Service | 10.12.2019 Parkstress in der Weihnachtszeit: So vermeiden Sie Knöllchen

Parkhaus geschlossen, Parkplatz überfüllt und wenn man dann doch einen Parkplatz gefunden hat, kann das Bezahlen zum Problem werden. Die Verbraucherzentrale gibt Tipps für verzweifelte Autofahrer auf Parkplatzsuche in übervollen Städten zur Weihnachtszeit.

Black Friday Ansturm in einem Supermarkt
Wohin mit dem Auto während des Kaufrauschs? Bildrechte: IMAGO

Die Parkplatzsuche in der Vorweihnachtszeit kann zur Geduldsprobe werden. Aber das Bezahlen auch! Einige Städte Thüringens erlauben zwar inzwischen das Bezahlen per Park-App - doch das kann für Kunden teurer werden, als mit klingender Münze zu bezahlen, so Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen:

Es klingt bequem: Bezahlen per App. Der Vorteil ist häufig, dass der Autofahrer minuten-genau abrechnen kann. Er wirft nicht zu viel Geld ein. Andererseits lassen sich die App-Entwickler die Entwicklung der App bezahlen und das kann bis zu 50 Cent pro Bezahlvorgang extra sein. Da ist es unter Umständen günstiger, Kleingeld in den Automaten zu stecken.

Frau löst Parkticket am Parkscheinautomat.
Bitte zahlen: Wie, ist Ihnen überlassen. Per App ist häufig jedoch teurer. Bildrechte: IMAGO

Alternative Supermarkt-Parkplatz?

Schnell auf dem Supermarkt-Parkplatz aussteigen, um in der Innenstadt was zu besorgen? Kann auch teuer werden. Wer auf privaten Parkplätzen widerrechtlich parkt, wird immer öfter belangt.

Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen im MDR-Sendestudio
Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen im MDR-Sendestudio Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Viele Supermärkte haben inzwischen Firmen beauftragt, die gucken, ob auf dem Kundenparkplatz auch nur Kunden stehen - und zwar die erlaubten 90 Minuten oder zwei Stunden und ob sie eine Parkscheibe ins Auto gelegt haben. Ist das nicht so, drohen Strafen

Ralf Reichertz Verbraucherzentrale Thüringen

Wichtig hierbei:

  • beim Einfahren auf den Parkplatz muss ich als Kunde informiert werden, welche Regeln gelten
  • die Hinweise müssen gut sichtbar und gut erkennbar sein (lesbar aus dem Auto, kein Kleingedrucktes auf A4)
  • wenn ich z.B. keine Parkscheibe ins Auto lege und kein Kunde bin, muss ich damit rechnen, belangt zu werden (üblich sind häufig 29 Euro)

Auf Kundenparkplätzen werden keine "echten Knöllchen" verteilt - das machen Ordnungsamt und Polizei. Hier geht es meist um Vertragsstrafen.

Auf einem Supermarkt-Parkplatz weist ein Schild darauf hin, dass es sich um einen Privatgrundstück handelt, auf dem nur mit einer Parkuhr und für maximal zwei Stunden geparkt werden darf, andernfalls drohe eine kostenpflichtige Abschleppung.
Diese Regeln gelten hier! Bildrechte: IMAGO

Parkplatzverschwender werden bestraft

Ein besonders strenger Mitarbeiter des Ordnungsamtes kann schon dann Knöllchen verteilen, wenn das Auto nicht parallel zum Bordstein geparkt wurde.

Es gibt dazu keine gesetzliche Regelung, aber es heißt: Man muss am rechten Fahrbahnrand parken. Daraus leitet man ab, dass man parallel parken muss.

Roman Becker Jurist

Ragt ein Auto in den Verkehr hinein und stellt damit eine Gefahr für andere dar, kann es sogar abgeschleppt werden. Experten raten, die weißen Markierungen auf Parkplätzen zu beachten. Wer sein Auto schräg über eine der weißen Linien stellt oder gleich zwei Parkplätze blockiert, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Die Fahrbahnmarkierungen geben an wie ein Verkehrszeichen auch vor, wie man zu parken hat, und da muss man sich dran orientieren. Wenn man allerdings mit dem Fahrzeug nach vorn oder nach hinten ein kleines Stück über die Linie ragt und niemand behindert, ist das kein Problem.

Strafzettel schützt nicht vor weiteren Knöllchen

Klemmt bereits ein Knöllchen am Fahrzeug, ist das anders als von vielen vermutet kein Freifahrtschein für das Weiterparken ohne Ticket. Für längeres Falschparken können auch zwei oder mehr Strafen verhängt werden. Jurist Roman Becker erklärt dazu:

Das hängt auch damit zusammen, dass die Dauer der Parküberschreitung unterschiedlich geahndet wird. Das heißt, wenn man einen bestimmten Zeitraum überschritten hat, wird eigentlich die nächste Gebührenstufe fällig. Dann kann man ein neues Knöllchen bekommen.

Roman Becker Jurist

Lücken freihalten ist verboten

Da kochen regelmäßig die Emotionen im Parkstress hoch: Ein Autofahrer fährt am einzigen freien Parkplatz ein Stück weiter, um dann vorsichtig rückwärts einzuparken. In der Zeit hat sich ein anderer Fahrer schnell entschlossen vorwärts in die Lücke gequetscht. "Die Parklücke darf immer der benutzen, der sie zuerst erreicht hat", sagt Anwalt Roman Becker. Die Lücke müsse aber immer mit dem Auto "erreicht" werden. Untersagt sei daher auch, eine Lücke vom Beifahrer freihalten zu lassen:

Wenn der verhindert, dass andere in die Parklücke reinfahren, kann das eine strafbare Nötigung sein.

Roman Becker Jurist

Allerdings sollten Autofahrer auch nicht jemanden aus der Parklücke herausdrängen, die dieser freihalten will. "Wenn Sie auf den zufahren, um ihn raus zu drängen, dann könnten Sie auch eine Nötigung begehen. Man sollte sich besser vernünftig miteinander verständigen", sagt Roman Becker. 

Bei kaputtem Parkautomaten reicht die Parkuhr

Eine Parkuhr liegt hinter der Windschutzscheibe eines Fahrzeugs auf dem Armaturenbrett.
In bestimmten Fällen genügt eine Parkscheibe Bildrechte: IMAGO

Sind Parkscheinautomat oder -uhr defekt, können Autofahrer grundsätzlich einfach die Parkscheibe ins Auto legen und kostenlos parken. "Man muss aber erstmal die Umgebung absuchen, ob es nicht noch einen anderen Ticketautomaten gibt, wo man sich ein Ticket ziehen kann", sagt Anwalt Becker. Gibt es keinen weiteren Automaten, reicht die Parkscheibe. Dann gilt die Höchstparkdauer, die auf dem Ticketautomaten angegeben ist. Um einem möglichen Streit mit dem Ordnungsamt gleich von vornherein aus dem Weg zu gehen, können Autofahrer die "Defekt"-Anzeige des Automaten mit dem Smartphone fotografieren.

Rechts vor links gilt nicht auf Parkplätzen von Möbelhäusern oder Einkaufscentern

Auf vielen großen privaten Parkplätze wird deutlich darauf hingewiesen: "Hier gilt die Straßenverkehrsordnung" (kurz: StVO). Autofahrer nehmen dann häufig an, dass an den Ausfahrten der Parkplätze wie auf gleichrangigen Straßen auch die Rechts-vor-Links-Regel aus der StVO gilt. Das kann zu brenzligen Situationen führen. "Auf solchen Parkplätzen gilt der Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme. Beide müssen anhalten", sagt Roman Becker. Die Rechts-vor-Links-Regel gelte auf den Parkplätzen grundsätzlich nicht, weil sie nicht mit Straßen vergleichbar seien.

Dieses Thema im Programm: Vormittag mit Haase und Waage | 10. Dezember 2019 | 11:10 Uhr