sagt Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung.

Tiere im Garten Vielfalt der Nistkästen

Den klassischen Meisenkasten kennt wohl jeder. Darüber hinaus gibt es jedoch eine große Vielfalt an speziellen Nistkästen für unterschiedliche Vogelarten. Aber auch Fledermäuse freuen sich über eigene Quartiere.

Ein Meisenkasten aus Holz an einem Baum.
Zwar werden diese weit verbreiteten Vogelkästen landläufig "Meisenkasten" genannt, aber es brüten auch gern andere Vogelarten darin, wie zum Beispiel Sperling, Trauerschnäpper und Kleiber - je nach Größe des Einflugloches. Der Vorteil dieses Modells ist seine einfache Bauweise. Mit ein wenig handwerklichem Geschick kann man auch selbst so einen Kasten bauen. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Ein Meisenkasten aus Holz an einem Baum.
Zwar werden diese weit verbreiteten Vogelkästen landläufig "Meisenkasten" genannt, aber es brüten auch gern andere Vogelarten darin, wie zum Beispiel Sperling, Trauerschnäpper und Kleiber - je nach Größe des Einflugloches. Der Vorteil dieses Modells ist seine einfache Bauweise. Mit ein wenig handwerklichem Geschick kann man auch selbst so einen Kasten bauen. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Ein Meisenkasten aus Holz an einer Hauswand.
Solche Kästen funktionieren auch als Doppelstockhaus. Dieses ältere Exemplar Marke Eigenbau hängt geschützt unter einem Vordach. Wenn die Oberseite des Kastens mit Blech oder anderen wasserabweisenden Materialien geschützt wird, hält er länger. Dachpappe eignet sich allerdings weniger, denn wenn im Hochsommer Teertropfen auf das Gefieder der Vögel fallen, bedeutet dies oft deren Tod. Der Vogelgesundheit zuliebe sollte man nach Möglichkeit unbehandeltes Holz verwenden und auf Holzschutzanstriche sowie farbige Lacke verzichten; den Vögeln ist es schließlich egal, ob ihr Haus bunt angemalt ist. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Ein Meisenkasten aus Holzbeton an einem Baum.
Das ist die moderne Variante des Meisenkastens. Das Material ist sogenannter Holzbeton, eine Mischung aus Sägespänen und Zement. Es ist sehr robust und mehrere Jahrzehnte lang haltbar - im Gegensatz zu den Nistkästen aus Holz. Eine weitere positive Eigenschaft dieses Materials ist sein guter Temperatur- und Feuchtigkeitsausgleich. Die Kästen sind allerdings weit schwerer als ihre hölzernen Verwandten und in der Anschaffung meist etwas teurer. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Eine historische Rörigsche Nisturne aus Ton.
Auch vergangene Generationen machten sich bereits um den Vogelschutz Gedanken. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten Vogelfreunde wie Arnold von Schlüter und Prof. Dr. Georg Rörig Nisturnen aus Ton, die dann in großer Stückzahl produziert wurden. Heutige Nisthöhlen bieten ihren Bewohnern vor allem mehr Brutraum, aber die Grundidee ist unverändert: Den Vögeln ein Stück Lebensraum zurückzugeben, den wir ihnen in unseren aufgeräumten Kulturlandschaften mitunter arg beschneiden. Im Bild zu sehen ist eine historische Rörigsche Nisturne aus Ton, die um 1915 hergestellt worden ist. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Vogelkasten für Nischen- oder Halbhöhlenbrüter.
Dieser Kasten ist für Nischen- oder Halbhöhlenbrüter wie Wasseramsel, Bachstelze, Rotkehlchen oder Hausrotschwanz gedacht. Durch die schmalen, ovalen Einfluglöcher sind die Vögel gut geschützt vor Räubern wie Katzen, Mardern, aber auch Elstern und Eichelhähern. Gleichzeitig fällt mehr Tageslicht ins Nest. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Eine sogenannte Halbhöhle aus Holz.
Auch hölzerne Konstruktionen wie diese Halbhöhle werden von Nischen- oder Halbhöhlenbrütern gern angenommen, allerdings bietet die große Öffnung Nesträubern ein leichteres Spiel.  Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Eine Zaunkönigkugel aufgehängt in einem Gehölz.
Eine Zaunkönigkugel aus Holzbeton. Da die zierlichen Vögel nicht besonders gut fliegen, bevorzugen sie geschützte Quartiere in Bodennähe. So kann die Kugel zum Beispiel in einer Hecke oder einem dichten Strauch aufgehangen werden. Im Idealfall sollten mehrere Kugeln angebracht werden, da der Zaunkönig-Mann zunächst mehrere Nester baut, aus denen die "Zaunkönigin" dann das ihr passende auswählt. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Eine Baumläuferhöhle, die am Stamm eines Obstbaums befestigt ist.
Eine Baumläuferhöhle ist zum Stamm hin offen, so können die Vögel in der Baumrinde nach Nahrung picken. Hierzulande trifft man vor allem den Garten- und den Waldbaumläufer an, äußerlich sind die zwei Arten für Laien allerdings kaum zu unterscheiden. Mitunter suchen aber auch Meisen und Fledermäuse den Schutz dieses speziellen Kastens auf. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Eine Steinkauzröhre an einem Obstbaum.
Dieses knapp einen Meter lange Gebilde ist eine Steinkauzröhre. Diese possierlichen Vögel sind bei uns leider extrem selten geworden und stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Die Röhren werden auf waagerechten Ästen von großen, älteren Obstbäumen angebracht. Nach Möglichkeit nicht auf Kirschbäumen, da die Erntezeit mit dem Flüggewerden der Jungen zusammenfällt. Am besten hängt man zwei bis drei Röhren in einem Revier auf. Innen wird Einstreu aus Sägespänen und Rindenstücken eingebracht. Wie alle Nisthilfen sollten auch diese Röhren im Winterhalbjahr kontrolliert werden, allerdings dürfen sie nicht gereinigt werden. Und es braucht mitunter Jahre bis irgendwann eine Besiedlung einsetzt. Vielleicht zieht vorher auch der Wiedehopf ein, ein ebenfalls selten gewordener Bewohner lichter Wiesen- und Weideflächen. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Eine Steinkauzröhre mit Marderschutz.
Steinkauzröhre mit Marderschutz: Die versetzten Löcher sollen den Räubern das Eindringen in die Röhre erschweren. Solcherart Schutzmaßnahmen sind an vielen Nistkästen zu finden. Ihr Nutzen ist allerdings umstritten. Im Zweifelsfall liegt man richtig, wenn man Nisthilfen mit und ohne Marderschutz aufhängt. Ohnehin sollte man mindestens zwei Steinkauzröhren im Abstand von 30 Metern oder mehr aufhängen, da die Vögel gern alternative Standorte zum Pausieren oder zur Vorratshaltung in Beschlag nehmen. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass der Garten in einem naturnahen Gebiet liegt, im städtischen Bereich sind solche Röhren wenig sinnvoll. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Ein Spatzenhaus an einer Hauswand.
Auch die Vögel in den Städten haben ihre Not. So ist der Bestand an Haussperlingen im letzten Jahrzehnt um etwa ein Viertel geschrumpft. Spatzen bilden kleinere Kolonien und lieben die Gesellschaft. Ein Spatzenhotel hat daher gleich mehrere Bruträume und passt an fast jede Hauswand. Generell sollten Nistkästen nicht in der Nähe größerer Fensterflächen angebracht werden. Vögel die gegen Glasscheiben fliegen, verletzten sich dabei meist tödlich. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Ein Vogelbrett unter einem Hausvordach.
Es muss nicht immer gleich ein ganzer Kasten sein, ein einfaches Holzbrett unter einem Vordach wird auch gern als Nistmöglichkeit angenommen. Im Spätherbst beziehungsweise Winter wird das Brett wie auch die Vogelkästen von den Nestresten gereinigt. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Ein Fledermauskasten aus Holz an einem Baum.
Auch Fledermäuse werden in unseren frisch sanierten Häusern zunehmend obdachlos. Mit Fledermauskästen kann man diesem Trend entgegenwirken. Die Kästen sind nach unten hin offen. Wichtig ist, dass das Quartier in drei bis sechs Metern Höhe aufgehängt wird und der Anflugweg von unten weitgehend frei ist. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Ein Fledermauskasten aus Holzbeton an einem Baum.
Dieser Fledermauskasten aus Holzbeton mit abnehmbarer Vorderwand richtet sich an die kleineren Arten wie Zwergfledermaus oder Mückenfledermaus. Am besten probiert man verschiedene Kästen aus, um herauszufinden, welche Fledermausarten im eigenen Garten anzutreffen sind. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 22. Dezember 2019 | 08:30 Uhr

Gespräch Vögel füttern 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Rotkehlchen ist ein Weichfutterfresser. Es liebt Rosinen oder Haferflocken an der Futterstelle. Gartenexpertin Brigitte Goss zeigt, wie man Futterglocken herstellt und erklärt, worauf man achten sollte.

MDR FERNSEHEN So 22.12.2019 08:30Uhr 02:52 min

https://www.mdr.de/mdr-garten/pflegen/futterglocke-herstellen-vogelfutter-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Auch die Form des Nistkastens ist für die potentiellen Bewohner entscheidend. Rotkehlchen lieben zum Beispiel breite Einflugöffnungen, wohingegen der Grauschnäbel und Zaunkönige direkt halboffene Nistkästen bevorzugen. Spatzen und Meisen benötigen lediglich eine ganz kleine Öffnung, während der Kleiber sich einfach direkt selbst um das passende Lock im Nistkasten sorgt, in dem er seinen geschickten Schnabel benutzt. Rauchschwalben bauen sich im Normalfall ihre Nester mithilfe von Lehm. Gibt es um das eigene Haus herum keine lehmigen Pfützen, hilft ein schalenartiger Nistkasten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/Deutsche Wildtier Stiftung

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 09. März 2020 | 11:05 Uhr