Servicestunde | 19.05.2020 Ästlinge und Nestlinge - Jungvögel nicht mitnehmen!

Die Vögel brüten und ab und zu fällt mal ein Vogelkind aus dem Nest. Die Kleinen sitzen dann erbärmlich piepsend am Wegesrand. Soll man sie retten oder lieber in Ruhe lassen? Das klären wir mit Experten der Deutschen Wildtierstiftung in unserer Servicestunde.

Kleiber, Altvogel sitzt an der Bruthoehle und fuettert einen Jungvogel.
Wer sich zu weit vorbeugt, fällt auch mal raus. Dieses Kleiberjunge ist vorsichtig. Bildrechte: imago images / blickwinkel

Manchmal sieht man ein Vögelchen am Wegesrand. Schutzlos, gerade mal mit dem ersten Flaum bedeckt oder schon etwas größer, aber hilflos tschilpend. Da regt sich schnell das Bedürfnis, die kleinen, zarten Wesen zu beschützen und ihnen zu helfen. Aber das ist nicht immer die richtige Entscheidung, sagen die Experten der Deutschen Wildtierstiftung. Es kommt nämlich ganz auf das Alter der Tiere an, ob sie Hilfe brauchen oder nicht.

Nestlinge - Vogelbabys brauchen Hilfe

Schlüpfen Vögel aus dem Ei, sind sie nackt und ihre Augen geschlossen. Erst nach einigen Tagen fangen sie an, sich zu dehnen und strecken, und ihre Muskeln zu trainieren. Manchmal purzelt dabei eines aus dem Nest. Diese Nestlinge sollten sofort ins Nest zurückgelegt werden. Es ist kein Problem, die kleinen Vögelchen vorsichtig anzuheben. Während Säugetiere meist sofort den fremden Menschengeruch wahrnehmen und sich ihren Jungen nicht mehr nähern, riechen Vögel eher schlecht. Sie haben deshalb kein Problem mit den Gerüchen eines Menschen und nehmen ihre Jungen ohne Probleme wieder auf.

Nestling Jungvögel, die im Nest der Eltern wohnen und noch nicht flügge sind.

Ästlinge - die größeren Jungvögel besser in Ruhe lassen

Wenn die Jungvögel etwas größer sind, verlassen sie das Nest. Bei diesen Ästlingen genannten älteren Vogelkindern besteht oft keine Gefahr. Sie flattern aus dem Nest, landen auf dem Boden oder im Geäst. Mühsam trainieren die Kleinen ihre Muskulatur. Manche können schon fliegen, manche lernen es kurz darauf. Die Eltern sind immer in der Nähe. Sie haben ihre Kinder im Blick und versorgen sie. Auch wenn es so aussieht - Ästlinge sind meist nicht allein. Deshalb sollten sie immer erst beobachtet werden. Schleicht sich eine Katze an oder ist gleich neben dem Vögelchen eine große Straße, dann ist Einsatz gefragt. Verscheuchen Sie die Katze oder tragen Sie den Vogel ein paar Meter zur Seite.

Ästling Noch nicht flügge Jungvogel, die das elterliche Nest oder die Bruthöhle verlassen haben, aber von den Eltern noch versorgt werden.

In seltenen Fällen ist solch ein Ästling tatsächlich verletzt oder verwaist. Dann brauchen die Jungvögel Hilfe. Die bekommen sie am besten in einer Vogelauffangstation. Auf keinen Fall sollten Finder selber versuchen, die Tiere durchzubringen. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet es, Jungvögel für längere Zeit zu Hause zu haben. Beim NABU, den lokalen Naturschutzbehörden oder in zoologischen Gärten erfährt man, wo die nächste Vogelpflegestation oder Auffangstation ist. Die Experten dort kennen sich bestens mit den Bedürfnissen der Jungvögel aus.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 19. Mai 2020 | 11:10 Uhr