Eine Frau und ein Mann sitzen an Computern. Zwischen ihnen steht ein Coach, der sich zu der Frau vorbeugt und etwas auf ihrer Tastatur tippt.
Bildrechte: imago/Westend61

Service | 01.02.2017 Weiterbildung im Beruf - Was beachten?

Am 2. Februar 2017 bietet die Arbeitsagentur Erfurt einen Beratungstag zum Thema "Berufliche Weiterbildung" an. Pressesprecherin Lydia Schöller hat in der Servicestunde erklärt, wann Weiterbildung und Qualifizierung vorteilhaft sind, welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt, welches Recht auf Weiterbildungsmaßnahmen besteht und wie man passende Vereinbarungen mit seinem Arbeitgeber trifft.

Eine Frau und ein Mann sitzen an Computern. Zwischen ihnen steht ein Coach, der sich zu der Frau vorbeugt und etwas auf ihrer Tastatur tippt.
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Gibt es ein Recht auf Weiterbildung?

Per Gesetz hat der Arbeitnehmer grundsätzlich keinen Anspruch auf Weiterbildung. Ein solches Recht kann einem Mitarbeiter aber durch einen entsprechenden Tarifvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder einen individuellen Arbeitsvertrag eingeräumt werden. Die Details eines solchen Anspruchs variieren sehr: So können Verträge zum Beispiel das Recht auf eine bezahlte oder aber auch auf eine nur unbezahlte Freistellung von der Arbeit enthalten. Auch ob der Arbeitgeber sich an den Kosten der Fortbildung beteiligt, wird individuell ganz unterschiedlich gehandhabt.

Allerdings gibt es in fast allen Bundesländern spezielle Gesetze für den sogenannten Bildungsurlaub. Das sind Tage, an denen der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern bezahlten Urlaub für eine Weiterbildung geben muss. Nur in Sachsen und Bayern gibt es diese Regelung nicht. In den meisten Ländern haben Arbeitnehmer Anspruch auf fünf Tage pro Jahr und zwar zusätzlich zum normalen Urlaubsanspruch. Wichtig ist jedoch, dass der Kurs als Bildungsurlaub anerkannt ist. Die Kosten für die Weiterbildung während eines Bildungsurlaubes muss der Arbeitgeber aber nicht übernehmen.

Ist eine Vertragsbindung wegen Weiterbildung erlaubt?

Der Arbeitgeber kann seinen Angestellten für einen gewissen Zeitraum vertraglich binden, wenn er ihm eine Weiterbildung genehmigt hat - aber nur wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. So müssen beide Seiten hierüber vorher eine Vereinbarung getroffen haben - oft wird ein sogenannter Weiterbildungsvertrag geschlossen - und der Arbeitnehmer muss für die Zeit der Fortbildung bezahlt freigestellt worden sein.

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Der Umgang mit Weiterbildungen muss vertraglich geregelt sein Bildrechte: imago/Hermann J. Knippertz

An sich nutzt ein solcher Vertrag natürlich vor allem dem Arbeitgeber: Er kann dort zum Beispiel festhalten, dass der Mitarbeiter die Kosten der Weiterbildung zurückzahlen muss, wenn er vor Ablauf einer vereinbarten Frist kündigt. Denn für ein Unternehmen ist es ärgerlich, wenn ein Mitarbeiter, in den es mit Weiterbildungen viel Zeit und Geld investiert hat, kurz darauf kündigt.

Gibt es keine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, kann der Mitarbeiter jederzeit kündigen, ohne Rückzahlungsforderungen befürchten zu müssen.

Anspruch auf Weiterbildung bei neuen Aufgaben?

Wenn man eine neue Aufgabe innerhalb des Unternehmens übernehmen soll, kann man vom Arbeitgeber keine Weiterbildung einfordern. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, Lehrgänge zu finanzieren oder den Arbeitnehmer dafür freizustellen. Es sei denn - wie bereits erwähnt: es gibt einen entsprechenden Vertrag oder eine betriebliche Vereinbarung.

Muss der Arbeitnehmer an einer Weiterbildung teilnehmen, wenn er gar nicht will?

Der Mitarbeiter ist immer nur zu der im Arbeitsvertrag vereinbarten Leistung verpflichtet. Im Rahmen seines Weisungsrechts kann der Arbeitgeber aber von ihm verlangen, an bestimmten Weiterbildungen teilzunehmen. Dabei geht es insbesondere um Fortbildungen, die es dem Mitarbeiter überhaupt erst ermöglichen, seinen arbeitsvertraglichen Pflichten auch künftig nachzukommen. Das kann der Fall sein, wenn sich sein Berufsbild aufgrund technischer und wirtschaftlicher Neuerungen verändert hat.

Weiterbildung nicht auf eigene Kosten

Nur wenn der Arbeitgeber die Kosten übernimmt, kann der Arbeitnehmer zur Teilnahme an einer Weiterbildung verpflichtet sein. Doch selbst wenn der Chef die Weiterbildung zahlt, muss es nicht sein, dass der Arbeitnehmer zwingend teilnehmen muss. Steht die geplante Fortbildung beispielsweise in keiner Relation zu seinen eigentlichen Arbeitsaufgaben, kann sich der Mitarbeiter trotzdem verweigern.

Was ist Bildungsteilzeit?

Für Mitglieder der IG Metall gibt es seit 2015 die sogenannte Bildungsteilzeit. Die IG Metall hat das als erste Gewerkschaft durchgesetzt. Das heißt: Alle Mitglieder, die mit Tarifverträgen in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie arbeiten, haben Anspruch auf Weiterbildung. Sie können dafür in Teilzeit gehen oder sogar eine Auszeit nehmen. Der Angestellte muss allerdings die Kosten und Zeit für seine Weiterbildung selber aufbringen. Wenn er das kann, muss der Chef seinen Angestellten für die Zeit der Weiterbildung freistellen und ihm bis zu sieben Jahre die Rückkehr garantieren.

Weiterbildung in Kleinstbetrieben

Arbeitnehmern, die in einer Firma mit weniger als zehn Beschäftigten angestellt sind, wird der Weg zur beruflichen Weiterbildung seit diesem Jahr zudem über die Arbeitsagentur erleichtert. Denn ihre Arbeitgeber müssen dafür seit dem 1. Januar 2017 keine Kosten mehr mit tragen.

Ihre Tipps:
Weiterrbildung ist mehr als rein fachliche Qualifikation, möglich sind etwa auch Zeit- oder Stressmanagement
Mut haben, den Arbeitgeber auf eine Weiterbildung anzusprechen
Recherchieren und beraten lassen, welches Angebot wirklich zu einem passt - und wie es sich finanzieren lässt
Beratung bei der Erfurter Arbeitsagentur am Donnerstag: 0361 / 30 22222

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2017, 05:00 Uhr