Servicestunde | 23.11.2020 Was tun gegen Angst vor der Narkose?

Viele Menschen haben Angst vor einer Vollnarkose, wissen nicht, was auf sie zukommt und befürchten, nicht wieder aufzuwachen. Über die richtige Vorbereitung, den Ablauf der Narkose und die Wahlmöglichkeit zwichen Vollnarkose und Teilnarkose sprechen wir in der Servicestunde mit Anästhesie-Facharzt Dr. med. Christian Herrmanns.

Eine Patientin wird in mit einer Narkose auf die Operation vorbereitet
Ab hier erinnern sich die Patienten meit an gar nichts. Bildrechte: dpa

Bei einer Narkose werden Bewusstsein und Schmerzempfindung des Patienten vollständig ausgeschaltet. Die Methoden dazu sind bestens erforscht, die Narkose-Sterblichkeit ist äußerst gering.

Trotzdem haben viele Menschen ein mulmiges Gefühl, schließlich verliert man komplett die Kontrolle und ist im Zweifelsfalle wildfremden Menschen ausgeliefert.

Eine Flasche des Narkosemittels Propofol 9 min
Bildrechte: imago images/KS-Images.de

Gegen Narkose-Angst ist die richtige Vorbereitung das A und O. Wichtig sind ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient und die Unterstützung der Familie und/oder der Freunde.

Laut Bundesverband für ambulantes Operieren liegt das Risiko, an einer Narkose zu sterben, gegenwärtig bei 0,008 bis 0,009%.

So überwinden Sie Ihre Angst

  • Ein Anästhesist wird ein Vorgespräch mit Ihnen führen, Sie nach Medikamenten, Allergien und Körpergewicht fragen. Bitte lügen Sie nicht, denn die Narkosemittel werden kilogrammgenau abgemessen. Das ist wichtig, damit Sie nach der OP rasch wieder ansprechbar sind, sich Ihr Kreislauf stabilisiert und Ihr Körper nicht unnötig viel Narkosemittel abbauen muss.

  • Auch der operierende Arzt führt mindestens ein Gespräch mit Ihnen, in dem er genau erklärt, wie die Operation abläuft und all Ihre Fragen beantwortet. Er wird auch über mögliche Risiken aufklären, das ist Pflicht.

  • Notieren Sie sich vorher die drängendsten Fragen und stellen Sie sie der Reihe nach. So wird keine vergessen.

  • Notieren Sie sich, welche Verhaltensregeln vor der Operation für Sie gelten. Meistens muss man mit nüchternem Magen in den OP-Saal. Heißt bei einer Morgen-OP: Abends gibt's das letzte Essen. Sonst gilt: Sechs Stunden vorher nichts essen, keine trüben Flüssigkeiten (Milch, Saft) und keinen Alkohol. Zwei Stunden vor der OP darf man nicht mehr trinken - auch keinen Schluck Wasser.

  • Angstpatienten bekommen ein Beruhigungsmittel vom Anästhesisten. Schlucken Sie auf keinen Fall Tabletten, ohne sie zu erwähnen! Das kann böse Folgen haben, denn die Narkosemittel sind auf zusätzliche, unbekannte Beruhigungsmittel nicht ausgelegt.

  • Gehen Sie positiv in die Operation und freuen Sie sich, dass es Ihnen hinterher besser gehen wird als vorher.

  • Sie leiden so sehr unter der Angst, dass eine Depression droht? In fast allen Krankenhäusern gibt es Psychologen, die beratend zur Seite stehen.

Eine Narkose wird eingeleitet
Eine Narkose wird eingeleitet Bildrechte: imago/Science Photo Library

Narkosemittel bestehen aus drei Komponenten: Hypnotikum, Schmerzmittel und Muskelrelaxanz. Deshalb hat man im sogenannten Awareness-Zustand - dem intraoperativen Wachsein - auch nicht unbedingt Schmerzen oder kann sich nicht bewegen.

Vollnarkose oder Teilnarkose

Sollten Sie gerade erst eine Diagnose erhalten haben, die eine Operation nötig macht, bitten Sie um eine zweite Meinung. Die kann auch in einem anderen Krankenhaus in einer anderen Stadt erfolgen. Informieren Sie sich nicht nur über den Eingriff, sondern auch über Alternativen.

Alternativ könnte eine Regional-Anästhesie interessant sein. Dabei bleiben Sie bei Bewusstsein, während Regionen unterhalb des Bauchnabels betäubt werden. Meist wird die Teilanästhesie mittels Katheder über das Rückenmark verabreicht. Sollte die Schmerzausschaltung nicht ausreichen, kann während des Eingriffs sofort in die Vollnarkose gewechselt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN mit Haase und Waage | 23. November 2020 | 11:10 Uhr