Servicestunde | 04.05.2020 Was ist auf Balkon und Terrasse erlaubt?

Es ist Mai, die Balkone und Terrassen sind hergerichtet und man verbringt dort gerne seine Zeit. Damit der Nachbar auch seine Freude am Freiluftvergnügen hat, gelten ein paar Regeln. Welche das sind, klären wir in der Servicestunde.

Der Mai lockt mit steigenden Temperaturen und der aufgeblühten Natur viele Menschen ins Freie. Und wer gerade nicht am Park wohnt oder einen Ausflug machen kann, der geht kurzerhand durch die Balkontür nach Draußen. Dort teilt man sich den schönen Ausblick in der Regel mit den Nachbarn, deren Balkone anliegen. Das kann bei einem netten Plausch ein echtes Vergnügen sein, doch all zu oft gibt es auch Streit darüber, was wer wann auf dem Balkon oder der Terrasse darf.

Gestaltung und bauliche Maßnahmen

Grundsätzlich gilt, jeder darf über seinen Balkon oder Terrasse im üblichen Rahmen frei verfügen. Nach Belieben können dort Stühle, Bänke, Tische oder Sonnenschirm aufgestellt werden. Auch ein Sichtschutz ist unproblematisch. Bei der Ausgestaltung mit Mobilar ist alles erlaubt, solange es nicht über die Brüstung hinausragt. Denn dann könnte eine Gefahr für andere bestehen. Eine weitere Einschränkung setzen die Rechte des Hauseigentümers (bei Mietern), etwa wenn in die Bausubstanz eingegriffen wird. So müssen zum Beispieln Markisen, Rankengitter, Wäschetrockenvorrichtungen, Katzennetze und Satellitenschüsseln vom Vermieter genehmigt werden. Auch eine Verglasung oder Vorhänge müssten genehmigt werden. Hier stehen die Chancen aber sehr schlecht, weil somit das Erscheinungsbild verändert wird.

Blumenkästen und Pflanzen

Auf einem Balkon sind viele grüne Pflanzen
Blumen und Pflanzen auf dem Balkon sind grundsätzlich erlaubt, sollten aber gut befestigt sein. Bildrechte: Colourbox.de

Nichts spricht dagegen Balkone und Terrassen zu begrünen. Wer Blumenkästen am Balkon aufhängen will, muss diese sorgfältig befestigen und darauf achten, dass die Bepflanzung keine Gefahr für Passanten oder Nachbarn darstellt, beispielsweise bei Sturm. Manche Eigentümer bestehen auch darauf, dass Blumenkästen nur im Inneren des Balkons angebracht werden. Dies ist dann für alle Mieter bindend.

Außerdem sollten Sie beim Bepflanzen Ihres Balkons auch an ihre Nachbarn denken. Besonders große Pflanzen, die ihm zum Beispiel in der Sonne stehen, müssen nicht geduldet werden. Rücksichtnahme ist außerdem beim Gießen angebracht: Überschüssiges Gießwasser sollte nicht die frisch aufgehängte Wäsche auf dem Balkon darunter beschmutzen.

Beim Grillen Rücksicht auf die Nachbarn nehmen

Und auch wenn für uns Thüringer die "Bratwurst" ein Menschenrecht zu sein scheint, hat auf dem Balkon dennoch der Mietvertrag Vorrang. Wennn hier ausdrücklich "Grillen verboten" steht, ist das leider wirksam. Wer trotzdem grillt, riskiert laut Deutschem Mieterbund (DMB) eine Abmahnung oder gar die Kündigung des Mietvertrags. Steht es so explizit nicht drin, ist das Grillen grundsätzlich erlaubt.

Ein Mann grillt verschiedenes Fleisch und Gemüse auf dem Balkon.
Grillen auf dem Balkon kann - auch mit Elektrogrill - grundsätzlich verboten sein. Das muss so aber ausdrücklich im Mietvertrag stehen. Bildrechte: imago/Westend61

Aber auch hier gilt es Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen. Die müssen ihrerseits jedoch auch dulden, dass hin und wieder gegrillt wird, das heißt: mehrmals in der Saison. Deutschlandweit haben sich schon mehrere Gerichte damit befasst, wie oft "mehrmals" bedeutet. Die Rechtssprechung ist da jedoch nicht einheitlich: Manche Gerichte urteilten, tägliches Grillen sei okay, andere meinten, nur zwei, drei solcher Feiern auf dem Balkon pro Jahr seien zumutbar. Egal wie oft Sie schließlich grillen, wichtig dabei ist, dass Rauch, Ruß und dichter Qualm nicht in die Räumlichkeiten der anderen Mieter und Nachbarn ziehen. Daher empfiehlt der Mieterbund Thüringen einen Elektrogrill. Der Holzkohlegrill ist auf dem Balkon aus brandschutztechnischen Gründen verboten.

Ab 22 Uhr muss es leiser werden

Egal, ob der Grill an ist oder nicht - wer in direkter Nachbarschaft feiert, hat Ruhevorschriften einzuhalten. Die meisten Hausordnungen verbieten Lärm jeglicher Art nach 22 Uhr. Wer dann noch auf dem Balkon oder der Terrasse sitzt, sollte auf die Lautstärke achten: keine Musik mehr und die Gesprächslautstärke sollte auf ein Minimum reduziert sein. Andernfalls droht nicht nur Ärger mit dem Vermieter, sondern auch eine Geldbuße wegen Lärmbelästigung. Rechtsexperten raten daher, sich vor einer Party immer mit den Nachbarn abzustimmen.

Rauchen, nackt sein und Sex auf dem Balkon

Ein Mann der raucht
Im Sommer die geliebte Zigarette auf dem Balkon rauchen, was gibt es Schöneres? Aber bitte nehmen Sie Rücksicht auf Ihre Nachbarn. Bildrechte: imago images/Westend61

Ein leidiges Thema kann auch das Rauchen auf dem Balkon sein. Grundsätzlich hat kein Mieter Anspruch auf eine rauchfreie Luft. Wenn der Kettenraucher von nebenan alle zehn Minuten eine piefen möchte, so müssen Sie sich trotzdem nicht kampflos geschlagen geben. Der Bundesgerichtshof erließ in dieser Sache folgende Erklärung: Sollte der genervte Nachbar eine wesentliche Beeinträchtigung durch den Zigarettenqualm nachweisen, kann ein zeitlich befristetes Rauchverbot ausgesprochen werden. Auch eine Mietminderung kommt hier in Frage.

Etwas weniger gängig als das Rauchen auf dem Balkon, ist das nackt sein. Wer unbekleidet auf dem Balkon in der Sonne liegt, ist grundsätzlich auf der sicheren Seite. Der Mieterbund Thüringen verweist darauf, dass der Balkon zur Wohnung gehört. Und darin sei es ja auch erlaubt, nackt herumzulaufen.

Schwieriger wird es beim Freiluft-Sex: Nur wenn der Balkon von außen nicht einsehbar ist, sollten sich die Bewohner dort dem Liebesspiel hingeben. Fühlen sich die Nachbarn jedoch durch Nacktheit und lauten Sex belästigt, kann eine Abmahnung für die "Störenfriede" die Folge sein.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 04. Mai 2020 | 11:10 Uhr